2016 04 paelzerhellEin Extreme-Metal-Fest ist schon eine besondere Sache, denn hier gibt es eben nicht auf Teufel komm raus Abwechslung im Programm, sondern eine Vollbedienung in Sachen Brutal-Death-Gemetzel. Um keine Langeweile aufkommen zu lassen haben die, in der Szene bekannten und selbst in ebensolchen Bands aktiven, Herren Oliver Geib und Heiko Axel ein Programm mit illustren Gästen zusammengestellt.
Aber erstmal die Kreuzsteinhalle in Erfenbach bei Kaiserlautern finden. Ein bekannter Ort für diese Sorte Konzerte ist das ja nicht gerade. Ich kann mich erinnern, dass die anderen "Pälzer Hell"-Events in Otterbach waren, jedoch hat es da bei mir zeitlich nie hingehauen.
„Pälzer Hell“, der Name verrät es schon, findet mitten in der Pfalz statt. Tatsächlich gibt es eine Sorte helles Bier von Bischoff Bier, die ähnlich heißt. Metalfestival und Bier, das geht ja eh gut zusammen. Von daher sollte der gleiche Name keine Probleme machen. Möglicherweise ginge ja sogar eine augenzwinkernde Kooperation?

Durch enge Gassen geht es bis ins Zentrum von Erfenbach und wir ergattern noch einen Parkplatz an der Kirche. Die Kreuzsteinhalle ist noch ein Stück zu Fuß, aber nach fünf Minuten kommen wir an einer recht neuen Mehrzweckhalle mit integriertem italienischem Restaurant zum stehen.
Schon auf dem Parkplatz tummelten sich einige bekannte Gesichter, die dort mit Caravan oder Wohnwagen parkten, um den Abend in vollen Zügen geniessen zu können, denn Zelten und Hotel ist hier nicht. An der Halle wimmelte es nur so vor Death-Metal-Fans und ein paar vorbei schlendernde Einwohner von Erfenbach machten erstaunte Gesichter.
Veranstalter Oliver kam gerade richtig um die Ecke um uns zu begrüßen und uns einen schönen Abend zu wünschen. Alles total entspannt hier! Man blickt überwiegend in fröhliche Mienen der Besucher. Aber so ist das eben bei dieser Art Musik: je brutaler, desto fröhlicher die Leute!
Die Mehrzweckhalle wirkt recht aufgeräumt und vor allem geräumig für gut 500 Besucher. Es gibt einen Stand mit Tonträgern und natürlich ist auch für das leibliche Wohl gesorgt.
Die Bühne ist für Undergroundverhältnisse einfach riesig und mit neuester Licht und Ton-Technik ausgestattet. Der Soundcheck der ersten Band versprach schonmal ein Fest für die Ohren.

WARFIELD
Woah! Jetzt gibt es schon zum Einstieg voll eins in die Kasse! WARFIELD hatte ich so gar nicht auf dem Plan und wollte mich einfach mal überraschen lassen. Die Jungs, die am Bass von Marc Hirschenbach unterstützt werden, hauen eine Thrash-Granate nach der anderen in die leider sehr spärlich besetzte Halle. Nichtsdestotrotz springt der Funke sofort über, denn WARFIELD sind angetreten die etablierten Teutonen-Thrasher zu beerben. An der Show der Pfälzer, die gerade mal „um die Ecke“ zum Festival wohnen, gibt es nichts zu kritisieren. Frontmann Johannes zeigt großes Talent zum Animateur und präsentiert Genre übliche Gesichtsgymnastik jedoch ohne peinlich zu wirken. Ein weiterer Hingucker ist zweifellos Gitarrist Matthias, der nicht nur körperlich Größe zeigt, sondern auch ein geniales Thrash-Riff nach dem anderen abliefert. Trommler Dominik sorgt mit seinem energetischen und präzisen Drumming dafür, dass der Gig wie aus einem Guss wirkt. Songs wie „Barrage Fire“, Vision Genicide“ oder „Atomic Strike“ lassen so gut wie keinen Kopf unbewegt.
Als Einstig in einen gelungenen Hartwurstabend, kann man sich gerade nicht mehr wünschen. Die Spielfreude, der 2012 gegründeten WARFIELD, würde so manch etablierter Band gut zu Gesicht stehen.


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DIABOLIC HERITAGE
Nach einer kurzen Umbaupause geht es dann mit den Saarländern DIABOLIC HERITAGE weiter. Nicht, dass es in der Pfalz nicht genug Metalbands gäbe, jedoch hat man bei diesem Festival wirklich behutsam, das Beste der Undergound-Szene zusammengetrommelt.
Man muss DIABOLIC HERITAGE gar nicht mehr groß vorstellen. Aus der Asche von CYNICAL BASTARD wiedererstarkt, hat sich die Band eine breite Fanbase erspielt. Mit ihrem wütenden und schnörkellosen Death Crust gibt’s ordentlich auf die Zwölf. Technische Probleme, wie der Ausfall eines Gitarrenamps, lassen die Stimmung nicht kippen. Damit muss man einfach rechnen und gibt dem Ganzen eben auch eine abenteuerliche Note. Ein bisschen in der Spielfreude gezügelt, prügeln sich die fünf Mannen durch ihr Set, welches fast ausnahmslos aus Songs des aktuellen Albums „Resumption“ besteht. Jedoch bekommt man mit „Nicht unser Ding“ auch eine Keule vom ersten Album serviert. Von „nicht-unser-Ding“ kann bei dem Applaus der leider immer noch dürftig besetzten Halle keine Rede sein. Es bleibt mir immer ein Rätsel, warum man lieber draussen steht und raucht/trinkt/labert statt JEDE auftretende Band zu würdigen. Bei so granatenstarken Songs wie „Walter O‘ Dim“, „Gone“ oder „Hate And Desecrate“ ist es auch kein Wunder, dass die Band 2015 den Smokey-Joe Award in Passau überreicht bekam. Die Mischung macht es wie immer. Interessante Blastbeat-Parts, wechseln sich mit tierisch groovenden Passagen ab. Die hellen Screams, die Gitarrist Patrick beisteuert, ergänzen sich ausserdem hervorragend mit den Growls von Sänger Berni. Aller Probleme zum Trotz haben DIABOLIC HERITAGE amtlich und auf hohem Niveau abgeliefert.


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CRIMSON DEATH
Zufrieden grinsend und mitheadbangend verfolgt Mitorganisator Oliver Geib das Geschehen auf der Bühne und hat auch sonst alles im Blick. Der Wechsel geht abermals reibungslos vonstatten.
CRIMSON DEATH aus Waiblingen bei Stuttgart hatte ich auch noch nicht auf dem Schirm. Mag sein, dass ich mich zu wenig im Death Metal-Underground herumtreibe, aber leider werden Bands die auf so hohem Niveau spielen und entsprechende Veröffentlichungen am Start haben, oft mangels finanzkräftiger Marketing-Maschinen untergebuttert.
Seit 2008 am Start, sind CRIMSON DEATH mit ihrem aktuellen Album „Social Born Killer“ unterwegs. Der Auftritt verläuft schnörkellos und routiniert. In die abwechslungsreichen Songs sollte man mal reinhören. Da hab ich jetzt nichts vermisst. 


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TORMENT OF SOULS 
TORMENT OF SOULS treten für die verhinderten OBSCENTY an. So richtig erschliessen tut sich mir das „Zombie Squad“-Konzept nicht und richtigen Zugang zum stumpfen Geballer mit drei Gitarren hab ich auch nicht. Na, damit bin ich jedoch ganz alleine, denn die Halle ist jetzt amtlich gefüllt. Die sympathischen Zombiejäger haben eine Menge Fans mitgebracht, die das Gemetzel nach Kräften unterstützen. Sieht ganz nach Familientreffen aus. 


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LIFELESS
Aus dem tiefen Ruhrpott kommen LIFELESS, die schon mit vielen Genregrößen die Bühne teilen durften, wie ich im nachhinein herausfand. Mir war der Name nur von einem Plakat in Erinnerung, auf dem sie als Support für die Hamburger ENDSEEKER fungierten. Wenn man, so wie ich, den Schwedentod Anfang der Neunziger eingeatmet hat, freut man sich immer wieder über Nachwuchs, die dem Sound Ehre erweisen und versuchen neue Facetten zu integrieren. Aber leider machen LIFELESS das nicht, sondern kopieren fast eins-zu-eins den Stil von DISMEMBER. Relativ deutlich wird das beim Cover „Casket Garden“ am Ende bemerkbar, da hat man dann den Vergleich. Es fehlt einfach auch die Raffinesse der Vorbilder. Das monotone Geröchel von Frontmann Marc ist irgendwann auch eher nervig, als faszinierend brutal, und ein wenig mehr Aktion auf der Bühne würde der Show von LIFELESS auch gut zu Gesicht stehen.
Dem an sich schon musealen Death-Metal tun die Jungs damit leider keinen Gefallen. Sie lassen eher die Sehnsucht nach den Pionieren aufkommen.


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REQUIEM
Wenn man den Bandnamen REQUIEM bei metal-archives.com eingibt, erscheint eine Liste mit um die dreissig Bands gleichen Namens. Die allermeisten Truppen haben sich jedoch schon früh aufgelöst. Nicht so REQUIEM aus der Schweiz. Die Mannen toben seit 1997 in wechselnder Besetzung durch die Szene und veröffentlichen hartnäckig gut beleumundete Alben in bewährtem neunziger Jahre Death-Metal-Stil. Im original Lineup und zusätzlichem Live-Gitarrist ging es dann gleich ordentlich zu Sache. Die langjährige Bühnenerfahrung merkt man den Jungs sofort an. Sehr überzeugend und präzise hauen die Schweizer dem Pälzer Hell-Publikum ihren Old-School Death-Metal um die Ohren. Die Reaktionen der Fans sind entsprechend enthusiastisch. Song-Grananten wie „Premier Killing Leage“, „Marked By The Signs Of Chaos“ oder „Bloodcult“ werden lautstark abgefeiert. 


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FLESHCRAWL
Mit FLESHCRAWL steht als nächstes ein Urgestein der deutschen Death-Metal Szene auf der Pälzer Hell-Bühne! Umtriebig seit 1987, prügeln sich die süddeutschen Mannen von Anfang an routiniert durch ihr mit Klassikern gespicktes Set. „Dark Dimension“, „Made Of Flesh“, „Flesh Bloody Flesh“ so nur ein paar Beispiele. Anfang des Jahres wurden auf einer Split EP Namens „Tales Of Flesh and Skin“ ein paar neue Songs vorgestellt. Ich bin mir nicht sicher, dank mangelhaft verständlicher Ansage und unsichtbarer Setlist, ob ein Titel davon auch gespielt wurde. Ende 2016/ Anfang 2017 wird es dann auch ein neues Album geben. Bei „As Blood Rains from the Sky“ grunzen Jochen von TORMENT OF SOULS und Frontgrunzer Sven im Duett und „geben alles“ wie man dem verständlichen Jubelschrei auf der TORMENT OF SOULS Facebook-Seite entnehmen kann. Ja, der Auftritt ist mehr als gelungen und so bilden FLESHCRAWL, wie man den Jubelstürmen der Anwesenden entnehmen kann, mit SCHIRENC PLAYS PUNGENT STENCH die Headliner-Phallanx.
FLESHCRAWL zelebrieren einen Stil der einige Fanlager vereint. Ihre gekonnte Gemengelage aus ENTOMBED, BOLT THROWER und AMON AMARTH triebt den Anwesenden die Freudentränen in die Augen. Licht und Sound sind einwandfrei.


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SCHIRENC PLAYS PUNGENT STENCH
PUNGENT STENCH sind in den letzten Jahren eher ein On-Off-Bandprojekt als eine richtige Band, 2007 löste sich die Truppe dann endgültig auf. 2013 gab es dann so eine Art Reunion, aber irgendwie auch nicht richtig, denn außer Martin Schirenc war ja keines der anderen Mitglieder mehr dabei, sondern die Band wurde mit Danny Vaccum (geniales Pseudonym!) und Mike Gröger (deutlich kleinere Nase als sein deutscher Fast-Namensvetter Mike Krüger) neu besetzt. Darüber waren wohl nicht alle glücklich und rechtliche Streitigkeiten mit Gründungsmitglied Rector Stench machten daraus erst THE CHURCH OF PUNGENT STENCH und letztendlich das umständliche MARTIN SCHIRENC PLAYS PUNGENT STENCH. Das ist mir aber alles zu umständlich, kindisch und doof und deshalb schreib‘ ich hier jetzt immer PUNGENT STENCH. So. Die Österreicher sind der Hauptgrund, weshalb ich überhaupt auf das Pälzer Hell gekommen bin. Mit deutlicher Verspätung betritt der Dreier die Bühne, was aber daran liegt, dass der Zeitplan schon seit geraumer Zeit hängt. Das Publikum ist ziemlich übersichtlich geworden, aber scheiß drauf. Ein Backdrop oder irgendetwas, was sonst auf den Namen hinweisen könnte gibt es nicht, und Frontmann Martin Schirenc kündigt seine Band als „eine kleine Gruppe aus Österreich, die Lieder der Band PUNGENT STENCH covert“ (ihr müsst euch das jetzt natürlich im geilen Wiener Dialekt vorstellen) an. Blickfang ist neben dem Fronter selbst Bassist Danny Vaccum, der Elvis in seinen späten Jahren verblüffend ähnlich sieht und sich zur Freude des Publikums im Laufe des Auftritts mehr und mehr entblättert. Leider nur obenrum. Sei’s drum (reimt sich). Warum der Gute es aber bevorzugt, seine Ansagen in schlechtem Französisch zu machen – das will ich wahrscheinlich lieber gar nicht wissen. Geboten werden Songs quer durch den Garten – äh – die Bandgeschichte. Aber eigentlich ist das egal, weil das Publikum sowieso jeden Song abfeiert, egal, ob er eher zum „Swingen“, „zum Mitschnipsen!“ oder zum Bangen ist. Es wird ordentlich gepogt und es ist erstaunlich, wie es alle schaffen, sich nicht am umherliegenden Glas zu zerfleischen. Einziger Wermutstropfen: Die Band verweigert konsequent den „Klyster Boogie“ („Klyster Boogie“, liebe Leute, nicht „Mister Boogie“! Wenn ihr schon permanent nach Songs schreit, dann lernt wenigstens vorher wie die heißen), obwohl der von Anfang an gefordert wurde. Tja, liebe Österreicher. Kein „Klyster Boogie“ für uns, kein Popotanz für euch. Selbst schuld. Selbst schuld ist auch Kollege Andreas. Freiwillig das Groovemonster aus Österreich verpassen. Sorry, da fehlen mir die Worte. (Hallo? Liebe Anne, du hast ca. 6,5 geile Bands vorher verpasst - Andreas) (Anne)


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FAZIT
Abschliessend gibt es noch zu sagen, dass es natürlich immer irgendwo klemmt und hakt oder nicht ganz so optimal ist. Verzögerungen und technische Probleme gibt es immer und wird es immer geben aus vielerlei Gründen. Dass die Parkplatz-Situation furchtbar ist, da kann keiner was dafür. Kaum einer will ein paar Meter länger laufen wie es scheint. Das die Pizzeria überfordert war – geschenkt! Gibt es denn ein vergleichbares Event für Underground Verhältnisse, das als Beispiel dienen könnte? Irgendwo vielleicht schon, aber sicher mit weniger Gejammer, denn alle werden froh sein, dass es solche Events überhaupt gibt. So viel Herzblut wie Heiko Axel und Olli Geib auch als Fans in die Veranstaltung haben einfliessen lassen ist schon einmalig. Die beiden kennen sich aus, sind selbst seit Jahren mit verschieden Bands in der Szene unterwegs und wissen worauf es letztendlich ankommt.

Ich habe jetzt noch die "Doppelbelastung" von ca. 800 geilen Fotos, wegen der richtig geilen Lichtshow, die schönsten auszusuchen. Da fällt es nicht leicht eine Auswahl zu treffen. Also ich muss sagen, es war großartig und für Fans der Mucke eine Vollbedienung. Da gab es keinerlei Kritik. Ich hab mich schon an diese speziellen Fans gewöhnt, die lieber draussen trinken und rauchen, als drin zur Musik abzugehen. Ob da nicht ein Open-Air dann besser wäre, oder ein halbes Zelt?
Die Stimmung war insgesamt jedoch sehr sehr gut unter den Leuten. Krawalle gab es keine - es war wie ein Klassentreffen, so wie viele sagten.
Am besten hat mir jedoch gefallen, wie sehr es den Veranstaltern gefallen hat. Ich hab Olli zum Beispiel sehr gerne beim Abrocken neben der Bühne zugesehen und war immer wieder erstaunt, wie leichtfüßig und schnell Heiko auf die Bühne sprang um irgendwas technisches abzuklären.
Besser kann man Death Metal einfach nicht präsentieren! Horns Up \m/ (Andreas)

(Fotos: Andreas)

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