Da wollen die Herren von SAXON das 25-jährige Jubiläum der NWOBHM ("New Wave Of British Heavy Metal") feiern und setzen dafür eigens eine Tour an, bei der sie ankündigen, ausschließlich Songs ihrer ersten Alben zu spielen – die ja, neben denen von JUDAS PRIEST und IRON MAIDEN Anfang der Achtziger eben für besagte NWOBHM sorgten.
Und was passiert? Das Haus von Frontmann Biff brennt ab und die Tour im März muss abgesagt werden.
Dem Zuspruch der Fans tut es jedenfalls keinen Abbruch, denn die neu angesetzten Dates im Oktober erfreuen sich großer Beliebtheit und der Gig am heutigen Abend in der Bochumer Zeche ist gar ausverkauft.
Der Untertitel der Tour „A Night Out With The Boys“ – lässt ja auch viel erwarten und auf ein langes Programm hoffen – zumal SAXON ohne Vorband(s) auftreten und so den gesamten Abend allein bestreiten.

Das große Backdrop zeigt das Motiv des allerersten (selbst-betitelten) Albums – ansonsten wird die Bühne der Zeche fast gänzlich durch das Drumkit ausgefüllt – Biff moniert später auch, wie "f****n small" die Bühne doch sei und dass er daher dauernd über seine eigenen Füße stolpere...

Weit vor den anvisierten 20 Uhr skandieren diverse Fans bereits unermüdlich "Saxon, Saxon,...", was aber den britisch pünktlichen Beginn nicht beeinflussen kann. Als es dann mit "Motorcycle Man" (endlich?!) losgeht, ist im Publikum sofort die Hölle los – und auch die Band ist direkt voll dabei – und bereits mit dem zweiten Titel "Play It Loud" gibt es einen Titel zu hören, der es ansonsten eher selten auf die Setlist schafft.
Als Biff sich nach dem dritten Song dann erstmals an das Publikum wendet, erntet er mit seinem Kommentar, "Crusader" könne man ja nicht spielen, schließlich sei das ja kein "alter" Song (er datiert immerhin von 1984...) genau den berechneten (entrüsteten) Erfolg.
Nach einem extrem gut und fett klingenden – weil eben mit aktuellem Equipment gespielten – "Stallions Of The Highway" gibt es eine weitere Überraschung, die bislang nur die eingefleischtesten unter den Fans in den ersten Reihen bemerkt haben dürften: Biff verkündet, dass man ja jetzt endlich wieder eine britische Band sei, da der erst zur letzten Tour eingestiegene Jörg Michael durch einen alten Bekannten ersetzt werden konnte – kein Geringerer als Drummer Nigel Glockler, der den größten Teil der Bandgeschichte die Felle verdroschen hat, ist nun wieder mit an Bord und hat sich gut hinter dem riesigen Arbeitsgerät versteckt.
Ohne Zeit zu verlieren, knüppeln SAXON einen Kracher nach dem Anderen raus – "The Power And The Glory" oder "The Eagle Has Landed" heizen die Stimmung noch mehr an, zwischendurch schnallt Biff sich persönlich noch mal eine Gitarre um und es gibt mit "Frozen Rainbow" und "Suzie Hold On" zwei ruhigere Titel zu hören. Die Sprechchöre "Saxon, Saxon..." wollen einfach nicht versiegen – sie werden nur nach und nach von stärker werdenden Rufen nach "Crusader" abgelöst – was Biff (mit umgehängter Gitarre) zu dem Kommentar verleitet "we can't f****n play Crusader with an accoustic guitar!"

Ich habe noch keine schlechte SAXON-Show gesehen – die Jungs haben eigentlich immer Spaß und Freude bei den Auftritten, aber heute sind sie durch die Bank gut drauf, machen untereinander kleine Sprüche ("Hey Paul, what album is this one from?") – und der sonst höchstens gemächlich über die Bühne schlurfende (neben Biff einzig verbliebene Band-Mitgründer) Paul Quinn wackelt permanent mit dem Hintern, reißt die Arme in die Luft und: lächelt und grinst permanent, als hätte er einen Sechser im Lotto.

Nach einem frenetisch bejubelten "Danke, meine Kameraden" seitens Biff geht es weiter mit wohlbekannten Krachern a lá "Never Surrender" – bis mit "Redline" wieder ein kleines, live selten vernommenes Schmankerl serviert wird.
Die alten Songs sind alle nicht so lang, daher ist man erst eine Stunde zu Gange, als satte dreizehn Titel gespielt sind – und man dort angekommen ist, womit sonst bereits die Zugaben bestritten werden: "Denim And Leather", sowie "747 – Strangers In The Night".
Biff erzählt, wie stolz er darauf ist, jedes Mal die abgesprochene Setlist zu ändern und damit die Bandkollegen ein wenig zu ärgern – und so wird spontan "And The Bands Played On" eingeschoben – und nach einer kurzen Solo-Einlage vom zweiten Gitarristen Doug Scarrat ist man bei "Wheels Of Steel" und damit dem letzten Titel angekommen, so dass die Zuhörer etwas verwundert sind und ein paar Sekunden brauchen, um zu realisieren, dass sie bereits nach weniger als 90 Minuten "Zugabe" rufen müssen.
Die wird dann aber glücklicherweise hinreichend gewährt – und Biff erklärt sich (wie immer) in einem "spontanen" Anflug von Güte bereit, den "Crusader"-Rufen nachzugeben. Trotz zwei weiteren Mega-Krachern in Form von "Princess Of The Night" und dem alles nieder walzenden "Heavy Metal Thunder" ist um 21:45 Uhr doch endgültig Feierabend.

SAXON haben ein geniales Konzert in Bestform abgeliefert an dem nur eines verwundert: wenn sie sonst locker 24-25 Titel (und die neueren sind zudem durchaus länger) am Abend spielen, warum dann ausgerechnet bei einem solchen Spezial-Event die "A Night Out..." für SAXON-Verhältnisse so verkürzt war. An fehlenden Songs aus dem fraglichen Zeitraum mangelt es nicht – spielen sie doch sonst beispielsweise auch noch "20.000ft" und "Machine Gun" sowie "Dallas 1 pm", die ebenfalls Stimmungsgaranten sind. Also: Wer nicht da war, hat eine tolle Show verpasst – einzig der kleine Wermutstropfen, dass es eine "short night" war, der bleibt.

Setlist Saxon:

Motorcycle Man
Play It Loud
Strong Arm Of The Law
Stallions Of The Highway
The Power And The Glory
Frozen Rainbow
Suzie Hold On
The Eagle Has Landed
Never Surrender
To Hell And Back Again
Redline
Stand Up And Be Counted
Denim And Leather
747 - Strangers In The Night
And The Bands Played On
Wheels Of Steel
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Crusader
Princess Of The Night
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Heavy Metal Thunder

(Naglagor)




Weitere Bilder zu diesem Konzert gibt es in unserer Galerie!

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