20180217 wucanhollandIch weiß nicht mehr, wann ich das letzte Mal eine Band ganz alleine einen Konzertabend bestreiten gesehen habe. Es muss schon lange her sein oder es ist mir noch nicht untergekommen. Da terminlich viele Termine von WUCAN in der Woche oder zu weit weg liegen, passt der Termin an einem Samstag in Holland hervorragend. Die vier Stunden Autofahrt bis nach Nijmegen vergehen wie im Flug und ohne Zwischenfälle. Meinen miserablen Erdkundekenntnissen sei Dank, freue ich mich am Parkplatz „Dong“ vorbeizufahren, wo wir leider 2015 das letzte Mal waren. In Nijmegen angekommen orientieren wir uns erstmal in dem aufgeräumt wirkenden kleinen Städtchen.

Nachdem wir im Hotel eingecheckt haben, bemerken wir bei ein Stadtbummel schnell, dass das „Merleyn“ zwei Häuser daneben ist und wir so problemlos volltrunken zurück aufs Zimmer torkeln können, ohne uns zu verlaufen. So genug „gejammert“, denn WUCAN müssen leider gut 7h direkt von Dresden aus nach Holland düsen. Das Wochenende stand eh auf der Kippe, denn die grassierende Erkältungswelle macht auch nicht vor unseren persönlichen Stars halt und so musste der Termin am Vortag in Oldenburg leider ausfallen, da Francis sich nicht in der Lage sah aufzutreten.

Vermutlich wollte man aber die Termine in Holland nicht ungenutzt verstreichen lassen und petzte sodann die Hintern zusammen. Wer weiß wann man nochmal dort ist?


Werbung für den Abend sah man nur im Schaufenster des „Merleyn“ direkt und auch sonst schienen WUCAN eher unbekannt zu sein, denn die deutsch sprechende junge Mitarbeitern unseres Hotels runzelte kopfschüttelnd die Stirn, als die Frage nach unserem Abendprogramm aufkam.

Wer jetzt schon keine Lust mehr hat weiterzulesen und der Meinung ist, ich könne mir den Rest in den Hintern schieben, der würde bloß für Musik eh nicht so weit fahren.

Egal, um kurz vor 21:00 Uhr stampfen wir vor den Eingang und sind schonmal nicht alleine. Kurz darauf läuft uns auch schon Phil entgegen und dann, nach und nach, der Rest der Band. Hinterher erzählte uns die Band, dass sie in zwoter Reihe parken mussten, von einem HiPo darauf angesprochen wurden und dann flugs ihr Equipment in den Laden schaffen mussten, um den Bus wieder umzuparken. Also geschenkt bekommt man als WUCAN noch lange nichts.
Im Laden versperrte ein schwarzer Vorhang die Sicht zum Konzertraum, und wir sind äußerst gespannt wie es drinnen wohl sein wird. Die Ecke mit dem Merch sieht heute etwas dürftig aus und entschuldigend zuckt man mit den Achseln, weil man es einfach verschwitzt hatte nachzubestellen. Ich hätte dann spaßeshalber ein arrogantes „Ausverkauft“ Schild hingestellt.
Das Gedränge im Vorraum, oder auch der Bar, wird langsam ordentlich und ich zähle ca. 50 Gäste.
Kurz nach 22:00 Uhr gibt der Vorhang endlich mal den Blick auf die Bühne frei und etliche Leute steuern auch gleich in diese Richtung. Plötzlich sind das gar nicht mehr so wenige, wie man dachte. Nachgefragt wieviele es am Ende waren, hab ich aber hinterher nicht mehr.


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WUCAN entern dann flott die Bühne und starten, wie so oft, mit einer psychedelischen Geräuschkulisse, aber halt, das sind ja Klänge die an „Cosmic Guilt“ erinnern und die Band hatte ja verlauten lassen, dass es mehr vom neuen Album zu hören gibt. Erstmal musste sich ja Neubasser Alex die Stücke sicher draufschaffen. Dass er es am Bass drauf hat, konnten wir letztes Jahr beim Junkyard Open-Air warm-up, Tropen Tango-Festival und in „Das Bett“ erleben. 
Ziemlich clever verbinden die Dresdner den Teil aus „Cosmic Guilt“ mit einem fliessenden Übergang zu „Father Storm“, welches ziemlich heavy und flott daherkommt.
Dann erfolgt eine kurze Pause um den Leuten "Hallo we are WUCAN" zuzurufen. Mit kurz meint die Band auch kurz, denn wir haben ja noch was vor heute.

Der Basspart-Beginn vom „Aging“-Teil "Worldwards" wird weitergejammt und wird langsam in Richtung dem großartigen Stück "The Ratcatcher" gesteuert, von dem es auch ein sehenswertes Musikvideo gibt. Überhaupt wird viel mehr gejammt, da ja auch die nötige Zeit als einzige Band des Abends dafür mehr als vorhanden ist.
Dann tauchen WUCAN wieder in "Worldwards" ein und nehmen "Flight Of The Crows I" noch ein Stück mit um das Ganze mit Teilen aus "Afterwards" abzurunden. So schnell kann eine halbe Stunde verfliegen.
Das lange nicht mehr gehörte "Looking In The Past" knüpft nahtlos an und mündet dann in "Wie Die Welt Sich Dreht"

Den Leuten steht teilweise der Mund offen, weil sie eine aussergewöhnliche musikalische Reise erleben, die nicht aus den üblichen 3-4 Minutenhäppchen besteht. Jedoch brandet in den Pausen dann doch Applaus in dem mittlerweile gut aber locker gefüllten Raum auf und die Leute fangen auch an zu tanzen.
Tanzen tut auch Francis, die passend zur Musik mit den Händen wellenartige Bewegungen macht, und auch mal die Hüften kreisen lässt, wenn sie nicht gerade die Gibson SG rockt, in die Flöte bläst und sogar singt oder dem Theremin spaceige Töne entlockt. Singen beschreibt das, was Francis mit ihrer Stimme anstellen, kann eh nur sehr wage. Selbst etwas angeschlagen, gurrt, summt, trällert, schmettert und gar growled sie, was die 4 Oktaven umfassende Bandbreite hergibt.
Sie unterhält die Zuschauer mit wilden Gesten und weit aufgerissenen Augen, passend zum Text.
Gitarrist Tim bearbeitet lieber in der Ecke vor seinem Verstärker seine Duesenberg und schwingt seine Haare dazu passend zum Riff.
Phil ist ein Uhrwerk und hält auch in den wildesten Jam-Passagen den Zirkus im Takt. Mit oft verbissenem-konzentriertem Blick grooved er sich durch die anspruchsvollen Songs, die so leichtfüßig daherkommen. Wenn ich die letzten Jahre eines gelernt habe, dann, dass ein guter Bassist zum Musikstück mehr beiträgt, als man es dank den ganzen Bassistenwitzen vermuten möchte. Alex spielt Bass, so wie man es aus dem Classic-Rock kennt: Knackig, deutlich spürbar und nicht exakt das, was Schlagzeug und Gitarre vorgeben, sondern einen eigenen Beitrag, den man sich schlecht wegdenken kann. Ich weiß nicht wie hart das war, sich die Basslinien der Songs drauf zu schaffen, die ja Patrik erdacht hatte. Sein Spiel verleiht den Liedern einen Drive der zwar anders ist als der von Patrik, jedoch bestens zum WUCAN-Sound passt.

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Die weiteren Spielpausen sind ebenfalls kurz gehalten und reichen aus für dem tanzenden Publikum mal zuzuprosten.
Mit „Ebb And Flute“, sowie „Out Of Sight, Out Of Mind“ gibts dann zwei Songs vom neuen Album „Reap The Storm“ direkt hintereinander.
Zeit für den letzten Song, meint Francis und die Leute beschweren sich merklich. Aber hey, der geht ja zwanzig Minuten, also kein Grund sich zu beschweren, meint der Front-Derwisch.

„Wandersmann" ist bislang der Höhepunkt eines jeden WUCAN-Gigs. In dem Stück steckt mehr an Musik drin, als in den meisten kompletten Alben ähnlich gearteter Bands.

Mir fällt auf, dass „Wandersmann“ teils von hypnotischen und meditativen Percussion-Parts von "Cosmic Guilt" unterlegt wird, was nicht sonderlich stört und dem ganzen einen neuen interessanten Dreh verleiht. Nach gut 80 Minuten ist das eigentliche Set dann vorbei, aber das Publikum will nochmal und so haut man noch flott „Am I Evil“ raus, was ich jedoch bald nicht mehr hören kann. Dann lieber nochmal öfter die BUDGIE-Nummer Leute! „Dopetrotter“ hat man sich heute „leider“ gespart, aber irgendwann muss man auch mal Platz für die neuen Songs machen.

Nach der letzten hau-drauf-Nummer, in der Francis nochmal allen Dampf ablässt, applaudieren die Leute brav mit Gejubel, entfernen sind dann aber schnell an die Bar, in den Raucherraum oder zum Merchstand, um auf die Band zu lauern. Ein paar Autogramme werden dann doch verteilt und seltsamerweise verschwinden nach und nach die billig aussehenden WUCAN-Plakate, die die Leute vom Merleyn erstellt haben. Noch ein paar nette Worte gewechselt, dann müssen WUCAN auch schon ihren Kram einpacken und die Bühne fegen. Wir trollen uns und haben einen großartigen Abend erleben können.

Dass WUCAN mittlerweile locker einen zweistündigen und kurzweiligen Abend bestreiten könnten, steht nun ausser Frage. Wird einfach mal Zeit, dass sich Booker mal trauen, diese großartige Liveband für größere Hallen zu buchen. 
Wenn euch der Bericht vorkommt wie unerträgliches Fan-Geseiere, dann habt ihr richtig gelesen, denn wer ausser einem Fan fährt so weit und wer ausser den Fans soll denn bitte sonst eine Band so unterstützen? Eben! (Andreas)

 

Setlist:
Comic Guilt ((zugeknöpfter) Ausschnitt)

Father Storm

Aging - Worldwards

The Ratcatcher

Aging - Worldwards

Aging - Flight Of The Crows I

Aging - Afterwards

Looking In The Past

Wie Die Welt Sich Dreht

Ebb And Flute

Out Of Sight, Out Of Mind

Wandersmann
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Zugabe
Am I Evil

(Fotos: Karin, Andreas /Konzertplakat: Andreas)

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