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leprous3Selten eine Vorband gesehen, die so derart polarisiert hat wie die jungen Norweger. Nach deren Gig im Vorprogramm gingen in der Saarbrücker Garage die Meinungen weit auseinander. Klar passten LEPROUS im Gegensatz zu den Finnen THE MAN-EATING TREE nicht wirklich zum Headliner AMORPHIS, was viele Zuschauer erst einmal verschreckte. Klar ist die Musik nicht einfach und braucht einige Zeit um sich herein zu finden.
An den Live-Qualitäten der Band dagegen gibt es nichts auszusetzen, denn dass Bands heutzutage so agil auf den Brettern sind ist nicht mehr selbstverständlich. Die Jungs füllten jeden Zentimeter der Fläche aus und nutzten auch diverse Cases und Monitore um waghalsig darauf herum zu springen. Auch manche "Choreographie" kam sehr mächtig rüber. Der Eindruck wurde noch durch das ungewöhnliche und homogene Outfit verstärkt, das der Truppe noch mehr Eigenständigkeit verlieh.
Kurz vor der Show hatten meine Kollegin Anne und ich die Möglichkeit die Prog-Metaller zu interviewen. Dabei trafen wir auf einen lockeren und gut aufgelegten Haufen, der es kaum erwarten konnte auf die Bühne zu kommen. Was uns deren Gitarrist und Mitbegründer Tor Oddmund Suhrke zu sagen hatte lest ihr hier.

MetalPfälzer: Hallo Tor Oddmund, danke dass Du Dir die Zeit genommen hast Dich unseren Fragen zu stellen. Fangen wir gleich beim aktuellen an, ihr seid mit AMORPHIS auf Tour, wie viele Dates habt ihr bereits hinter Euch?

Tor Oddmund Suhrke: Die Tournee verteilt sich auf zwei Teile, beim ersten waren es 25 bis 30 Konzerte im November und Dezember und nun folgen noch einmal 18 Dates. 

MetalPfälzer: Und wie läuft die Tour für Euch?

Tor Oddmund Suhrke: Sehr gut, wir lieben es einfach auf Tour zu sein. In der Pause Ende Dezember waren wir kurz zuhause und dann noch auf einem weiteren kurzen Japan-Abstecher mit ISHAN und THE HAUNTED. Wir genießen es unterwegs zu sein, herum zu fahren und zu spielen, das ist besser als immer nur einzelne Shows. Hier in Saarbrücken hatten wir zwei Tage Day-Off, das ist zwar auch mal ganz angenehm, mal etwas abzuhängen aber nun brennen wir wieder darauf auf die Bühne zu kommen.

Anne: Zwei Tage hier in Saarbrücken? Das war doch bestimmt verdammt langweilig? (lacht)

Tor Oddmund Suhrke: (lacht) Nein, so schlimm war es auch wieder nicht, ich glaube Du kannst in keiner Stadt wirklich viel Sinnvolles anfangen. Manche Clubs liegen auch noch ziemlich außerhalb, hier ist man wenigstens direkt in der Stadt, aber viel gesehen haben wir nicht. Jetzt wird es aber wieder Zeit in den Spiel-Modus zu kommen.

MetalPfälzer: Der Fluss ist hier nicht sehr weit, im Frühjahr sind da ein paar schöne Biergärten, man kann aber auch inspirierende Spaziergänge machen. Doch bei dem Wetter bringt das nicht viel, da kann man höchstes in den Plattenladen um die Ecke gehen und seine Sammlung vergrößern. Wie reagiert eigentlich das AMORPHIS-Publikum auf Euch?

Tor Oddmund Suhrke: Och, ich denke sie finden Gefallen an uns. Bislang haben wir viel gutes Feedback erhalten, wir haben uns nach der Show mit Leuten unterhalten, die von uns beeindruckt waren. Wir mögen es die Leute direkt kennen zu lernen. Es funktioniert also sehr gut zusammen mit AMORPHIS zu spielen.

MetalPfälzer: Und wie habt ihr den Tourslot bekommen?

Tor Oddmund Suhrke: Wir sind sehr daran interessiert so viel wie möglich live zu spielen. Das erklären wir auch unserem Management und unserem Label InsideOut/Century Media, die dann Ausschau nach Tourneen halten. Soweit ich weiß wurde diese unserem Management angeboten, wir zeigten uns sehr interessiert und a Ende hat es gepasst. Es war nicht so, dass wir AMORPHIS vorher gekannt hätten. Bei dem ersten Teil der Konzertreise spielten wir noch in einer anderen Konstellation, da ich arbeiten musste. Deswegen mussten wir einen Ersatzgitarristen anheuern, aber ich bin froh, dass das klappt, so müssen wir keine Tourgelegenheit absagen.

MetalPfälzer: Kommen wir zu Eurem neuen Album "Bilateral", das gesamte Konzept, der Titel, das Artwork sind sehr starke Aussagen. Was wollt ihr damit ausdrücken?

leprous1Tor Oddmund Suhrke: Das ist eine schwierige Frage, denn so direkte Aussagen haben wir nicht, es sind mehr surrealistische Dinge, die uns beschäftigen. Man muss die Texte oder das Cover nicht als Ganzes sehen, die Titel funktionieren auch alleine. Jeder kann seine eigenen Ansichten oder Parallelen zu seinem Leben daraus ziehen. Es ist kein Konzeptalbum, aber unsere Musik verträgt sich sehr gut mit den etwas seltsamen Themen in unseren Texten. Insgesamt sind wir aber mit unserem Gesamtkonzept, also Texte, Musik, Artwork sehr zufrieden.

MetalPfälzer: Auf Eurem Album entdecke ich sehr viel verschiedene musikalische Einflüsse. Wie wichtig ist diese kreative Freiheit für Euch?

Tor Oddmund Suhrke: Das ist sehr wichtig für uns, denn wir mögen keinerlei künstlerische Beschränkungen. Wenn Du zu sehr in einem bestimmten Genre gefangen bist, dann musst Du Dir bei allem Gedanken machen ob das zu Deiner Band passt. Das ist ein Hindernis, der einfach den kreativen Part am Musikmachen einschränkt. Wir mögen keine Regeln und machen einfach das was wir mögen. Wir probieren sehr viel aus und fügen verschieden Parts zusammen, das funktioniert mal mehr, mal weniger. Wenn wir im Proberaum zusammen kommen bringt jeder von uns seine Ideen mit und dann arbeiten wir sie zusammen aus. So kommt der Einfluss von jedem zum Trage, das ist ein sehr guter Prozess.

MetalPfälzer: Das Label gibt Euch freie Hand dabei?

Tor Oddmund Suhrke: Ja, bei unserem ersten Release "Tall Poppy Syndrome" haben wir erst das komplette Album aufgenommen und es dann den Plattenfirmen angeboten. Sie haben ein fertiges Produkt veröffentlicht und konnten daran nichts mehr ändern. Als wir zu InsideOut wechselten haben wir zuerst unsere Songs fertig gestellt. Wir haben nichts unterschrieben bis sie genau wussten wer wir waren, bis wir ihnen zeigen konnten worauf wir hinaus wollen.
Sie haben ein paar Vorschläge gemacht wegen der Songanzahl und der Länge des Albums, aber nicht beim kreativen Prozess, beim Schreiben und Arrangieren der Titel. Auch beim Artwork hatten wir freie Hand, wir bekamen ein paar Tipps, aber letzten Endes wurde es ein von uns vorgeschlagenes, bei dem ihnen die Originalität gefiel.

MetalPfälzer: Wie sieht es mit der Szene in Norwegen aus? Habt ihr Kontakt zu anderen Bands im progressiven Sektor, wie etwa AIRBAG oder GAZPACHO?

Tor Oddmund Suhrke: Wir spielten schon mit vielen verschiedenen Bands aus allen Genres zusammen, da wir wie schon erwähnt gerne live spielen. Engeren Kontakt haben wir lediglich zu ISHAN, für den wir bei seinen Konzerten als Backingband agieren. Wenn Du so willst kannst Du ihn der progressiven Szene zurechnen. Dann haben wir schon öfter mit einer Band namens ABOVE SYMETRY gespielt, denen haben wir unseren Bassisten abgeluchst, aber es herrscht ein gutes Verhältnis zwischen uns. Weiterhin waren wir mit PAGAN´S MIND, falls ihr die kennt unterwegs. Sie stammen aus einer Stadt in unserer Nähe.

MetalPfälzer: (wirft ein) Klar, ist uns ein Begriff, waren auch schon in Saarbrücken. Von wo genau kommt ihr?

Tor Oddmund Suhrke: Wir stammen aus der Bezirk Telemark im Südwesten von Norwegen, etwa drei Autostunden von Oslo entfernt. Von dort kommen EMPEROR und ZYKLON, also eher Blackmetalbands.

MetalPfälzer: Habt ihr auch Kontakt zu dieser Szene?

Tor Oddmund Suhrke: Ein paar, die vor allem dadurch zustande kamen, dass wir mit ISHAN spielen. Wir sind auch schon mit IMMORTAL zu Auslandsshows gereist. Unser Keyboarder und ich haben vor fünf Jahren in unserer Heimatstadt ein Festival veranstaltet, auf dem viele Black - und auch Progressivemetalbands aufgetreten sind. Daher haben wir schon viele Kontakte, aber eben hauptsächlich in den zwei Szenen.

Anne: Ich finde Euer Name LEPROUS hört sich eher nach einer Blackmetalcombo an! (lacht)

Tor Oddmund Suhrke: Oh ja, oder auch eine Deathmetaltruppe. Ich fing zusammen mit unserem Keyboarder Einar und ein paar Leuten, die heute nicht mehr zu Line-Up gehören vor zehn Jahren mit dieser Band an. Als es daran ging einen Namen zu finden war das schon schwierig, wir waren fünfzehn Jahre alt und spielten unsere Instrumente noch nicht lange. Zuerst waren das nur Lernerfahrungen, doch als wir uns entwickelten kam jemand mit dem Namen an. Der hat nichts mit einem bestimmten Musikstil zu tun, wir fanden ihn damals einfach cool.

MetalPfälzer: Aber ihr ändert jetzt nicht plötzlich ständig Euren Namen wie eine andere in der Runde bekannte Band? (lacht)

Tor Oddmund Suhrke: Oh nein, wir haben unseren Namen jetzt schon seit zehn Jahren, das ist gerade für eine junge Band eine lange Zeit. Klar denkt man auch mal über einen anderen Namen nach, vor allem am Anfang, weil man da noch unsicher ist. Aber nun ist da kein anderer Name mehr vorstellbar, denn das wäre schon verwirrend, da viele dann auch etwas völlig anders erwarten würden.

Anne: Als ich die Promophotos von Euch sah fiel mir Eure anscheinende Vorliebe ür die Farbe Rot ziemlich ins Auge!

leprous2Tor Oddmund Suhrke: (lacht laut) Ja, muss man schon sagen! Wir dachten einfach es wäre cool, ohne jetzt speziell über die Band oder die Musik nachzudenken. Die meisten anderen Bands tragen schwarz und Tarnfarben und wir machten uns Gedanken über etwas komplett anderes. Es sollte ein Outfit sein, das auf der Bühne auffällt und nicht so langweilig wirkt. Nichts gegen Bandshirts, aber da hat eben jeder und wir suchten das Besondere, also warum keine normalen oder gar feinen Klamotten?
Bei der Wahl nach der Farbe kamen wir schnell auf Rot, denn die meisten meiner Gitarren sind rot. Unsere Keyboards sind auch rot und unser Drumkit hat auch fast nur rote und schwarze Farben. Und da stellten wir fest, dass eben schwarz und rot eine gute Kombination ergeben, weil sie schon bei vielen Dingen von uns gut harmonieren. Als uns das bewusst wurde, war unsere Linie schon gefunden.

MetalPfälzer: Aber ihr seid jetzt nicht von dem BLUE ÖYSTER CULT-Song "The Red And The Black" inspiriert worden? (lacht)

Tor Oddmund Suhrke: Nein, den kenne ich noch nicht mal! Wir haben schon viele Farben ausprobiert, aber nun haben wir etwas gefunden, dass uns richtig gefällt. Das Witzige ist, dass auf dem Cover von "Bilateral" kaum oder gar kein Rot zu finden ist. Es ist sehr farbenfroh gehalten, aber eher in warmen Naturtönen. Damit sticht es in der Metalabteilung der Plattenläden zwischen all dem Schwarz deutlich hervor.

MetalPfälzer: Was sind Eure nächsten Pläne für die Zukunft?

Tor Oddmund Suhrke: Wir wollen vor allem die Spannung an der Sache hochhalten, nach einer Tour heimzukommen und einfach nur auszuspannen ist nicht unser Ding. Neue Aufnahmen soll es auch wieder geben, aber wir haben noch nicht damit angefangen an neuen Ideen zu arbeiten. Von daher kann ich noch nicht sagen wann, aber wir hoffen, dass wir 2012 noch dazu kommen werden, damit wir Anfang 2013 ein neues Album in der Hand haben.
Dazu werden wir demnächst ein neues Video drehen. Und natürlich stehen in naher Zukunft auch noch einige Einzelkonzerte an. Und gegen Ende des Jahres würden wir gerne erneut auf Tournee gehen, aber da muss man erst einmal schauen was sich ergibt in Sachen Support und so.

MetalPfälzer: Schreibt ihr eigentlich auch Lieder während ihr unterwegs seid?

Tor Oddmund Suhrke: Darin sind wir eher nicht die Experten. ich weiß, dass viele Gruppen das tun. Wir wollen unsere Songs eher in den Proben ausarbeiten und haben daher noch kein konkretes Material. Natürlich nimmt man sich das immer vor, Ideen zu finden, die man den anderen dann präsentieren kann, aber wenn Du unterwegs bist ist es schwer sich hinzusetzen und sich darauf zu konzentrieren. Wenn ich dann dazu komme schreibe ich schon sehr viel nieder und auch die übrigen Bandmitglieder kommen mit vielen Ideen an, wenn wir uns dann treffen. Diese fügen wir dann zusammen, das ist unsere Art Musik zu machen.

MetalPfälzer: Songschreiben auf Tour scheint mir ohnehin eine vergessene Tugend zu sein, die meisten setzen sich zuhause hin und arbeiten dann bewusst an ihrem nächsten Album.

Tor Oddmund Suhrke: Ja, früher war das normal, aber da war der Druck auch höher, da kam jedes Jahr eine neue Scheibe und man war viel unterwegs. Von daher war man gezwungen das so zu machen. Vom Gemeinschaftsgefühl ist das vielleicht sogar besser, aber es entspricht nicht unseren Naturell. Einige Bands schreiben die Songs sogar erst im Studio, doch wir haben nicht das Geld um uns so eine lange Studiozeit leisten zu können. Es hat bei uns bislang so funktioniert, also werden wir das vorerst so beibehalten.

MetalPfälzer: Habt ihr im Sommer vor auf Festivals zu spielen?

Tor Oddmund Suhrke: Bislang ist nur das Graspop bestätigt, aber das ist ja eines der Größten. Wir sind in Verhandlungen mit vielen anderen und hoffen, dass wir auf der Tour einige Promoter erreichen um mit denen dann anschließend in Kontakt zu kommen. Wie ich eingangs erwähnt habe wollen wir auf jeden Fall so viele Shows wie möglich spielen.

MetalPfälzer: So, das war es von unserer Seite, ich möchte mich noch einmal herzlich für das Interview bedanken und Euch viel Spaß auf der weiteren Tour wünschen.

Tor Oddmund Suhrke: Wir danken ebenso und sehen uns dann später!

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