interview_DAD_20130410_01Auch wenn VOLBEAT in den letzten Jahren als eine der größten Bands Dänemarks gehandelt wurden, gibt es noch eine dänische Rock-Band, die wesentlich länger im Geschäft ist und als die dänische Rockband schlechthin gilt. Die Rede ist natürlich von D.A.D., mit ihrem Erfolgsalbum "No Fuel Left For The Pilgrims" und der damaligen Single "Sleeping My Day Away", konnte die Band auch hier in Deutschland schon Boden gut machen. Diesen hat die Band mit jedem Album mehr und mehr ausgebaut. Irgendwie schade, dass der Bekanntheitsgrad trotzdem noch nicht so groß ist und die Band nach wie vor fast als Geheimtipp gehandelt wird. Nach ihrem Labelwechsel von Cargo Records zu AFM Records und der Veröffentlichung der Deluxe-Edition von "Dic.Nii.Lan.Daft.Erd.Ark" haben wir ein Interview mit Jacob Binzer geführt. Dabei hatte er uns nicht nur über die aktuelle Tour und die Veröffentlichung der Deluxe-Edition zu erzählen.

Pascal: Hallo Jacob, mein Name ist Pascal, und ich schreibe für das deutsche Online-Magazin Neckbreaker.de. An dieser Stelle schon einmal danke für deine Zeit.

 

Jacob: Nichts zu danken!

Pascal: Ok, starten wir mit einer Frage zum Labelwechsel. Wie kam es dazu?

Jacob: Wir mussten vorankommen. Egal wo wir in Europa spielten, wir hatten immer das Gefühl, dass man unser Album nur über unseren eigenen Webshop erhält. Die Leute von AFM Records kontaktierten uns und schienen ihren Job sehr ernst zu nehmen, also entschieden wir uns für den Wechsel.

Pascal: Ok, bisher sieht es ja gut aus. Die Bonus-CD der neuen Deluxe Edition finde ich klasse.

Jacob: Dankeschön

Pascal: Ist eine weitere Tour mit dem aktuellen Album für Deutschland geplant?

Jacob: Ja, wir werden im November für sechs oder sieben Shows nach Deutschland kommen.

Pascal: Ist geplant, im regulären Live-Set Akustiksongs einzubauen? Ähnlich denen der aktuellen Bonus-CD?

Jacob: Bisher haben wir noch nicht darüber nachgedacht. Bis November ist noch ein wenig Zeit, wir werden sicher noch hier und da ein paar Veränderungen vornehmen. Aber ich kann es dir jetzt wirklich noch nicht sagen. Ich werde mal mit den Anderen reden (lacht).

Pascal: Ok, wäre jedenfalls super. Ich kenne viele Songs, die mit wenig Detailliebe akustisch umgesetzt werden. Bei euch ist das anders, die Songs wurden mit viel Liebe zum Detail umgesetzt. Wer hatte eigentlich die Idee dazu?

Jacob: Wir brauchten etwas Material zusätzlich zu den Livesongs und testeten im Studio die Akustiksachen, und das funktionierte sehr gut.

Pascal: So klingt es auch.

Jacob: Danke (lacht).

Pascal: Habt ihr auf der letzten Tour eine Show für eine eventuelle Veröffentlichung auf DVD gefilmt?

Jacob: Also wir haben ein paar Aufnahmen von Kopenhagen, allerdings werden diese nur auf YouTube veröffentlicht. Momentan haben wir keine Live-DVD geplant, die Aufnahmen von Kopenhagen reichen nicht aus für eine ganze DVD. Aber vielleicht bei der nächsten Tour.

Pascal: Ist ein Livealbum geplant?

Jacob: Wir werden Ende dieses Monats in China spielen und planen ein „Made in China" Album.

Pascal: Cool.

Jacob: Ja, das wird sicher Spaß machen.

DADPascal: Nun zu eurem neuen Fotobuch, wie war das Gefühl, auf Tour ständig fotografiert zu werden?

Jacob: Wir hatten das in dieser Form noch nie versucht. Der Fotograf ist ein sehr guter Freund von uns, und es war schön, mit ihm auf Tour zu sein. Daher störte das überhaupt nicht, und wir hatten auch nicht darüber nachgedacht. Es ist gut, wenn jemand um einen herum ist, dem man vertraut und mit dem man gerne unterwegs ist. Wir hatten das Ganze nicht geplant, er war eigentlich Techniker und hatte damit angefangen, Bilder zu machen, und dann haben wir darüber nachgedacht, ein Fotobuch zu machen.

Pascal: Ok, in welchem Land bist du eigentlich am Liebsten auf Tour?

Jacob: Es war zwar schön, als wir das erste Mal in den Staaten tourten, ... aber ich mag Europa. Mir gefällt es einfach, so schnell von einem Land zum nächsten zu kommen. Ich mag es einfach, in Europa zu sein, besonders im Süden. Ich denke, es ist großartig, in diesen Ländern zu touren, auch wegen des historischen Hintergrunds. In Europa toure ich einfach am Liebsten!(lacht)

Pascal: Wird es in zukünftigen Setlisten auch älteres Material geben wie z.B. „Rim Of Hell" oder „Ill Will"?

Jacob: Also aktuell haben wir „Jihad" oder auch „Rim Of Hell" gespielt, allerdings kann ich dir nicht mit Sicherheit sagen, wie das in Zukunft läuft. Diese Songs kommen immer mal wieder rein und raus in die Setlist ???. Aber „Ill Will" haben wir schon sehr lange nicht mehr gespielt.

Pascal: Erinnerst du dich noch an die Idee hinter „Ill Will"? Der Song unterscheidet sich meiner Meinung nach sehr stark von den restlichen auf „No Fuel Left For The Pilgrims".

Jacob: Ich erinnere mich, dass Stig das Opening-Riff spielte, und wir spielten es dann einfach wie „Speed Metal". Wir waren damals alle sehr zufrieden mit „No Fuel Left for The Pilgrims", die Songs passten alle gut zueinander, und auch der Style war so, wie wir ihn uns vorstellten. Mit „Ill Will" hatten wir dann einen Song, der etwas aus der Reihe tanzte, und es machte uns sehr viel Spaß, den Song aufzunehmen und zu spielen.

Pascal: Sind die Gitarren runter gestimmt für „Ill Will"?

Jacob: Nein, ganz normale Stimmung.

Pascal: Ich bin jetzt nicht sicher, ob du für die Frage der Richtige bist, aber weißt du, ob die Biografie deines Bruders auf Deutsch übersetzt wird?

Jacob: Nein leider nicht.

Pascal: Gibt es Pläne für eine offizielle Biografie von der Band?

Jacob: Nein, offiziell ist nichts geplant. Vor 10 Jahren kam ein Fanbuch mit einigen Bildern und Storys in Dänemark heraus. Des weiteren gibt es einen Dokumentarfilm namens „True Believer", dieser hatte 2008 Premiere. Ich denke aber, dass, wenn es ab einem gewissen Punkt eine Bandbiografie geben sollte, diese dann von einem Außenstehenden geschrieben wird. Dieser Jemand kann dann einen richtigen Blick auf die Band werfen, das wäre mir lieber, wir würden das wirklich gerne machen und würden dann auch einiges preisgeben (lacht).

Pascal: Da ich selbst Gitarre spiele, hätte ich noch ein paar Fragen von Gitarrist zu Gitarrist. Auf Bildern sehe ich dich meistens mit deiner Gibson Les Paul. Ist das dein Lieblingsmodell, und welche Gitarren spielst du sonst noch so?

Jacob: Auf Tour verwende ich insgesamt drei Gitarren. Ich habe die Gibson Les Paul, eine Semi-Akustik mit der Bezeichnung ES446, welche von Gibson nur ein paar Jahre lang gebaut wurde. Dieses Modell mag ich besonders, von der Basis her ist es wie eine Les Paul, aber etwas leichter. Der Body ist etwas größer als der einer Paula. Zudem ist die Gitarre sehr dynamisch beim Spielen. Außerdem verwende ich schon seit Jahren meine Jazzmaster von 1963, und es gibt keine vergleichbare Gitarre, die man jetzt kaufen könnte, die so klingt. Das sind meine Hauptgitarren.DAD

Pascal: Im Studio verwendest du die dann auch?

Jacob: Ja, im Studio verwende ich alle drei, je nachdem halt, was passt.

Pascal: Wie arbeiten D.A.D. im Studio? Wer schreibt die Songs?

Jacob: Wir schreiben die Songs gemeinsam im Proberaum, wir testen verschiedene Sachen und jammen sehr sehr lange. Alle Songs werden geschrieben, bevor wir ins Studio gehen.

Pascal: Also habt ihr keine speziellen Konzepte, es entsteht alles aus Jam-Sessions.

Jacob: Ja genau, wir starten mit Jammen und setzen die verschiedenen Teile dann zusammen. Als wir angefangen hatten, haben wir neue Songs immer bei Live-Shows getestet. Wenn wir einen neuen Song haben, ist es immer großartig, diesen live zu testen. Wir überraschen damit auch unsere Fans, und die freuen sich darüber.

Pascal: Wie alt warst du, als du angefangen hast, Gitarre zu spielen?

Jacob: Das war irgendwann zwischen 13 und 15 Jahren.

Pascal: Wie bist du zum Gitarrenspielen gekommen?

Jacob: Ich wollte damals eine Band gründen. Ich war ein „Skater-Kid", das Punk hörte und das eine Band starten wollte. Ich war von der ganzen Punk-Sache ziemlich überwältigt und wollte unbedingt eine Band haben. Ich fand das damals alles ziemlich cool.

Pascal: Hattest du dir damals schon vorgestellt, irgendwann einmal professionell Musik zu machen?

Jacob: Nein, ich hatte nie die Idee, auf professionelle Art Musik zu machen. Ich dachte mir damals einfach „Ok, du möchtest Musik machen, aber du wirst damit nie wirklich viel Geld verdienen", mir war klar, dass ich irgendwann noch einen Job brauchen würde. Dann wurde es irgendwann zum Fulltime-Job, es war aber nie eine bewusste Entscheidung, das Musikmachen schon, aber dass es zum Fulltime-Job wurde, passierte einfach.

Pascal: Welche Gitarristen oder Bands haben dich maßgeblich beeinflusst?

Jacob: Angefangen hat das Ganze bei mir mit dem Livealbum der RAMONES, den SEX PISTOLS mit „Never Mind The Bollocks" oder auch THE CLASH.

Pascal: Also mehr Punk Rock?

Jacob: Ja genau, dann fing ich an, VAN HALEN, AC/DC oder DEEP PURPLE zu hören. Anschließend interessierte ich mich etwas mehr für Jazz Rock. Da wäre zum Beispiel der Jazz-Rock Gitarrist Mike Stern, John Scofield und natürlich auch JIMI HENDRIX, der beste Gitarrist aller Zeiten. Weiter ging es dann mit Django Reinhardt, der ein absoluter Meister in seinem Fach ist.

Pascal: Django Reinhardt spielte Blues, oder? (Anm.: Welch Schande, dass ich diesen Gitarristen bisher nur beim Namen kannte)

Jacob: Nein nein, er spielte „Gipsy-Jazz".

Pascal: Oh, Sorry!

Jacob: Er wurde in Belgien geboren, lebte in Paris und starb 1953. Er hatte diesen speziellen Stil, den „Gipsy-Jazz", was sehr inspirierend war. Weißt du, er hatte diese Punk-Energie, spielte aber Jazz (lacht).

Pascal: Ich habe zwar schon öfters seinen Namen gehört, aber mich noch nicht richtig mit ihm befasst.

Jacob: Dann solltest du ihn dir mal anhören.

Pascal: Hat dein Bruder Jesper zur selben Zeit wie du angefangen, Gitarre zu spielen?

Jacob: Ja, ich denke schon. Wobei er, soweit ich das in Erinnerung habe, als Kind zuerst mit dem Schlagzeug angefangen hat.

Pascal: Kommt es dir beim Gitarrenspielen eher auf das Feeling_ oder eher auf die Technik an?

Jacob: Für mich ist das Wichtigste das Komponieren. Um allerdings das ausdrücken zu können, was man will, benötigt man ein gewisses Technik-Level. Ich bin nicht der Typ, der ewig herumsitzt und übt. Ich übe natürlich schon, denn um spielen zu können, was einem im Kopf herum schwirrt, braucht man eine gewisse Übung. Für mich ist aber definitiv das Gefühl bei einer Melodie wichtiger als der ganze technische Kram.

Pascal: Hast du bei einem Song wie „The Place Of The Heart", den ich übrigens sehr mag, zuerst das Haupt-Riff, und der Rest ergibt sich dann?

Jacob: Ja genau. Das Main-Riff kommt zuerst, und auf Grundlage davon entsteht dann der fertige Song.

Pascal: Bist du immer noch nervös vor einer Show?

Jacob: Nein (lacht).

Pascal: Ok, noch nie?

Jacob: Doch, bei der ersten Show mit meiner Teenager-Band war ich sehr nervös. Wenn wir große Shows spielen, bin ich ab und an vielleicht noch etwas aufgeregt, wie z. B. auf dem Rosklide Festival oder etwas in der Art. Da kann ich dann etwas empfindlich sein, was aber eher selten der Fall ist.

Pascal: Gibt es bereits ein paar Songs für das kommende Album, oder ist es dafür noch zu früh?

Jacob: Nein, dafür ist es noch zu früh. Wir sind die ganze Zeit auf Tour, und da bleibt wenig Zeit für neue Songs.

Pascal: Hast du irgendeinen „Spinal-Tap"-Moment, an den du dich besonders gut erinnerst?

Jacob: Diese „Spinal-Tap"-Momente gibt es immer, sie sind nie wirklich weg (lacht und überlegt kurz). Als wir zum ersten Mal in Budapest spielten, wachten wir im Tourbus auf und befanden uns in einem wirklich hässlichen Ecken von Budapest. Fast schon wie in einem Ghetto, und wir dachten alle, „Das ist wirklich schlecht, ..., so wie dieser Klub aussieht, wird das niemals etwas". Wir hatten also alle ein wirklich schlechtes Gefühl, doch kaum wurde uns der Klub von innen gezeigt, war es einer der unglaublichsten Klubs, die ich je gesehen habe. Man kam sich vor wie in einem Saloon, auch die Bühne passte perfekt. Die hatten alles so dekoriert wie in diesem Tarantino-Film, ... (überlegt laut ...).

DADPascal: From Dusk Till Dawn?

Jacob: Ja genau. Es sah genau so aus wie die Bar in diesem Film, mitten im Ghetto von Budapest, wer hätte das gedacht? Es kamen dann auch viele Fans aus der Ukraine zur Show, und es war einer der besten Shows der damaligen Europatournee.

Pascal: Und was war für dich so eine richtige „Wow"-Show?

Jacob: Das war unserer erste Show in London, die nun schon über 20 Jahre zurückliegt. Wir waren damals Support dieser Goth-Band GHOST HUNT, wir waren sehr nervös, da wir zum ersten Mal in London spielten, und London ist wie die musikalische Hauptstadt von Europa. Wir spielten an dem Abend ein wirklich gutes Konzert, Leute verließen sogar vor dem Haupt-Act die Halle, und wir bekamen sehr gute Kritiken vom Melody Maker und NME. Die beiden waren damals die führenden Musikmagazine, das war damals ein großes Ding und eine großartige Show. Aus Dänemark zu kommen und eine solch großartige Erfahrung zu machen ist wirklich super.

Pascal: Erinnerst du dich an deine erste D.A.D. Show?

Jacob: Ja, die war am 03. März 1984 in Kopenhagen. Wir hatten damals alle schon in vielen Bands gespielt, und D.A.D. war nur so eine weitere Band für uns. Ich bin einen Tag vor der Show, an einem Sonntag, eingestiegen, und wir machten direkt einen neuen Song. Ich lernte noch die anderen Riffs, und wir spielten montags. An einem sehr kleinen Ort in Kopenhagen, das war dann der erste Gig mit mir.

Pascal: Jesper war also schon vor dir in der Band?

Jacob: Ja, er, Stig und unser alter Drummer Peter hatten die Band schon seit einiger Zeit.

Pascal: Ok, das wusste ich noch nicht. Dann vielen Dank für deine Zeit, hoffe ich sehe euch dann bald wieder auf Tour. In Saarbrücken war es letztes Mal jedenfalls super.

Jacob: Dankeschön.

Pascal: Ich wünsche dir morgen noch einen schönen Tag in Hamburg.

Jacob: Danke, wir sehen uns dann im November auf Tour. Bye.

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