Wieder einmal stattete ein zuckersüßes Death Metal Package dem ExHaus in Trier einen Besuch ab. Nachdem beim letzten Inferno die Briten BOLT THROWER schon alles in Schutt und Asche gelegt hatten, versuchten nun HURTLOCKER, VESANIA, ABORTED, DEW-SCENTED, GRAVE und CRYPTOPSY ihr Glück. Wieder war es bitterkalt in der frischen Luft, da wirkte die glühende, stickige Hitze im engen ExHaus, gefüllt mit hunderten von Menschen doch fast schon angenehm. Den Anfang machen die Chicagoer Jungs von HURTLOCKER vor noch recht wenigen Bangern. Der Sound der Amerikaner klingt wie SLIPNKOT (Hardcore - Gesang mit Sprechpassagen, ähnlich wie Corey Taylor) meets Death Metal und kann erst nur einen kleinen Teil der Anwesenden begeistern. Zu eintönig und vorhersehbar und ohne besondere Eigenständigkeit. Trotzdem gelingt es dem sympathischen Frontmann Grant Belcher mit seiner bittenden Aufforderung „make some noise PLEASE“ das Publikum zu locken, sodass die Band gegen Ende des Sets etwas mehr als Höflichkeitsapplaus erhält. Der HURTLOCKER Auftritt fungiert auch witzigerweise als eine Art Stelldichein amerikanischer Besucher, so sind die Chicagoer Fans besonders begeistert von der Band und freuen sich, mit Leuten aus Illinois, dass sie hier Landsmänner wieder finden.



Als zweite Band von sechs an diesem Abend betreten die polnischen Black Metaller VESANIA die schmale Bühne. Dass das Corpsepaint stark an BEHEMOTH erinnert kommt nicht von Ungefähr, da Gitarrist und Frontmann Orion auch den Bass bei der polnischen Kultband bedient. Außerdem sitzt VADER Drummer Daray hinterm Kessel und zaubert mit der bis zum Anschlag getriggerten Bass eine Doublebass Gewitter, das sich sehn, hören und spüren lassen kann. Man kann ohne weiteres verstehen, warum VADER diesen Mann hinter der Schiessbude haben wollten. VESANIA sind eine wahre Erscheinung, selten sieht man solche eine Ausstrahlung auf der Bühne. Mit ihrem Keyboard verstärkten Sound erinnern die Polen desöfteren an DIMMU BORGIR. Das Publikum hat sich nunmehr verdreifacht und lässt sich von der propellerbangenden Bühnenfraktion gerne zum mitmachen überreden.



Die Belgier ABORTED entfachen danach ein Schlachtfest vor dem Herrn. Hier ist die meiste Bewegung des Abends zu vermerken, kein Wunder, denn ABORTED machen soweit alles richtig. Irre Geschwindigkeit gepaart mit höllischem Groove und einem äußerst sympathischen Frontmann, der sich selbst bei seiner Art zu Bangen wohl nach der Show die Nackenstütze anklemmen darf. Die Belgier kommen mit rundum erneuertem Line Up daher, die Gitarrenfront besteht aus zwei exakt gleichen Zwillingen und der Tiefsaiter wird von einer gar zierlichen Frau bedient. Zu meckern gibt es an dieser neuen Besetzung gar nichts, nur dass die Soli etwas lieblos daher kommen. Kleines Manko, dass keinen im riesigen Moshpit interessieren brauch.



Die Deutschen Thrasher von DEW SCENTED kommen, mal wieder, mit Ersatzgitarrist auf Tour. Standard Axtschwinger Hendrik konnte leider die Tour aus arbeitstechnischen Gründen nicht mit fahren und wird von HEADSHOT Gitarrist Henrik ersetzt. Das Publikum wirkt etwas zurückhaltender als noch bei ABORTED und muss immer wieder angeheizt werden, was wohl daran liegen könnte, dass die Leute nach drei Bands schon etwas müde sind. Der Rasiermesser scharfe Thrash der Deutschen lässt mit Songs wie „Soul poison“, „Acts of rage“ und „Turn to ash“ aber kaum Wünsche offen und nach einem umjubelten Statement gegen Rechtsradikalismus in der Metalszene startet das Pit wieder in alter Größe aufs Neue. Der Jubel zwischen den Songs beweist, dass DEW SCENTED sich langsam aber sicher an die Spitze der Hartwurst Szene arbeiten, mit Kontakt zur Basis. So springt Basser Alex nach mehreren Problemen mit seinem Instrument nach dem letzten Song in die Menge und lässt sich auf Händen nach hinten tragen.



Liegt es am Zeitplan oder an mangelnder Lust, dass GRAVE nach ca. einer halben Stunde als Co - Headliner wieder die Bühne verlassen? Fraglich, warum das Set der Schweden so kurz geraten ist. Sei es drum, diese kurze Zeit ist gespickt mit absoluten Klassikern des Schwedentods, „Into the grave“ und „Rise“ überzeugen eben auch die schärfsten Kritiker. Der Sound bereitet hier ein paar Probleme, einzelne Riffs sind nicht gut erkennbar, da der Gitarrensound doch arg tief und undifferenziert klingt. Trotzdem geil, aber zu kurz.



CRYPTOPSY können mit einem einzigen Wort beschrieben werden: Krank! Pure Sickness entert die Bühne. Darf ich vorstellen: Lord Worm, frisch aus der Klappse. An den technischen Fähigkeiten der Kanadier um Wundertrommler Flo Mounier kann kein gesundes Gehirn zweifeln. Allerdings kann auch kein gesundes Gehirn den Gesang von Lord Worm, der eigentlich nur aus dem Fabrizieren von unstrukturierten Geräuschen besteht, länger als zwei Lieder ertragen. Gedanken über Gesangsstrukturen oder Lyrics werden hier völlig überflüssig. Die Songs an sich sind zwar sehr anstrengend, haben aber durchaus ihren Reiz, vor allem durch Derwisch Mounier. Aber Lord Worm = krank! „Is it hot in here, or is it just you?“ hört man ihn fragen. Es ist heiß im ExHaus, ja…
Nichtsdestotrotz finden nicht wenige Gefallen an dem Sound auch wenn die Reihen ein klein wenig lichter geworden sind. Aber es ist wohl genau diese Sickness, die den Reiz von CRYPTOPSY ausmacht, denn sehr gute Musiker gibt es im Metal genug. Fazit des CRYPTOPSY Gigs: krank!



Fazit des gesamten Konzerts: Wieder einmal hat ein sehr interessantes Package Trier einen Besuch abgestattet, es wird nicht das letzte gewesen sein. Ein Abend voll musikalischer Gewalt hat noch niemand geschadet. So langsam beschleicht einen allerdings das Gefühl, dass sechs Bands für einen Abend, der um 20:00 beginnt schon eine Menge ist. Auf der anderen Seite ist solch eine Zusammenkunft mit 18 Euro Eintrittspreis absolut Value for money!

Weitere Bilder gibt es in unserer Gallerie
(Alle Fotos von Bernie)
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