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interview_enthroned_20120405_01Schon seit 1993 steht die belgische Black Metal Band ENTHRONED für pure aurale Finsternis. Auf bereits neun Alben konnten sie immer wieder zeigen, dass sie wissen, wie man Musik macht, die einerseits richtig scheppert, andererseits qualitativ hochwertiges Können repräsentiert. Dabei waren Authentizität und Rohheit immer über finanziellen Interessen gestanden, was sich auch in ihrem neusten Werk „Obsidium“ (Review) bemerkbar macht. Über Okkultismus, Individualismus und die Konzeption der Band äußert sich in diesem Interview Nornagest, der sich als Gitarrist seit 1995 und als Sänger seit 2006 für diese Band verdient gemacht hat. Viel Spaß beim Lesen. (Jannick)

 

Jannick: Grüß Euch. Bereits zwei Jahre sind vergangen, seit euer letztes Album „Pentagrammation“ veröffentlicht wurde. Seither wurde keines eurer Mitglieder ausgewechselt, ein Umstand der sich meiner Meinung nach deutlich auf „Obsidium“ bemerkbar macht.
Wie hat sich ENTHRONED in diesen zwei Jahren weiterentwickelt?     

Nornagest: Wir haben einige Errungenschaften auf mehreren Ebenen in unseren Privatleben zu verzeichnen - eingeschlossen unserer Arbeit mit dem Okkulten. Das hatte automatisch einen Einfluss auf unser Schaffen für ENTHRONED. Das Ergebnis ist das, was man nun auf „Obsidium“ hören kann.


interview_enthroned_20120405_03Jannick: „Obsidium“ ist erstaunlich vielschichtig geworden, speziell hinsichtlich der Dynamik und des Rhythmus. Hattet ihr geplant, etwas mehr Abwechslung in diese Aspekte eurer Musik zu bringen, oder war es eine unbeabsichtigte Begleiterscheinung?

Nornagest: Wir hatten zu keiner Zeit geplant, in eine bestimmte Richtung zu gehen. Die Musik kommt aus unserem Inneren. Sie ist das, was wir fühlen, wenn wir uns selbst erkunden. Unsere Musik ist immer nur ein Soundtrack zu unseren Texten. Und egal, wie vielschichtig die Songs klingen mögen, sie repräsentieren immer nur einen Standpunkt.
Sie sind das Ergebnis, wenn wir daran denken, was wir durchgemacht haben. Genau das ist es, was  in unseren Texten beschrieben wird.


Jannick: Worum geht es in „Obsidium“? Gibt es persönliche Gründe, die für den Inhalt dieses Album verantwortlich sind?

Nornagest: Es geht auf diesem dritten Kapitel um uns als Personen und auch als Musiker. „Obsidium“ ist zwar unser neuntes Album, aber erst der dritte Teil der Geschichte, die mit „Tetra Karcist“ begonnen hat.
„Tetra Karcist“ behandelt die Realität des Okkultismus, wie er wirklich ist, ohne Schnickschnack und ohne hypothetische Annahmen.
„Pentagrammation“ hingegen behandelt Erfahrungen, die wir in unserem Leben durch die Doktrinen und die Praktiken machen durften, die auf „Tetra Karcist“ beschrieben wurden.
„Obsidium“ behandelt hingegen das, was wir gelernt und was wir durch diese Erfahrungen erreicht haben.
Alles wurde so geschrieben, dass nur Leute, die sich im Kreise des Okkulten bewegen es ganz verstehen können.     


interview_enthroned_20120405_02Jannick: Was war die einflussreichste Inspiration für dieses Album? Gab es spezielle Bands, die euch während der Arbeit an „Obsidium“ auf Ideen brachten?

Nornagest: Wir hielten uns während der Erstellung des Albums von jedem externen musikalischen Einfluss fern. Die einzigen Einflüsse sind die bereits erwähnten Erfahrungen. Die Songs sind eine Art Soundtrack zu den besagten Erfahrungen, die ganze Jahre in Anspruch nahmen, um sie vollständig in ihrer Gesamtheit begreifen zu können.


Jannick: Erzählt  doch etwas über die Beziehung zwischen ENTHRONED und dem Satanismus. Ihr seid eine der Bands, die ihre Hauptthematik seit Gründung (1993 wohlgemerkt) nicht geändert haben.
Was genau war der Grund für diese Thematik und warum ist diese immer noch der Hauptaspekt eurer Musik?

Nornagest: Weil es genau das ist, was wir sind. Der Satanismus ist der Grund, warum ENTHRONED überhaupt existiert. Eine andere Thematik würde ganz einfach ein anderes Projekt, oder eine andere Band erfordern. Es würde für ENTHRONED keinen Sinn machen, und wäre schlicht und einfach dumm.
Unsere Ansichten und Erfahrungen sind in unseren Texten auf einer Art und Weise geschrieben, wie sie nur Eingeweihte verstehen können, oder die, die es verdient haben. Meine tiefen Einsichten und deren Ursprung in einem Fanzine für jeden zugänglich zu machen wäre respektlos, sowohl ihnen als auch mir selbst gegenüber.


Jannick: Wie sieht denn das Verhältnis zwischen ENTHRONED und der Musik an sich aus? Immerhin ist es fast der gleiche Black Metal, den diese Band seit gut 20 Jahren zum Besten gibt. Für mich sah es immer so aus, als ob der größte Unterschied zwischen ENTHRONED und anderen Bands insbesondere die Leidenschaft und der Spaß ist, der durchweg gehört werden kann, während die dunkelsten Atmosphären heraufbeschwört werden.

Nornagest: ENTHRONED ist zusammengesetzt aus vier Individuen, erschaffen mit der Absicht, ein Auswuchs unseres Glaubens zu sein. Für uns ist es Teil unseres Okkultismus, so wie es für andere eine Band ist. Unsere einzige Richtlinie ist es, ehrlich uns selbst gegenüber zu sein. Wir werden uns nie für ein Label, nicht für Fans und auch sonst für niemanden ändern. Wir reden über unsere Erfahrungen, und über das, was wir sind, und nicht über das, was andere von uns lesen oder hören wollen.
Vielleicht ist das der Unterschied, den du angesprochen hast.


interview_enthroned_20120405_04Jannick: „Obsidium“ ist das nun dritte Album mit neuem Gesang. Wie würdet ihr diese Änderung nach all den Jahren bewerten? Es ist ja auch das erste Album, das ihr mit Agonia Records herausbringt. Warum hab ihr euch für dieses Label entschieden?

Nornagest: Wir befinden uns in einer stetigen Evolution. Manchmal sind drastische Maßnahmen notwendig, was der Fall war, als ich 2006 den Gesang übernommen habe. Es war ein Segen, dass die Band danach eine zu 100% einheitliche Ideologie verbunden hat. Nichts gegen Sabathan (Sänger und Basser für ENTHRONED von 1993 bis 2006. Anm.d.Verf.) persönlich, aber manchmal sind derartig drastische Entscheidungen das beste.
Und das meine ich bezogen auf die Band, und nicht auf die Meinung von Fans oder Magazinen. Seit diesem Zeitpunkt wurde die Evolution immer schneller und besser. Wir haben uns für Agonia Records entschieden, weil sie uns den besten Deal vorgeschlagen haben, und weil sie immer absolut hinter uns standen, was mir sehr wichtig ist. Es war mir lieber als die Angebote der Riesenlabels, welche die Geschichte der Band nicht mal kannten, und uns nur als Möglichkeit ansehen, gutes Geld zu machen.


Jannick: Die letzten Worte gehören euch!

Nornagest: XEPER
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