Kreator Gods Of Violence 200Mit „Gods Of Violence“ landeten KREATOR vor kurzem direkt auf Platz 1 der deutschen Albumcharts. Zum Zeitpunkt des Interviews befand sich die Band gerade auf Tour in Italien. Trotzdem nahm sich Gitarrist Sami Yli-Sirniö die Zeit um meine Fragen zum neuen Album sowie zu seinen beiden anderen Bands WALTARI und BARREN EARTH ausführlich zu beantworten.

Matthias: Hallo Sami, vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview nimmst. Wo erwische ich dich gerade?

Sami Yli-Sirniö: Hi, natürlich. Es ist mir ein Vergnügen. Wir sind gerade in Mailand angekommen und freuen uns auf die Show heute Abend. Es war schön dazwischen einen freien Tag zu haben. Davon haben wir nicht allzu viele.

Matthias: Lass uns über „Gods Of Violence“, das neue Album von KREATOR, sprechen. Dieses war laut Mille ursprünglich als Konzeptalbum geplant. War es für dich eine große Umstellung, als diese Idee letztendlich verworfen wurde?

Sami Yli-Sirniö: Die ersten drei Songs fühlten sich an als wenn sie irgendwie miteinander verbunden wären. Als der Songwritingprozess jedoch voranschritt fühlten wir uns durch die Idee eines Konzeptalbums eingeschränkt und beschlossen lieber alle Arten von Songideen einfließen zu lassen.

Matthias: Für die neue Scheibe habt ihr bisher sehr gute Kritiken bekommen. Merkt man, wenn man sich im Schreib- und Aufnahmeprozess befindet, dass man da etwas Besonderes in der Mache hat oder ist man dermaßen fokussiert, dass man das gar nicht mitbekommt?

Sami Yli-Sirniö: Als Musiker versuchst du immer dein Bestes zu geben. Da ist es manchmal schwer objektiv zu bleiben. Dafür hat man dann einen Produzenten und ich erinnere mich daran, dass er sagte, dass wir da etwas ganz Besonderes zusammenbrauen würden.

Matthias: Mille schreibt ja in der Regel alle Texte und scheut sich nicht auch unangenehme Themen anzusprechen. Gibt es da auch manchmal Diskussionen oder fandst du schon einmal einen Text zu krass?

Sami Yli-Sirniö: Sicher sprechen wir über die Texte. Es ist wichtig zu wissen, was du gerade spielst, wenn der Gesang noch nicht aufgenommen ist. Er spricht unangenehme Themen an, aber es ist nicht so, als ob er eine Lösung anbieten würde. Sie sind nur eine Beobachtung der Welt, die uns umgibt. Ich stimme ihm in fast allem zu, was er schreibt. Mille ist ein guter Texter!

Matthias: Meiner Meinung verbindet ihr auch auf der neuen Scheibe nahezu perfekt Härte und Melodie. Wie muss man sich das Songwriting bei KREATOR vorstellen?

Sami Yli-Sirniö: Es gibt keine Regeln oder Dogmen, wenn es dazu kommt. Dieses Mal begann es mit einigen groben Demos, die Mille schickte. Ich hatte auch einige, die sich als inspirierend erwiesen. Danach haben wir Demos mit der ganzen Band aufgenommen, bevor wir uns im Studio in Schweden mit Jens Bogren trafen.

Matthias: Du spielst auch noch bei WALTARI und BARREN EARTH. Ist es da schwer alles unter einen Hut zu bekommen?

Sami Yli-Sirniö: Es kommt darauf an, wie man seinen Terminkalender organisiert. BARREN EARTH werden im April mit Victor Santura ins Studio gehen, um den Nachfolger von „On Lonely Towers“ einzuspielen. Das Album wird bei Century Media erscheinen.

Matthias: Bei der letzten Tour von BARREN EARTH warst du nicht dabei. Kannst du mir einen Grund dafür nennen?

Sami Yli-Sirniö: Die Vorproduktion der KREATOR-Tour und die Warm-up-Show in Berlin kollidierten mit der Tour. Glücklicherweise hatte ich den brillanten Mr. Kimmo Korhonen, um für mich einzuspringen. Er freute sich darauf.

Matthias: Noch einmal zurück zu „Gods Of Violence“. Ihr zeichnet da ein recht düsteres Bild vom aktuellen Zustand der Welt. Wenn du dir die Lage so ansiehst, machst du dir dann Sorgen?

Sami Yli-Sirniö: Ich versuche mich nicht zu sorgen, obwohl es offensichtlich vieles gibt über das ich mir Sorgen machen könnte. Wenn ich an Sachen denke, die mich persönlich beeinflusst haben, wie zum Beispiel der Anschlag auf das Bataclan, denke ich, dass es großartig ist, dass sie wieder öffnen und dass wir dort spielen werden. Keine Angst!

Matthias: Was hältst du von Musikern, die die Meinung vertreten, dass Bands sich nicht politisch äußern sollten?

Sami Yli-Sirniö: Die Freiheit sich künstlerisch auszudrücken, bleibt jedem selbst überlassen.

Matthias: In den letzten Jahren gibt es immer mehr das Phänomen, dass Leute im Publikum sich mehr mit ihrem Smartphone als mit dem Konzert beschäftigen. Bekommt ihr das auf der Bühne mit und was hältst du von so etwas?

Sami Yli-Sirniö: Wenn ich selbst zu einem Konzert gehe, würde ich mein Smartphone nicht herausnehmen, denn ich denke, dass es meine Konzentration und das Hörvergnügen vermindern würde. Bei klassischen Konzerten sind Smartphones verboten, aber das könnte bei einem Metal-Konzert zu schwierig werden. Letztendlich denke ich, dass jeder genau das tun soll, was er will.

Kreator Gods Of Violence 700

Matthias: Hast du Mille schon einmal ein Buch oder einen Film vorgeschlagen, aus dem dann ein Text entstand?

Sami Yli-Sirniö: Sicher, da wir die ganze Zeit über Musik, Filme, Bücher und Kunst reden. Vielleicht sollte ich ihn einmal fragen.

Matthias: Du hast bereits in Opernhäusern gespielt. Könntest du dir vorstellen ein komplettes KREATOR Konzert mit einem Orchester zu spielen?

Sami Yli-Sirniö: Warum nicht? Wenn etwas in der Art getan würde, müsste es ein völlig neues Stück Musik sein, das dafür gedacht ist.

Matthias: Welchen Job hättest du, wenn du nicht Musiker wärst?

Sami Yli-Sirniö: Ich weiß es nicht. Es war mir schon in einem frühen Alter sehr klar, dass Musik mein Leben ist. Ich habe alle Arten von seltsamen temporären Jobs während meines Lebens gemacht, aber Musik schien mir immer wichtiger.

Matthias: Mit wem würdest du gerne einmal die Bühne teilen?

Sami Yli-Sirniö: Ich glaube, es ist wichtig, mit so vielen verschiedenen Menschen wie möglich Musik zu machen und zu jammen, weil dies der beste Weg ist, neue Sachen zu lernen und musikalische Interaktion zu entwickeln. Eine kurze Antwort wäre jemand, der mir etwas zeigen kann, was ich nicht kenne.

Matthias: In welchem Land würdest du gerne einmal spielen?

Sami Yli-Sirniö: Heute sind wir in Italien und ich würde gerne um zehn Uhr abends auf die Bühne gehen.

Matthias: In welchem Alter hast du mit der Gitarre begonnen?

Sami Yli-Sirniö: Ich begann, als ich 13 oder 14 war. Eine Weile besuchte ich das Konservatorium für klassische Musik in Helsinki. Rock und Metal kamen später ins Bild.

Matthias: Was war das erste Album, das du dir selbst gekauft hast?

Sami Yli-Sirniö: Das muss „Perfect Strangers“ von DEEP PURPLE im Jahr 1984 gewesen sein. Unmittelbar danach die 70er Jahre Edelsteine. In meiner Kindheit war zu Hause immer viel Musik: BEATLES, STONES, THE POLICE, DAVID BOWIE, PINK FLOYD, Klassische Musik...Such dir etwas aus.

Matthias: Was war das erste Konzert bei dem du warst?

Sami Yli-Sirniö: Ich kann mich nicht erinnern. Der erste "Metal" Gig muss DIO auf ihrer "Last in Line" Tour gewesen sein.

Matthias: Wie kann man sich einen Tag auf Tour bei KREATOR vorstellen?

Sami Yli-Sirniö: Es gibt viel Wartezeit. Wichtig ist, sich aktiv zu halten. Ich liebe es zu reisen. Die Dinge sind einfach während einer Tour.

Matthias: Auf welchem Album hättest du gerne mitgespielt?

Sami Yli-Sirniö: Schwierige Frage. Die Aufnahmen zu "Exile On Mainstreet" müssen interessant gewesen sein, zumindest wenn man vom Dokumentarfilm ausgeht. Jedes Album das in den Electric Ladyland Studios aufgenommen wurde.

Matthias: Viele Bands bringen in letzter Zeit ihren eigenen Wein oder ihr eigenes Bier raus, wäre das auch etwas für euch?

Sami Yli-Sirniö: Wir haben einen Rotwein namens „Black Sunrise“. Italienischer Nero D'avola. Am besten serviert bei 16 Grad Celsius. Der Weißwein heißt "Demon Prince". Sizilianische Trauben am besten um 12 Grad serviert. Geeignet für baldiges Trinken.

Matthias: Es gibt Gerüchte über eine anstehende Tour der großen 4 des deutschen Thrash. Ist da schon etwas geplant?

Sami Yli-Sirniö: Ich finde den Slogan etwas amüsant. Dennoch sind alle Bands toll so warum nicht. Bereits im Jahr 2002 haben wir eine Tour gemacht und es hat Spaß gemacht. Ich müsste unseren Booker fragen. Es gibt viele Pläne für Shows in diesem Jahr!

Matthias: Vielen Dank für das Interview.

Sami Yli-Sirniö: Vielen Dank für dein Interesse und Grüße aus Italien.

(Matthias)

interview kreator 02
Bildquelle Sami Yli-Sirniö: Wikipedia

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