interview tommyvictor 01PRONG feiern 2016 ihr 30jähriges Bestehen und veröffentlichen mit „X – No Absolutes" in Kürze ihr neues Album. Infolgedessen nahm sich Frontmann Tommy Victor die Zeit für ein ausführliches Interview, in dem er sich unter anderem an die Aufnahmen zu „Force Fed" erinnert, erklärt inwiefern Glenn Danzig und Al Jourgensen ihn beeindruckt haben und warum Tourneen durch exotische Länder riskant sein können. Doch lest selbst.

Matthias: Hallo Tommy, vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview nimmst. Wie geht es dir?

Tommy Victor: Mir geht es gut. Danke für das Interview!

Matthias: Ihr veröffentlicht ja in Kürze euer bereits zehntes Album, bei dem du auch mitproduziert hast. Kannst du dich noch an die Produktion von „Force Fed" erinnern und inwiefern hat sich die Arbeit an einem Album seit dieser Zeit geändert?

Tommy Victor: Diese Scheibe wurde in einem provisorischen Studio in einer Ladenfront an der Lower East Side aufgenommen. All das Equipment stand nur herum und einiges davon war auf diesen Stahlregalen, wie man sie in Werkstätten hat. Ich glaube, es wurde auf einer 8-Spur, ein Zoll-Bandmaschine aufgezeichnet. Wir haben einfach schnell die Spuren eingespielt und ohne jegliche Overdubs gearbeitet. Wir hatten so ein niedriges Budget für diese Platte. Jetzt haben wir den Vorteil der digitalen Technologie. Wir können so viel mehr in so viel weniger Zeit tun. Für ein geringes Budget, kann man heute wettbewerbsfähigen Sound erschaffen. Doch in jedem Fall muss man immer noch Songs haben. Das hat sich nicht geändert.

Matthias: Meiner Meinung nach verbindet „X-No Absolutes" in fast perfekter Weise eure musikalischen Einflüsse. Würdest du mir da zustimmen?

Tommy Victor: Ich weiß es nicht. Es ist ein PRONG Album. Das bedeutet, es ist immer ein wenig unberechenbar. Ich weiß nie, was es wird und als was es sich letztendlich herausstellt. Ich versuche einfach, mir selbst treu zu sein und dem was ich denke, wofür PRONG stehen. Wir haben eine Menge Scheiben, auf die wir uns beziehen können. Um ehrlich zu sein, das macht ein bisschen einen Unterschied. Es gibt mehr zu reflektieren. Unser Cover Album "Songs From The Black Hole" zu machen hatte im Rückblick einen gewissen Einfluss auf diese Platte. Ich glaube, ich wusste vielleicht ein wenig mehr, wo die Ursprünge von PRONG liegen, wenn ich mich an diese Scheibe erinnere.

Matthias: Mit „Songs from the Black Hole" habt ihr im letzten Jahr ein Coveralbum veröffentlicht, gibt es darauf einen Song, der dir besonders viel bedeutet?

Tommy Victor: Ich mag all die Songs. Ich kann ehrlich gesagt keinen als besonderen Favoriten herauspicken.

Matthias: Du bist ja schon sehr lange dabei und hast mit den unterschiedlichsten Musikern zusammen gearbeitet, gibt es jemanden, der dich besonders beeindruckt hat?

Tommy Victor: Ich schätze Glenn Danzigs Old School Rock 'n Roll Haltung Dinge einfach rauszuhauen und alle Regeln zu zerschlagen. Ich respektiere Al Jourgensens akribischen Willen, genau das zu bekommen, was er will und seine Vorstellungen im Studio umzusetzen. Sie sind beide große Künstler, nicht nur Standard-Musiker. Ich habe versucht, mehr Vertrauen in das, was ich tue zu haben, und nicht so sehr über das, was andere Menschen denken nachzudenken. Beide Jungs haben riesige Eier. Größer als meine. Eine Menge von dem, was den Unterschied in dieser Sache, die wir tun, ausmacht, ist die Attitüde. Aber man kann sie nicht kaufen oder sie sich aneignen. Sie kommt natürlich. Wir können nicht wirklich dem entkommen, der wir sind.

Matthias: Da du ja ursprünglich Hardcore gespielt hast, verfolgst du noch die Entwicklung der Szene?

Tommy Victor: Ich verfolge nicht „die Szene". Ich habe mich aus einer gegenwärtigen Szene zurückgezogen, wenn so etwas überhaupt existiert. Meine „Szene" starb Jahre zuvor mit dem Aufkommen der sozialen Medien. Wie kann es überhaupt eine Szene geben, wenn die meisten Leute vor ihren Computern hängen oder an ihren Smartphones kleben? Ich dachte eine Szene bräuchte etwas Interaktion mit Leuten, Diskussionen und Kameradschaft. Wo ist das?

Matthias: Gibt es neue Bands, die du magst?

Tommy Victor: Das hängt davon ab, was du als neu bezeichnest. Für mich sind GOJIRA neu und ich mag sie. Ich sah OPETH einige Male und ich denke sie sind unglaublich. Es gibt einige heftige Djent Bands da draußen, die auf Platte erstaunlich klingen. Dann siehst du sie live und sie sind enttäuschend.

Matthias: Erinnerst du dich noch an das allererste Album, das du dir gekauft hast?

Tommy Victor: Natürlich. Das war „Fresh" von THE RASPBERRIES.

Matthias: In welchem Land würdest du gerne einmal touren?

Tommy Victor: Es gibt viele Länder, die ich gerne besuchen möchte. Wie zum Beispiel Indien. Touren ist eine ganz andere Sache. Mit einer Band an exotische Orte zu gehen ist ein wenig beängstigend. Man hat Angst, abgezockt zu werden. Es gibt immer diese Bedrohung nicht bezahlt oder entführt zu werden oder schlechte Shows zu spielen. Vor allem mit PRONG, weil die meisten seltsamen Gegenden nicht mit uns vertraut sind. Wir haben gerade zum ersten Mal in Spanien und Portugal gespielt, und die Leute dachten, dass wir seltsam sind.

Matthias: Gibt es Musiker mit denen du gerne einmal zusammen arbeiten würdest?

Tommy Victor: Ich weiß nicht wie es mit einer Zusammenarbeit aussieht, aber ich würde gerne Bass oder Gitarre bei KILLING JOKE spielen. Das wäre cool. Natürlich wäre es großartig, wenn jemand wie OZZY einen Song mit mir schreiben wollte. Ich mag diese Rolle, zu versuchen anderer Vorstellungen und Träume wahr zu machen.

Matthias: Nun zu einem ernsten Thema. Wir alle haben ja die Anschläge in Paris mitbekommen, wie hast du das erlebt und gehst du seitdem mit einem mulmigen Gefühl auf die Bühne?

Tommy Victor: Nun, ich habe einen Text darüber geschrieben, denn es ist beunruhigend. Ich mag das Ganze nicht, weil Religionen erdichtet sind. Dass jemand über Dinge schreibt, die vor Hunderten von Jahren waren, macht sie nicht wahr. Das zu glauben, ist wirklich verrückt. Es macht keinen Sinn. Diese Dinge sind auf jeden Fall seltsam. Diese Dinge passieren, und die Menschen vergessen sie sehr schnell. Es gibt viele Gefahren überall um uns herum; Was soll man machen? Wir haben keine Kontrolle. Ich könnte von einem Auto angefahren werden und ein Tsunami könnte mich erwischen oder was auch immer. Ich sollte wohl jeden Tag mit mehr Dankbarkeit leben.

Matthias: Vor kurzem hat die Szene ja Lemmy verloren. Was verbindest du mit ihm?

Tommy Victor: Lemmy war wirklich der ultimative Rockstar. Und er musste sich nie zu sehr anstrengen. Er war ein Naturtalent. Er war ein Original. Niemand wird in seine Fußstapfen treten können.

Matthias: Wie alt warst du, als du deine erste Gitarre bekamst und befindet sie sich noch in deinem Besitz?

Tommy Victor: Ich glaube, ich war etwa 11 und nein, ich habe sie nicht mehr. Ich habe keine Ahnung, was damit passiert ist. Ich habe sie nicht oft gespielt, ich fing mit Bass an, weil ich in einer Band sein wollte. Die Gitarre nahm ich erst später wieder auf, kurz bevor es mit PRONG losging. Mit dem Bass hatte ich nie irgendeinen Erfolg.

Matthias: Ihr seid ja bald auf Tour in Deutschland, auf was freust du dich dort besonders und was bekommt ihr in Amerika von der „Flüchtlingskrise" mit?

Tommy Victor: Ich lebe in Los Angeles und bin in New York geboren und aufgewachsen. Beide Orte sind enorm multinational und multikulturell. In den wichtigsten Städten in Amerika gibt es die unterschiedlichsten Ethnizitäten. Europa muss sich jetzt einfach dran gewöhnen.

Matthias: In Amerika sind ja nächstes Jahr Präsidentschaftswahlen gibt es jemanden, der deine Stimme bekäme? Und wenn ja, warum?

Tommy Victor: Nein, sie sind alle nur Schachfiguren für die extrem Reichen und Einflussreichen. Es ist eine Farce.

Matthias: Letzte Frage. Du stammst ja aus New York und interessierst dich sicher auch für Football. Jets oder Giants?

Tommy Victor: J-E-T-S JETS! JETS! JETS!

Matthias: Danke für das Interview und viel Glück für das neue Album.

Tommy Victor: Danke

(Matthias)

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