interview Pothead 20140916 00Vor dem Konzert von POTHEAD in der Garage in Saarbrücken und nach der Ankündigung einer neuen Live-DVD zum „Potstock"-Festival hatte ich regelrecht Hummeln im Hintern. Daher musste ich kurz vor dem Konzert noch einmal bei Brad durchklingeln und einige Infos über das anstehende Konzert, die neue Live-DVD und weitere Pläne der Band einholen. Dabei kam erneut ein sehr interessantes Gespräch zustande, bei dem es um weit mehr als Musik ging. Außerdem zeigte es erneut einen sehr bodenständigen Musiker, der nach wie vor sehr viel Spaß und Enthusiasmus für seine Musik aufbringt.

Pascal: Hallo Brad, wie geht´s?

Brad: Alles super, ich komme gerade von unserem Tonstudio hier beim Proberaum und habe ein paar Aufnahmen gemacht.

Pascal: Für das neue Album?

Brad: Nein, ich arbeite momentan an dem diesjährigen Weihnachtssong.

Pascal: Ach so, super, also wird es dieses Jahr wieder einen geben?

Brad: Ja, jedes Jahr, einfach so zum Spaß (lacht).

Pascal: Freut ihr euch schon auf das Konzert in Saarbrücken?

Brad: Ja auf jeden Fall, Saarbrücken ist immer super. Wir spielen da schon seit Jahren sehr gerne. Saarbrücken war die erste Stadt, in der wir im Hotel schlafen konnten, zuvor mussten wir immer auf dem Boden oder im Wagen schlafen. Wir waren damals zwar zu dritt in einem Zimmer, aber dennoch waren wir total begeistert, schließlich war es unser Hotel (lacht).

Pascal: Super (lacht).

Brad: In den Betten war nur für zwei Leute Platz, also musste einer auf dem Boden schlafen. Natürlich landete der Schlagzeuger auf dem Boden (lacht).

Pascal: Hast du schon die Setlist für Sonntag fertig, wird es Überraschungen geben?

Brad: Wir werden einfach so wie immer spielen (lacht).

Pascal: Ich persönlich stehe total auf „Year Of The Rat" von „Pot Of Gold". Denkst du, es bestünde eine Chance, dass ihr den Song mal wieder live spielt?

Brad: Oh wow, den Song habe ich schon seit Jahren nicht mehr gehört. Wir wollten „Pot Of Gold" eventuell neu veröffentlichen. Allerdings sind die Aufnahmespuren dazu nicht so leicht zu finden, da sie auf vielen unterschiedlichen Bändern ist. Wir müssen erstmal die Bänder durchschauen. „Pot Of Gold" ist aber eine meiner Favoriten, die wurde damals sehr schnell notfallmäßig in meiner Wohnung aufgenommen, was gut funktionierte. Es war allerdings sehr schwer, sich das Ganze während der Aufnahmen anzuhören. Daher mussten wir alles stark komprimieren, was ein gewisses Risiko darstellte, aber letzten Endes bin ich zufrieden mit dem Ergebnis.

Pascal: Kurz nach unserem letzten Gespräch hatte sich Nick am Fuß verletzt. Ist bei ihm mittlerweile wieder alles in Ordnung?

Brad: Nein, Nick hat noch Probleme mit seinem Fuß. Aber es ist seine Privatsache, daher würde ich nur ungerne darüber reden. In Saarbrücken werden wir mit einem Ersatzschlagzeuger spielen. Er ist ein guter Kumpel von Nick, Nick hatte ihn gefragt und daher werden wir jetzt ersatzweise mit ihm spielen. Er ist ein super Schlagzeuger.

Pascal: Habt ihr mit ihm schon mal live gespielt, oder wird kommendes Wochenende das erste Mal?

Brad: Nein, kommendes Wochenende wird das erste Mal sein.

Pascal: Dann bin ich mal gespannt, wird aber sicher gut. Ihr habt Samstag noch den Gig in Dortmund und dann Sonntag Saarbrücken, oder?

Brad: Ja genau, ich kann es kaum noch erwarten. Ich spiele sowohl in Dortmund als auch Saarbrücken gerne und dann beides noch an einem Wochenende.

Pascal: Müsst ihr von Dortmund aus über Nacht nach Saarbrücken fahren?

Brad: Nein, wir übernachten dort und fahren morgens nach Saarbrücken.

Pascal: Ok, dann geht es ja noch einigermaßen.

Brad: Ja ist dann zwar ne lange Fahrt, aber das ist nicht weiter schlimm.

Pascal: Ich hab gelesen, dass ihr von Potstock eine Live-DVD veröffentlichen werdet.

Brad: Ja, das ist momentan in Arbeit, ich hab da schon ein wenig reinschauen können und es ist ein wirklich cooles Ding.

Pascal: Das wird vermutlich ziemlich viel Arbeit sein.

Brad: Ja, man kann Arbeit dazu sagen, es ist jetzt aber nicht so als würde ich Pizzas machen, oder bei Lidl arbeiten (imitiert eine Kasse). Das ist wirklich harte Arbeit, was ich hier mache kann man genießen. Purer Luxus und es macht richtig Spaß.

Pascal: Weißt du schon, wie umfangreich das Ganze wird? Wird es nur das Konzert zu sehen geben, oder auch Backstagematerial?

Brad: Also es wurden sehr coole Sachen gefilmt. Derjenige der die Aufnahmen gemacht hat, war mit mehreren Leuten da, die sind überall herumgelaufen und haben versucht, die Atmosphäre einzufangen. Diese Szenen hat er auch mit reingeschnitten und das sieht wirklich cool aus, weil du von allem etwas mitbekommst. Wir haben schon oft versucht Videos zu machen und es ist sehr schwierig diese Atmosphäre einzufangen. Und als ich das hier jetzt gesehen habe, dachte ich nur „Wow, er hat´s geschafft, super.".

Pascal: Ok, klasse dann bin ich gespannt. Ich persönlich finde es immer super, wenn es noch etwas mehr als nur das Konzert zu sehen gibt.

Brad: Ja, dadurch macht es noch mehr Spaß sich das Ganze anzuschauen.

Pascal: Wer hat die Aufnahmen gemacht?

Brad: Sein Name ist Saber, er wohnt hier ganz in der Nähe. Er kommt auch des Öfteren mal zu einem Café vorbei und dann reden wir über seine Videoideen. Ist ziemlich cool, dass er nicht weit weg wohnt.

Pascal: Weißt du schon, wann die DVD ungefähr erscheinen wird?

Brad: Das kann ich nicht sicher sagen, ich muss noch viel an den Audiospuren arbeiten und auch der Videoschnitt ist noch nicht komplett fertig. Dann muss das Ganze noch gepresst werden, Jeff muss das Artwork machen, also ein richtiger Mammutprozess (lacht).

Pascal: Kann ich mir gut vorstellen, ich musste mal im Rahmen des Studiums einen kurzen Clip von ca. 3 Minuten machen und es war der absolute Horror.

Brad: Ja, ich habe auch in der Schule mal so einen Claymation-Clip gemacht und dachte zuerst das wird ein Riesenspaß. Der Clip sollte nur 15 Sekunden dauern, keine Stunde, aber dennoch war es sehr schwierig, zumal man die Zeit dazu finden musste.

Pascal: Gibt es schon Pläne zum neuen Album?

Brad: Ich arbeite oft an neuem Material, ich schreibe eigentlich immer Songs und habe eine Menge Ideen. Doch dann muss ich mit den anderen Prozessen, Gitarrenspuren, Gesangsspur und dem ganzen Extra-Schnickschnack anfangen, was immer viel Aufwand ist. Aber am schwierigsten ist es, die Songideen zu bekommen und sie dann mit der ganzen Band im Keller zu spielen. Momentan wird das durch Nicks Probleme mit seinem Fuß noch etwas schwieriger. Daher spielen wir mit dem anderen Drummer, und vielleicht nehmen wir ein bisschen was mit ihm auf, je nachdem wie es passt. Er ist auch unglaublich fit und kompetent.

Pascal: Ok, super.

Brad: Für mich ist es auch wichtig immer weiter zu machen und immerzu aufzunehmen, das mache ich sehr gerne. Wir haben einen schönen Proberaum gebaut, der gut isoliert ist. Vor allem die Fenster sind zu, da hatten wir vorher immer Probleme, da wir das vergessen hatten (lacht). Da sind überall Geschäfte und da gab es halt ein paar Probleme. Der neue Raum ist jetzt sehr schalldicht und wir können superlaut spielen, was sehr geil ist (lacht).

Pascal: Bist du eigentlich lieber im Studio oder stehst du lieber auf der Bühne?

Brad: Konzerte sind natürlich immer sehr anstrengend, besonders der Weg dorthin ist immer sehr aufwendig. Das Konzert selbst ist sehr cool, aber alles zu organisieren ist immer viel Arbeit, dann kommt noch der Soundcheck und die technischen Pannen. Das Konzert selbst macht aber immer unglaublich viel Spaß, also lohnt sich der Aufwand. Der Studioprozess mit der heutigen Technologie ist natürlich sehr komfortabel. Früher konntest du nur auf acht Spuren aufnehmen und heute gibt es da keine Grenzen mehr. Die Technologie ist wirklich gut geworden und man kann jede Menge Dinge tun. Live ist das was ganz anderes, macht aber trotzdem Spaß.

Pascal: Nehmt ihr noch auf Bändern auf, oder ist schon alles digital?

Brad: Bänder haben wir schon längere Zeit nicht mehr genutzt. Wir haben zwar noch die Maschinen, aber die Qualität bei den Computern ist extrem gut. Wir haben da viel in gute Vorverstärker investiert und das macht einen riesigen Unterschied. Wenn du dann noch gute Mikrofone hast, bekommst du eine unglaublich gute Qualität. Ich denke, das ist heutzutage von der Qualität her besser als Tonbänder, daher benutzen wir auch Computer, ich finde es genial. Wir haben noch die Bandmaschinen, aber die stehen einfach nur da. Sie benötigen viel Pflege und des Öfteren geht mal was kaputt (lacht). Dann gibt es in ganz Deutschland nur einen Typen, der das repariert, und das ist immer sehr aufwendig (lacht).

Pascal: Das glaub ich.

Brad: Ja, heutzutage ist das etwas schwierig mit alter Technologie, aber wir behalten die Maschinen noch, man kann sie ja schlecht verkaufen (lacht).

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Pascal: Wie sieht bei euch so ein typischer Studiotag aus? Schreibst du vorher die Songs und dann trefft ihr euch alle?

Brad: Das ist unterschiedlich, es gibt dafür kein Rezept. Meistens sammle ich die Ideen und nehme sie auf einem kleinen Aufnahmegerät auf. Später arbeiten wir auf Grundlage dieser Aufnahmen weiter, bei „Jackpot" haben wir das auf die Art gemacht.

Pascal: Ihr habt ein ganz eigenes Studio oder? Das hast du ja selbst schon gesagt.

Brad: Ja, wir haben einen Studioraum mit Mikros und Computern und allem drum und dran. Zum Aufnehmen des Schlagzeugs haben wir einen extra Kellerraum. Früher haben wir die Aufnahmen mal in diesem Gebäude hier gemacht, aber das kam bei den Nachbarn nicht so gut an (lacht).

Pascal: Also keine POTHEAD-Fans?

Brad: Nein, der Zahnarzt nebenan war nicht so erfreut darüber, da es auch während seiner Geschäftszeiten war. Ich kann aber verstehen, warum er ein bisschen genervt war (lacht). Das Schlagzeug hat dann die ganze Zeit „Bumm, bumm, bumm." gemacht (lacht). Wir haben das aber nur ein paar Mal gemacht und werden es nie wieder tun, dieser eigene Kellerraum ist perfekt.

Pascal: Ihr veröffentlicht mittlerweile alle neuen Alben wieder als Schallplatten. Bist du selbst großer Vinyl-Fan?

Brad: Natürlich, als ich noch ein Kind war, war das meine Verbindung zur Musik. Ich hatte damals sehr viele Platten auf Vinyl, aber bei einem Hausbrand habe ich die alle verloren. Seitdem habe ich leider nur noch wenige, was ich ein wenig vermisse. Viele Leute kamen zu uns und fragten nach Vinyl, wir haben uns dann irgendwann dazu entschieden welche zu machen, was ich es selbst auch super finde. Ein Kumpel von mir hat so ein cooles Musikzimmer, wo man sich gut Musik anhören kann. Dort haben wir dann die CD und die Schallplatte aufgelegt und konnten den Klang gut vergleichen. Da habe ich den Unterschied deutlich gehört, eine Schallplatte hat einen sehr schönen Klang. Ich hatte immer schon meine Vorurteile gegenüber CDs, zumal ich sehr Retro bin. Auf Schallplatte klingt alles einfach sehr viel wärmer.

Pascal: Ich weiß was du meinst, ich habe mir selbst auch noch mal einen Schallplattenspieler und einige Platten zugelegt. Es ist einfach was anderes.

Brad: Man kann es nicht genau beschreiben, aber es ist ein Unterschied und es hat wirklich Spaß gemacht diesen Vergleich mal zu machen. Wir träumen oft davon die alte Tonbandmaschine noch einmal anzuwerfen und damit ein paar Aufnahmen zu machen. Eine Platte komplett analog aufnehmen. Wobei das eher eine Art Spaßprojekt wäre, was natürlich cool ist, aber viel Arbeit bedeutet. So ein Computer macht Aufnahmen viel bequemer. Bis „Chaudiére" hatten wir noch mit den Tonbandmaschinen gearbeitet.

Pascal: Ihr habt mittlerweile auch einen offiziellen Fanclub, die Topfköpfe. Auf deren Webseite habe ich Bilder von euch gesehen, auf welchen ihr am Streichen seid. Arbeitet ihr eng mit dem Fanclub zusammen?

Brad: Ja, die kommen hier öfters mal vorbei. Das sind Kumpels von uns und wir hatten im Keller gearbeitet, an unserem Bauprojekt. Da wurde eine lange Zeit geackert, demnächst werden wir dort auch eine kleine Einweihungsparty veranstalten, was sicherlich viel Spaß machen wird. Momentan haben wir aber noch keinen Kühlschrank, und den brauchen wir (lacht).

Pascal: Oder falls ihr die Party erst im Winter macht, versorgt ihr euch einfach mit etwas Glühwein.

Brad: (Lacht) ja, ohne Kühlschrank sagen wir immer nur „Magenfreunde".

Pascal: Mal noch eine Frage zu deinem Bühnenequipment, wenn ich mich nicht versehen habe, verwendest du einen Looper von BOSS.

Brad: Ja genau, darauf sind noch andere Spuren gespeichert. Man kann damit auch einen Takt vorgeben, das Teil gibt mir auf der Bühne etwas mehr Kontrolle.

Pascal: Verwendest du das Teil auch mal dazu, eine weitere Gitarrenspur auf der Bühne abzuspielen?

Brad: Diese Funktion gibt es zwar, aber ich verwende die fast nie, es ist irgendwie ein wenig merkwürdig. Bei „Stadium" verwende ich zum Beispiel einen Loop für das Keyboard. Wenn wir für jedes Konzert einen extra Keyboarder mitbringen müssten, wäre das sehr aufwendig. Man müsste für ihn einen Platz auf der Bühne suchen und so weiter. Eventuell werden wir aber trotzdem irgendwann mal einen mitnehmen, das weiß ich jetzt noch nicht.

Pascal: Also verwendest du ihn hauptsächlich zu solchen Zwecken.

Brad: Ja.

Pascal: Mich hat es halt interessiert, da ich selbst diesen Digitech JamMan Looper verwende und da oft auf das Problem stoße, dass das Timing nicht komplett stimmt. Und auf der Bühne stelle ich mir das weitaus schwieriger vor, da sich auch der Drummer auf die Aufnahme einstellen müsste.

Brad: Weißt du, dieser Looper von BOSS ist ziemlich kompliziert. Aber ich mag ihn dennoch, ich habe zum Teil auch Platten darauf aufgenommen. Man kann ziemlich alles machen, du kannst singen, oder auch Gitarre spielen. Ich wollte anfangen, Ideen darauf zu sammeln. Ein bisschen Gitarre, bisschen Wah Wah und darauf noch ein bisschen singen. Ruckzuck hast du dann einen ganzen Song zusammen, dennoch hatte ich mich damals nicht direkt für den Kauf entschieden. Als dann ein neues Modell auf den Markt kam, dieser 300er, habe ich sofort einen gekauft. Das Teil ist sehr mächtig und ich mag ihn sehr, außerdem kann ich den Looper sowohl im Studio als auch im Proberaum verwenden. Man kann darauf jammen und sich locker zwei bis drei Stunden in Trance spielen. Die ganzen Loops erzeugen schon irgendwie eine Balance, im Endeffekt gibt es eine Art Kaskade. Ich mag das wirklich, aber manchmal ist die Bedienung ein wenig kompliziert. Wir haben auch so ein Digitech-Teil mit vielen Klick-Tracks, und das ist irgendwie schwer zu bedienen. Die BOSS-Geräte haben einen Midi-Eingang, was den Geräten einen gewissen Vorteil bringt, aber auch das ist zum Teil etwas aufwendig. Ich habe gerade gesehen, dass es von TC-Electronic einen neuen Looper gibt, mit nur einem Fußschalter, das sieht für mich wirklich cool aus. Da könnte man schnell mal einen Loop einspielen und einfach darauf mitspielen. Ich schätze mal, dass so etwas den perfekten Looper darstellt, sehr simpel gehalten, keine Klick-Tracks und das Teil spielt im natürlichen Rhythmus-Gefühl. Eventuell werde ich mal einen von denen probieren. Für diese Brian May-Effekte wäre das sicherlich cool, Rhythmus und dann etwas Lead-Gitarre darauf. Auf der Bühne würde das sicherlich viel Spaß machen.

Pascal: Ja, ich denke auch das wäre eine Alternative, ich mach mir da immer die Nerven dran kaputt.

Brad: Ja das nervt auch ohne Ende, diese scheiss Klicktracks (lacht).

Pascal: Wobei ich extra schon diesen kleinen JamMan-Looper habe, aber dennoch funktioniert das nicht immer, wie ich es möchte.

Brad: Ah, den habe ich auch gesehen. BOSS hat auch einen kleineren Looper, die sind auch cool. Es gibt auch noch viele andere Firmen, die so etwas anbieten. Looper sind momentan im Trend, es gibt auch viele Rapper, die zu einem solchen Teil greifen.

Pascal: Die nächste Frage bezieht sich auch ein wenig auf unser letztes Interview. Damals hatten wir darüber gesprochen, dass ihr euer Equipment für die Bühne etwas reduzieren wollt und lediglich Jeff hat letzten Endes sein Equipment umgestellt. Gibt es da was Neues?

Brad: Weißt du, das Problem ist, dass ich immer das Gefühl habe man bräuchte einen Riesenverstärker um einen Riesenklang zu bekommen. Ich weiß aber, dass das in der Realität nicht unbedingt so ist. Bis jetzt habe ich aber noch kein anderes System getestet. Eventuell wollte ich so einen kleinen Mesa Boogie holen, da ich von vielen Leuten gelesen habe, dass mein Sound ein wenig wie von einem Mesa klingt. Ich denke, das wäre sicherlich cool. Vielleicht muss ich das Mal ausprobieren, unser Wagen ist einfach zu schwer aufgrund des ganzen Equipments. Das ist unglaublich, wie schwer das alles wird, die Crew, das Schlagzeug, das ganze Equipment (lacht).

Pascal: Also kommt momentan nur Jeff mit einem kleineren Verstärker aus.

Brad: Ja, ich habe so ein Rack-System, ist aber kein Computer, sondern immer noch ein richtiger Verstärker. Ich habe mich auch schon nach einigen Dingen umgesehen, zum Teil waren da auch coole Sachen dabei. Aber der Typ, der meine Verstärker repariert, ist auch ein Fan von großen Verstärkern, und er meinte dann zu mir: „Alles Quatsch, ...". Ich weiß es aber nicht sicher, mal schauen.

Pascal: Im Endeffekt sieht es auf der Bühne ja auch einfach cooler aus, wenn man so eine riesige Verstärkerwand hinter sich stehen hat.

Brad: Oh ja, auf jeden Fall. Ich hatte früher drei Marshall Full-Stacks, und das hat wirklich Spaß gemacht. Ich hatte die mal in unserem Büro aufgebaut, einfach zum Probieren. Dann flogen die Sachen von den Regalen, weil alles vibriert hat (lacht). Es war viel zu laut und ich konnte kaum darauf spielen (lacht), das ist unglaublich, drei Verstärker mit je 100 Watt.

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Pascal: Zum Spielen deiner Explorer fehlt nach wie vor dieses Taylor-Whammy oder?

Brad: Ja, die Firma ging damals leider bankrott, und es war sehr schwer, die Ersatzteile für die Whammys zu finden. Meine Gitarre wurde sehr „bouncy" und es war sehr schwer, sie zu stimmen. Momentan bekommt man die Teile zwar wieder, aber sie sind immer noch sehr teuer. Ich bin aber am Überlegen, ob ich es trotzdem machen soll, ich spiele sehr gerne auf den Explorer-Gitarren. Auf der Bühne ist es unpraktisch, da es einem viel Arbeit bereitet. Man ist eigentlich permanent am Stimmen, und das ging mir langsam auf die Nerven. Deshalb mag ich auch diese neuen Floyd-Rose-Systeme, die sind auch fester beim Spielen.

Pascal: Ich fände es cool, wenn du die Explorer nochmal spielen würdest, ich bin großer Explorer-Fan.

Brad: Ich habe zwei Explorer-Gitarren und die klingen wirklich gut, ich spiele sie auch sehr gerne. Aber ich habe immer zu viel Angst, die Gitarren draußen im Auto zu lassen. Ich habe mir alles neu gekauft, da ist es nicht so schlimm, wenn was verschwindet, über die Versicherung bekommt man das zurück. Aber meine Explorer-Gitarren bekomme ich nie wieder, und daher habe ich die lieber hier bei mir.

Pascal: Ja das verstehe ich. Mir würde es da sicherlich auch so gehen.

Brad: Ja, da hängen viele gute Erinnerungen dran.

Pascal: Das Gleiche gilt für Verstärker, die wegkommen. Ein neuer Amp klingt nie so wie der alte.

Brad: Ja genau. Ich habe im neuen Proberaum nochmal meinen alten Amp aufgestellt, und der hat so einen genialen Klang, was richtig Spaß macht. Für die nächste Platte würde ich gerne verschiedene Sounds austesten, ich habe jetzt sechs oder sieben verschiedene Sounds und damit kann ich dann etwas herumspielen. Ich hätte auch gerne noch einen Vox-Verstärker, die haben auch einen Killerklang, auch diese Orange-Verstärker. Die klingen auch richtig super.

Pascal: SCORPION CHILD aus Texas verwenden diese Orange-Amps, und die klangen live extrem gut. Oder auch BLUES PILLS und der ganze Kram, ein wirklich cooler Sound.

Brad: Ja die sind sehr cool.

Pascal: Kommen wir noch zu ein paar persönlicheren Fragen. Mit welchem Alter hast du damit begonnen Musik zu machen?

Brad: Ich war auf einer religiösen Schule, und dort wurde von Anfang an viel Musik gemacht. Ich hatte dort auch Unterricht und habe viel über Musik gelernt. Da gab es den Chor und Musicals. Von Rockmusik hatte ich damals aber keine Ahnung. Mein älterer Bruder gab mir mit 18 eine Gitarre, und das fand ich damals ziemlich geil. Da habe ich angefangen ein paar Akkorde zu lernen und anschließend sagte ich zu meinem Kumpel „Jetzt kann ich spielen." Er war Schlagzeuger und wir gründeten gemeinsam eine Band. Wir waren richtig schlecht, aber die Energie war super. Und nur darum geht es, ich habe diese ersten Jams noch bis heute gut in Erinnerung (lacht). Das alles war damals sehr wild und hat sehr viel Spaß gemacht.

Pascal: Und wann ging es mit POTHEAD los?

Brad: POTHEAD war eigentlich ein Sideproject. Jeff und ich haben da etwa 1990 angefangen, die ersten Jams in Jeffs Proberaum zu machen. Das war wirklich cool, ich hatte damals in meiner Band viele Fußschalter und für die Probe mit Jeff haben wir uns darauf geeinigt, dass ich nur meinen Amp mitbringe. Du kennst das bestimmt, man hat diese ganzen Fußschalter immer vor sich liegen und irgendwann kann man sie einfach nicht mehr sehen. Dann legt man mal was weg und einen Tag später holt man es wieder zurück (lacht). Jedenfalls nahm ich zu Jeff nur meinen Verstärker mit und wir haben gejammt, das war der Anfang von POTHEAD. Als wir zusammen saßen, dachten wir uns, dass wir gerne einen Namen wie MOTÖRHEAD hätten (Brad imitiert das Rauchen einer „Zigarette" nach) und dann kamen wir auf den Namen POTHEAD (lacht). Für uns war es nur ein Sideproject, aber nach einem Urlaub sind wir hier in Deutschland gelandet und haben weitergespielt, es war also nicht geplant.

Pascal: Das mit dem Sound ist wirklich schrecklich, ich habe vor Kurzem auch an meinem Verzerrer was verstellt und anschließend fast zwei Stunden nach meinem alten Sound gesucht.

Brad: Das ist wirklich nervig, ich kenne das und oft ist es irgendwie bizarr. Heute denke ich eher praktisch, früher war es eher so nach dem Motto „Volle Kanone!" Wenn ein Chorus da war, dann musste der voll an sein, ebenso die Verzerrung. Nach einer Weile habe ich gemerkt, dass das nicht der richtige Weg ist. Ich hatte hier auch eine Shouting-Kabine gebaut, meinen Verstärker reingestellt und voll aufgedreht. Natürlich war die Aufnahme extrem scheisse, da das Mikro nicht mitkam (lacht). Da gibt es glaube ich kein Mikro, das das hinbekommt, vielleicht ein Titan-Membran, aber so war das alles sehr „grschsch" (lacht).

Pascal: Hast du dir das Gitarre spielen selbst beigebracht, oder hattest du Unterricht?

Brad: Nein das habe ich mir alles selbst beigebracht. Ich lebte früher mal in einer Hippie-Kommune und da gab es viele Rock'n'Roll-Platten. Als ich die gehört habe, habe ich darauf mitgespielt und so das Spielen gelernt.

Pascal: Cool, das hat sicherlich mehr Spaß gemacht, als sich mit Lehrbüchern zu befassen.

Brad: Ja es war ziemlich einfach, überwiegend gab es da diese einfachen Chords. Ich bekam von irgendwoher die Noten und das fiel mir alles ziemlich leicht. Nach und nach habe ich gelernt wie das mit dem Stimmgerät funktioniert und den unterschiedlichen Stimmungen. Als ich damals angefangen habe, war ich natürlich total begeistert. Ich hab auch jede Menge Leute getroffen, die ebenfalls gespielt haben und man hat auch viel zusammen gespielt. Dadurch konnte ich auch auf einer Rickenbacker spielen, es gab auch jemanden, der einen alten Musicman-Verstärker hatte. Das hat mir total gefallen, diese ganze Musikkultur. Ich traf mich mit vielen Leuten und wir haben Bands geformt und verschiedene Jams zusammen gehabt. Es gab damals eine Jam-Party mit einigen Gitarristen, da waren dann Blues-Gitarristen oder auch Heavy-Metal-Typen, und das war ziemlich lustig (lacht).

Pascal: So entstand dann wohl auch der Stil von POTHEAD.

Brad: Ja, bei diesem Jams kamen immer coole Sachen raus. Der eine spielte seinen Lieblings-METALLICA-Song und ein älterer Kerl spielte seinen 70er-Rock, das war immer ziemlich interessant. Ich hab daraufhin mit meinem WahWah angefangen, Brad imitiert ein WahWah „Wiguee Wiguee", und alle Leute nur so „Ouhhhhh" (lacht).

Pascal: Was war denn für dich persönlich das bisher beste Konzert, sowohl als Zuschauer als auch auf der Bühne?

Brad: Also das beste Konzert, das ich selbst gespielt habe, ist schwer zu sagen. Es gab da so viele und es gab auch einige wo ich so betrunken war, dass ich mich nicht daran erinnere. Manchmal kamen nach einem Konzert Leute zu mir und meinten: „Das war das beste Konzert, das ich in meinem Leben gesehen habe!" Ich konnte mich nicht daran erinnern, aber die meinten aber es war fantastisch. Ich kann mir kaum vorstellen, dass es ein gutes Konzert war, schließlich konnte ich mich nicht erinnern und das ist immer ein schlechtes Zeichen. Eines der besten Konzerte, das ich gesehen habe, war, als ich noch in Seattle gelebt habe. Meine alte Band hat mit denen zusammen ein Konzert gespielt, die hießen MOTHER LOVE BONE. Ein paar von denen haben später PEARL JAM gegründet, zu diesem Zeitpunkt war MOTHER LOVE BONE aber eine Seattle-Band, und an einem Abend haben wir mit denen zusammen gespielt. Da gab es eine sehr interessante und coole Atmosphäre, und ich denke das dürfte das coolste Konzert sein, dass ich sowohl gespielt als auch gesehen habe. Ich weiß nicht mehr wie gut wir an dem Abend waren, aber das Konzert muss wohl ziemlich gut gewesen sein. MOTHER LOVE BONE waren an diesem Abend fantastisch und ich habe nur gute Erinnerungen an den Abend. Ich habe viele andere gute Konzerte gesehen, meistens waren das aber kleine Bands in kleinen Clubs. Da bist du näher dran und bekommst mehr von der Energie mit.

Pascal: Sicher, das fühlt sich immer besser an als in so einer riesigen Halle.

Brad: Ja, wenn Konzerte so riesig sind, nervt das.

Pascal: Das ist wie mit den riesigen Festivals.

Brad: Die sind so groß, dass man keine Verbindung mehr aufbauen kann. Manche Leute mögen das, eventuell hat das einen kulturellen Hintergrund. So mit über 1000 Leuten und dann vorne, ganz weit weg, eine Band (lacht). Für mich ist das aber nichts mehr, ich bin auch nicht mehr der Jüngste. So was wie „Rock am Ring" sieht nicht wirklich nach Spaß aus.

Pascal: Ich selbst war 2008 auf "Rock am Ring" und konnte das erste Mal METALLICA sehen. Als die anfingen zu spielen, stand ich ganz weit hinten neben einem Dönerstand.

Brad: (Lacht) Und dann kommen da noch die weiten Wege dazu ... das ist irgendwie nichts.

Pascal: Ja, eine Ausnahme stellt das Graspop in Belgien für mich dar. Das ist zwar auch riesig und teuer, aber man sieht immer noch sehr viel. Mal schauen, vielleicht schaffe ich es nächstes Jahr auch endlich einmal aufs „Potstock".

Brad: Unser Festival ist wirklich cool mit einer schönen Atmosphäre. Es ist unglaublich was die Leute da alles machen, wir spielen zwar, aber das Festival hat mehr mit den Leuten zu tun. Die Kultur macht die Atmosphäre aus und wir sind immer froh einfach dabei zu sein.

Pascal: Ist für mich halt etwas weit weg.

Brad: Ja klar, ich kenne das. Auf der Autobahn zu fahren ist auch immer recht anstrengend. Ist manchmal wie ein kleines Rennen (lacht).

Pascal: Dann gibt´s noch aggressive Fahrer.

Brad: Ja, aber wir sind nicht aggressiv (lacht).

Pascal: Nun zu meiner abschließenden Frage, letztes Mal hatten wir uns ja auch über JUDAS PRIEST unterhalten und wir sind beide große Fans der Band. Hast du schon die neue Platte gehört?

Brad: Nein, ich hatte leider noch keine Zeit dazu. Aber ich habe viele Kritiken darüber gelesen und es hat gute Plätze belegt. Ich kann es eigentlich kaum erwarten, das Album zu hören. Ich würde mir das gerne kaufen und in aller Ruhe anhören, soll supergeil sein.

Pascal: Ja, also für mich ist es nicht wie ihre alten Platten, aber ein guter Querschnitt über die gesamte Karriere der Band.

Brad: Cool.

Pascal: Womit ich mich allerdings nicht anfreunden kann, ist der Gitarrensound, der klingt bei jedem Song recht klinisch, und das obwohl alles analog aufgenommen wurde.

Brad: Vielleicht hat es auch mit K.K. Downing zu tun, sein Stil war ja im Vergleich zu Glenn Tipton anders. Genau das war an der Band immer so geil. Der mehr technisch orientierte Glenn Tipton und der eher bluesige K.K. Downing, das war einfach super. Richie Faulkner ist aber auch fantastisch, ich hatte ihn bei ihrem letzten Konzert hier in Berlin gesehen und war stark beeindruckt. Ein super Gitarrist und das bei einer so schwierigen Position. Aber er hat es geschafft und gibt ordentlich Gas, dennoch vermisse ich K.K. Downing.

Pascal: Irgendwie hoffe ich auch nach wie vor darauf, dass er irgendwann zurückkommt.

Brad: Ja Genaues weiß man nicht, angeblich soll es etwas mit dem Management zu tun haben. Ich denke auch, dass das der Fall sein wird, schließlich lebt er ja für die Musik.

Pascal: Was soll er auch sonst machen, angeblich soll er jetzt Hochzeiten arrangieren, könnte aber auch ein blödes Internetgerücht sein.

Brad: Ich hab gesehen, dass er jetzt so ein Homestudio hat, aber was er so macht weiß ich auch nicht.

Pascal: Ok, super dann vielen Dank für deine Zeit und bis spätestens Sonntag.

Brad: Gern. Wir sehen uns in Saarbrücken.

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