vorbericht_knock_out_11_nDas Knock Out Festival gehört seit 2005 zu den bedeutendsten Indoor-Metalfestivals in Deutschland und nach einer Pause im Jahr 2010 fand es in diesem Jahr zum bereits vierten Mal statt, wie immer in Karlsruhe und natürlich auch wieder in der geräumigen Europahalle, die für ein solches Event prädestiniert zu sein scheint. Bei einem Fassungsvermögen von mehr als 10000 Personen war die Europahalle zwar selbstverständlich nicht ausverkauft, aber mit mehr als 4500 Besuchern (offizielle Angabe), ich hätte sogar noch ein paar mehr geschätzt, war die Halle einerseits jederzeit gut gefüllt, andererseits war so aber auch genug Platz, um sich auch gemütlich zurückziehen zu können. Dazu lud nicht nur ein extra eingerichteter Ruhebereich im hinteren Teil der Halle ein (dummerweise ohne Sicht auf die Bühne), sondern auch die seitlich aufgestellten Tribünen wurden rege als Sitzmöglichkeit genutzt.

Gute Gründe zum Ausruhen gab es während der gut 8 Stunden eigentlich keine, denn im Gegensatz zu anderen Festivals wurde das Billing nicht mit unzähligen Bands aufgefüllt, die eh kaum einer sehen will. Sechs Bands waren bereits mehr als genug, die allesamt für gute Unterhaltung sorgten, so viel sei schon mal verraten.

VOODOO CIRCLE
Die süddeutsche Band VOODOO CIRCLE hat ihren Opening-Slot sicherlich zum Teil dem berühmt-berüchtigten Vitamin B zu verdanken, schließlich singt der Sänger David Readman auch bei PINK CREAM 69, deren Drummer Kosta Zafirou Mitveranstalter des Festivals ist. VOODOO CIRCLE passten mit ihrem von WHITESNAKE und anderen 70er- und 80er-Genregrößen inspirierten Hard-Rock zwar nicht so ganz zum Power Metal-lastigen Billing, aber da man sich zur gleichen Zeit auf Tour mit den ebenfalls deutlich härteren SINNER befand, dürfte man die Außenseiterrolle bereits verinnerlicht haben. Für mich persönlich waren VOODOO CIRCLE der perfekte Opener, na ja eigentlich hätten die Jungs gerne auch etwas später und dafür auch länger spielen dürfen, denn die sechs gespielten Songs, allesamt vom Hard-Rock Album des Jahres, „Broken Heart Syndrome“, waren allererste Sahne und dass bei „alten Hasen“ wie Mat Sinner und Alex Beyrodt auch die Show nicht zu kurz kommt, das versteht sich von selbst. Überstrahlt wurde der Auftritt von einer nicht in Worte zu fassenden 10 Minuten Version von „Devil's Daughter“. Wie sagt man so schön, das war eine viel zu kurze halbe Stunde.  

Setlist:
No Solution Blues
This Could Be Paradise
King Of Your Dreams
Devil's Daughter
Broken Heart Syndrome
When Destiny Calls

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GRAVE DIGGER
War es bei VOODOO CIRCLE zuschauermäßig noch überschaubar in der Halle, so wurde es vor GRAVE DIGGER ganz plötzlich zumindest in der vorderen Hälfte der Halle richtig voll. Um kurz vor 6 waren eben die meisten Zuschauer am Ort des Geschehens eingetroffen und mit den nötigen Kaltgetränken (es gab auch Warmgetränke) versorgt, und dass man sich auf die Livedarbietung von GRAVE DIGGER fast immer verlassen kann, das ist genau so bekannt wie die fast immergleiche Setlist. Was will man halt machen, wenn man so Sachen wie „Rebellion“, „Heavy Metal Breakdown“ und „Excalibur“ einfach bringen muss. Dazu noch zwei neue Nummern („Hammer Of The Scots“, „Highland Farewell“) und dann noch was im Mid-Tempo („The Last Supper“) und die anberaumten 45 Minuten sind schon wieder vorbei. Ansonsten könnte ich eigentlich das gleiche wiederholen, was ich bereits vor einigen Wochen zu den Grabschauflern geschrieben habe, als diese zusammen mit SABATON unterwegs waren. Die richtige Begeisterung entfachen GRAVE DIGGER bei mir nicht mehr, den Leuten hat's aber definitiv gefallen.

Setlist:
Scotland United
Hammer Of The Scots
Ballad Of A Hangman
The Last Supper
Excalibur
Highland Farewell
Rebellion
Heavy Metal Breakdown

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STRATOVARIUS
Für STRATOVARIUS war der Auftritt auf dem Knock Out Festival insofern ein ganz besonderer, weil es der letzte von Drummer Jörg Michael auf deutschem Boden war, der sich demnächst nach über 10 Dienstjahren von STRATOVARIUS verabschieden wird. Also durchaus ein besonderes Ereignis, das zu Beginn unter keinem guten Stern stand, denn erstens gab's technische Probleme beim Einspielen des Intros, was für einige Lacher sorgte, auch weil die einzelnen Mitglieder peinlich berührt und etwas verwirrt auf die Bühne kamen. Was lernen wir daraus: Wer braucht schon Intros? Und zweitens war der Sound bei den ersten beiden Songs „Under Flaming Skies“ und „Eagleheart“ eine mittlere Katastrophe; zum ersten und einzigen Mal an diesem Abend übrigens! Timo Kotipelto war zu Beginn kaum zu hören, so dass es bis zum Doppel „Speed Of Light“ und „Kiss Of Judas“ dauerte, bis STRATOVARIUS mit dem Publikum (und umgekehrt) warm geworden sind. Ab dem Moment wurde der STRATOVARIUS-Gig, der auch viel zu schnell vorbei ging, zu einem Triumphzug, „Black Diamond“ und „Hunting High And Low“ ganz zum Schluss wurden lauthals mitgesungen und abgefeiert und auch das ruhige „Winter Skies“ funktionierte ausgezeichnet. Wer Nachfolger von Jörg Michael werden wird, steht offiziell noch nicht fest, sein zwischenzeitlicher Ersatz Alex Landenburg war jedenfalls auch vor Ort und verfolgte fast den kompletten Gig vom Mischpult aus, das nur am Rande.

Setlist:
Under Flaming Skies
Eagleheart
Deep Unknown
Speed Of Light
Kiss Of Judas
Darkest Hours
Winter Skies
Black Diamond
Hunting High And Low

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DRAGONFORCE
Um den Auftritt von DRAGONFORCE gab's im Vorfeld einige Streitereien, businesstechnisch wohlgemerkt, die sogar darin gipfelten, dass die Engländer kurzzeitig ihren Auftritt cancelten. Dass man dann trotzdem spielte, lag vermutlich daran, dass man den Wunsch erfüllt bekommen hat, nach STRATOVARIUS auftreten zu dürfen, wie auch immer, man war da und eine Band, deren Gründungsdatum in den Neunzigern liegt, schadet bei dem ganzen Haufen altehrwürdiger Bands doch auch nicht. Auch für DRAGONFORCE war dieser einstündige Gig etwas besonderes, denn es war der erste in Deutschland mit dem neuen Sänger Marc Hudson. Beim ersten Song „Heroes Of Our Time“ habe ich zwar noch gedacht, oh weh, das wird nix mit dem Jungen als Nachfolger von ZP Theart, aber von Song zu Song wurde seine Gesangsleistung besser und die beiden neuen Songs „Cry Thunder“ und „Lost Fallen World“ lassen einiges vom kommenden Studioalbum erwarten. Auch wenn die englische High-Speed-Maschine wie nicht anders zu erwarten die Band des Abends war, die am meisten polarisierte und dementsprechend auch nur verhaltene Reaktionen erntete, muss man der Band bei allem Mögen oder Nicht-Mögen zugutehalten, dass es showtechnisch derzeit kaum eine agilere Band gibt. Die beiden Gitarristen reißen in einer Stunde mehr Kilometer runter als Lukas Podolski in 90 Minuten, schleudern ihre Arbeitsgeräte umher, dass es die Leute im abgesperrten VIP-Bereich (die ÄRZTE hätten bestimmt jetzt „scheiß VIP“ gesungen) bestimmt mit der Angst zu tun bekommen haben, nun ja und die Haarpracht von Herman Li ist wirklich beeindruckend. Leider war die Setlist nicht ganz so toll, wo waren die genialen Songs von der „Valley Of The Damned“-Scheibe?

Setlist:
Heroes Of Our Time
Operation Ground And Pound
Cry Thunder
My Spirit Will Go On
Lost Fallen World
The Last Journey Home
Through The Fire And Flames

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SAXON
Bevor die Legende SAXON die Bühne entern durfte, wurden die gut 4500 Leute auf eine Geduldsprobe gestellt. Zuerst wurden zwei Gitarren an die Gewinner der VIP-Verlosung übergeben (einer der beiden kann gar nicht spielen, gewonnen hat er trotzdem), das war sozusagen der noch unterhaltsame der unnötigen Momente des diesjährigen Knock Out Festivals. Der peinliche unnötige Moment (ein Moment wird an dieser Stelle als circa 5-minütiger Zeitraum definiert) folgte direkt im Anschluss, denn die Veranstalter waren der Meinung neben einem mehr oder weniger unterhaltsamen Pausenansager mit Tobias-Sammet-Akzent (die Witze hatten ein noch schlechteres Niveau) auch noch einen Pausenkomiker als „Surprise Act“ zu engagieren, der im wahrsten Sinne des Wortes von der Bühne gebuht wurde; in den Siebzigern wären vermutlich Stühle und andere Gegenstände geflogen. Boris Meinzer hieß der Kerl, der angeblich durch's lokale Radio einen gewissen Bekanntheitsgrad inne hat. Ich hab jetzt nun wirklich nichts gegen Comedy, aber das hier war wirklich nur peinlich und unlustig, sozusagen das WYKKED WYTCH der nationalen Comedyszene.

Für SAXON, um die es hier eigentlich gehen soll, hatte das den Vorteil, dass die Leute sogleich auf 180 waren und der Mann, der für den Sound verantwortlich war, wollte sich anscheinend direkt so richtig die Lauscher freispülen und drehte den Lautstärkeregler auf 11 von maximal 10. Selbst im hinteren Teil der Halle war es ohne Gehörschutz oder Papier in den Ohren kaum auszuhalten, da fragt man sich schon, was dieser Mist soll.
Der Stimmung tat dies allerdings keinen Abbruch, ganz im Gegenteil, als Co-Headliner waren SAXON die erste Band des Abends, die das volle Programm auffahren durfte, und trotz einiger schwächerer Nummern zu Beginn vom „Call To Arms“ Album, wurden die Engländer um Byff Biford bejubelt und abgefeiert. SAXON gehören eben zu den Bands, die sozusagen in Würde gealtert sind, und in den letzten Jahren nochmals ihren dritten Frühling erleben. Ähnlich wie bei GRAVE DIGGER halten sich die Überraschungen bei einer SAXON-Show in Grenzen, die Leute wollen eben „Heavy Metal Thunder“, „Motorcycle Man“, „Denim And Leather“ und Konsorten hören und die bekamen sie.

Setlist:
Heavy Metal Thunder
Hammer Of The Gods
Never Surrender
Chasing The Bullet
Motorcycle Man
Back In '79
Solid Ball Of Rock
To Hell And Back Again
Call To Arms
Rock The Nations
Drum Solo
Demon Sweeney Todd
Denim And Leather
Power And The Glory
Wheels Of Steel
Princess Of The Night

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BLIND GUARDIAN

Als BLIND GUARDIAN schließlich die große Bühne der Europahalle betreten können, ist der Zeiger schon nahe an 12 Uhr, und ein Teil der Menge bereits so müde, dass er sich entweder bereits ganz verabschiedet oder auf die Tribünen zurückgezogen hat. Im Vergleich zu SAXON ist es in der Halle jedenfalls um einiges aufgelockerter und man kommt problemlos noch in den vorderen Bereich. Dass die Stimmung dadurch nur unwesentlich schlechter wird, konnte man daran erkennen, dass es bereits nach dem zweiten Song „Welcome To Dying“ die ersten „Guardian“ Sprechchöre (und damit wurde kein Song von FATES WARNING gefordert) gab. Im Vergleich zu SAXON war der Sound auch für gesunde Ohren, die gesund bleiben sollen, wieder erträglich und auch wenn jeder so seine persönlichen Faves von den Krefeldern hat, dürfte jeder mit den gespielten Songs zufrieden gewesen sein. In meinen Augen eine nahezu perfekte Mischung aus alten Krachern und neuen Krachern, man berücksichtigte fast alle Studioalben mit mindestens einem Song (!)  mit der großen Überraschung, dass man beide Teile des „Bard's Songs“ spielte, also auch „The Hobbit“.

Was einem bei einer BLIND GUARDIAN Show auch immer wieder bewusst wird, sind die herausragenden Lead- und Harmonyparts von Andre Olbrich und Marcus Siepen, die die Songs von dem Melodic Power Einheitsbrei abheben, den andere Bands anbieten, die nicht zur „Weltklasse“ gehören. Gerade über die Live-Fähigkeiten der deutschen Vorzeige-Metaller wird ja gerne mal gemeckert, den einen sind die Ansagen von Hansi Kürsch zu brav und zu unbeholfen, andere stören sich an den unmetallischen Outfits und so weiter, aber in einem sind sich die beiden Neckbreaker Redakteure vor Ort einig: BLIND GUARDIAN gehen immer und immer wieder und waren der beste Headliner für dieses tolle Festival!    

Setlist:
Sacred Worlds
Welcome To Dying
Nightfall
Time Stands Still
Turn The Page
Majesty
Bright Eyes
Ride Into Obsession
Lord Of The Rings
Valhalla
Tanelorn (Into The Void)
Imaginations From The Other Side
The Bard's Song – In The Forest
The Bard's Song – The Hobbit
Mirror Mirror

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Als Fazit bleibt festzuhalten, dass den Veranstaltern von Bottom Row zusammen mit den Bands und den Besuchern ein großartiges Festival gelungen ist, bei dem es fast nichts mehr zu verbessern gibt. Ich hoffe, dass sie inzwischen so schlau sind, auf „Pseudokomiker“ in Zukunft besser zu verzichten. Neben dem zum Teil zu lauten Sound dürfte für einige das einzige Ärgernis die unterschiedliche Preisgestaltung zwischen Steh- und Sitzplätzen gewesen sein. Wenn sowieso keine Kontrollen stattfanden, kann man den Unterschied zwischen den teueren Sitz- und den günstigeren Stehplätzen auch ganz sein lassen. Von daher sehen wir uns sicher wieder im Dezember 2012, wenn es heißt Knock Out Nummer 5. (Maik)


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