emil_bulls-groupEndlich hat es mal geklappt! "So ein arbeitsfreier Tag muss genutzt werden!" dachte ich mir und vereinbarte einen Interview-Termin mit den EMIL BULLS in der Kammgarn in Kaiserslautern. Gesprächsstoff gab es hierfür sicherlich mehr als genug; der Chartstürmer namens "Oceanic" (Review hier), erfolgreiche Festival-Gigs im Sommer und eine fast komplettierte, sehr erfolgreiche Tour (Bericht Kammgarn) sollten für eine gute halbe Stunde im Backstage der Kammgarn für kurzweilige Dialoge sorgen.

Zu meiner Überraschung stellt mir Tourmanager Chrissy erst James, dann Stephan "Moik" zum Interview zur Verfügung und schliesslich gesellt sich auch Sänger Christoph in die gemütliche Sofa-Runde, auf dem Gitarrist Andy Bock zusätzlich ein Nickerchen hält - da hatte ich tatsächlich fast alle BULLS beisammen! Eigentlich die beste Vorraussetzungen für ein Interview, hätte die Vorband TOS nicht gleichzeitig ihren Soundcheck gemacht und mir das Abhören der Audio-File zur Tortur gemacht...es sei euch noch einmal verziehen! Euch aber nun viel Spass bei der Lektüre des Interviews!

Wie bereits erwähnt sind zu Beginn der Moik und James dabei, ein verschlafen blinzelnder Bock dreht sich auf seiner Couch jedoch noch einmal um.

Brix: Hi Jungs! Erst einmal noch verspätete, persönliche Glückwünsche zu eurem neusten Meisterwerk "Oceanic"! Das Teil hat ja auch zurecht eine Platzierung unter den Top 20 in den Album-Charts bekommen! Ist das für euch nach über 15 Jahren EMIL BULLS eine Art Genugtuung, endlich einmal die Früchte eurer Arbeit eingefahren zu haben?

James: Ja, auf jeden Fall! Diese gute Chartplatzierung fassen wir als den Lohn der Arbeit, der jahrelangen harten Arbeit, die wir investiert haben, auf. Wir haben uns ja wirklich ewig den Arsch abgespielt, viele Alben gemacht, hatten sehr gute Zeiten aber auch sehr schlechte Zeiten. Aber jetzt gerade auf dieser Tour erleben wir wirklich die beste Phase, die wir jemals hatten. Es ist auch die erfolgreichste Tour, die wir bis jetzt gefahren sind und es ist einfach grandios!

In diesem Augenblick gesellt sich auch Christoph hinzu

Brix: Also ich muss zugeben, ich hatte am Anfang so meine Probleme mit dem Album. Diese ständige Achterbahnfahrt zwischen richtig harten und aggressiven Parts und dem Melodien-Zucker war mir im ersten Moment zu inhomogen. Aber das änderte sich ja dann in den nächsten Durchläufen merklich.

Moik: Also wer uns kennt, weiss, dass wir das eigentlich schon immer so gemacht haben. Da wir selbst alle die verschiedensten Musikrichtungen mögen und die verschiedenen Richtungen, in die wir als Band gehen, pflegen, wollten wir halt dieses Mal in die Extreme gehen. Das heisst: Die soften Songs wurden noch poppiger und die, die auf die Fresse gehen sollten sind dann auch wirklich "Auf die Fresse"! Dann entsteht halt so ein Album, aber wenn man es sich öfter anhört, dann lässt sich ein roter Faden finden.

Christoph ergänzt: Wir wurden schon von vielen Leuten mit dieser Sache konfrontiert. Also in dem Sinne, dass es ihnen im ersten Moment "too much" ist oder, was ich auch in ein paar Reviews gelesen hab, ist die Annahme, dass die Band vielleicht gar nicht wirklich genau weiss, was sie will! Aber das ist eigentlich genau das, was wir wollen! Da stimmen wir in der Band alle 100% ein. Kann sein, dass das für den Hörer im ersten Moment halt verwirrend ist, aber es hat natürlich auch den immensen Vorteil, dass das Album über ganz lange Zeit eben nicht langweilig wird und man es immer wieder anhören kann. Ich mag sowas eigentlich sehr gerne, wenn man Alben hört, bei denen von Anfang an nicht schon alles gesagt ist.

Moik: Auf "Oceanic" ist ja auch für alle Stimmungslagen etwas dabei.

Emil_Bulls_-_OceanicBrix: Definitiv! Deshalb habe ich es nach mehrmaligem Hören auch dementsprechend gut benotet! Habt ihr beim Songwriting denn irgendetwas anders gemacht als sonst? Man hat ja vorab lesen können, dass ihr euch beinahe die Köpfe eingeschlagen hattet...

Christoph: Naja, wir waren untereinder ja nicht persönlich zerstritten. Es war halt nur so, dass wir zuvor ganz lange auf Tour waren und uns nicht, wie vielleicht eine Band das gemacht hätte, ne Auszeit genehmigt hatten. Es lief eher nach dem Motto: "Jungs, ihr müsst da gleich wieder ran und am Ball bleiben!". Das war am Anfang natürlich schwierig, weil wir zu diesem Zeitpunkt schon ziemlich ausgebrannt waren, vor allem kreativ. Also mussten wir uns zwingen zu schreiben und wenn dann dabei nix rausgesprungen beim kreativen Prozess ist, war das schon ein bisschen nervenzehrend. Da kackt man sich dann schon mal an weil die Nerven blank liegen. Aber wie gesagt, das war dann nichts Persönliches.

James: Es war einfach so, dass wir uns künstlerisch gehörig zusammen raufen mussten. Es war ein ziemlich harter Prozess, weil jeder für sich auch erstmal erkennen musste, wo die Band steht, was sie überhaupt aussagen will und in diesem Prozess ist jedem klar geworden, dass uns künstlerische und kreative Freiheit sehr wichtig ist. Die Eigenschaft unserer Band ist auch einfach, dass wir alles spielen könnnen und das wollten wir ebenso klarstellen.

Brix: Dieser Druck, den Christoph eben erwähnt hat: Habt ihr euch den selbst auferlegt oder wurde der von Aussen zugetragen?

Moik: Es war so: Wir haben bei der "Phoenix"-Tour schon gemerkt: "Boah, es kommen immer mehr Leute!" und wir hatten das Gefühl, dass sich das, was wir seit 10 oder 15 Jahren machen, endlich mal rentiert! Dann willst du das auch nicht mehr so schnell hergeben. Wir wollten es erst gar nicht dazu kommen lassen, dass es wieder nur eine Eintagsfliege wird und haben uns somit den Druck schon selber auferlegt! Das Ziel war es, so schnell wie möglich ein neues Album zu schreiben und wieder auf Tour zu gehen, denn wir sind einfach eine absolute Live-Band. Wir müssen auf die Strasse, wir brauchen die Nähe zu den Fans und die Fans brauchen uns.

(Schallendes Lachen allerseits)


"Wir müssen auf die Strasse, wir brauchen die Nähe zu den Fans und die Fans brauchen uns."

Moik bestätigt einmal mehr: EMIL BULLS sind eine Live-Band!


Christoph: Es war für uns auch zum ersten Mal so, dass wir uns selbst diesen musikalischen Druck auferlegt haben. Wie der Moik schon gesagt hat: Wir merkten, da brodelt und da zuckt ein bisschen was und hatten somit auch den Anspruch an uns selbst, musikalisch nicht schlechter zu werden als das letzte Album. Und so kam es, dass wir zum allerersten Mal wirklich über unsere Musik richtig nachgedacht haben. Es stellte sich uns die Frage: "Was müssen wir tun, um das letzte Album zu toppen?". Und das war sau schwer für uns, weil wir uns über unsere Musik in dieser Form noch nie Gedanken gemacht haben, sondern wir immer aus dem Bauch heraus agiert und unseren Gefühlen freien Lauf gelassen hatten. Und auf einmal kam nun halt zum ersten Mal der Kopf dazu und es war ganz schwierig, das abzuschalten und das hat erst einmal eine Zeit lang gedauert. Zum Glück ist es gewissermaßen in der letzten Sekunde noch gut gegangen! Als wir den Anfang dann gefunden haben, lief es wie geschmiert.

Brix: Das Wort "Oceanic" für sich beschreibt ja ein "maritimes" Oberthema - von euch als Bajuwaren sollte man eigentlich Stories über Kraxeltouren erwarten!?

Christoph (lacht): Nee, "Oceanic" für sich bedeutet "ozeanisch", "weit", "groß" oder "gewaltig". Und das ist dann für uns der perfekte Überbegriff für unsere musikalische Weite und Grenzenlosigkeit was Genres angeht. Einfach ohne Barrieren alles ausprobieren können. Es ist also kein Konzeptalbum über den Ozean an sich oder Schifffahrten oder so, sondern der Überbegriff für unser musikalisches Werk an sich.

Brix: Wie bereits erwähnte, ist es auffällig, dass ihr an Härte noch einen Ticken zugelegt habt - "We Don´t Believe In Ifs" oder "Battle Royal" weisen sogar Death-Metal-Riffing auf. Wer von euch ist eigentlich für diese Metal-Schlagseite verantwortlich?

Moik und James zeigen sofort auf Christoph, der reumütig seine neue Seite preis gibt:

Christoph: Ja, das war dieses Mal eigentlich "verkehrte Welt"! Ich war eigentlich immer so der Melodie-Typ in der Band und somit immer für die ruhigeren Songs verantwortlich. Dieses Mal war´s komplett umgekehrt: Alles, was richtig ballert, stammt von mir! Und gerade, wo du den Song "We Don´t Believe In Ifs" angesprochen hast: Auf der letzten Tour hab ich im Nightliner ganz viel geschrieben und dieser Song ist nach einer echt miesen Show entstanden, wo ich total aggro war und bevor ich mich dann sinnlos besauf, mach ich dann lieber nen aggressiven Song! Der war dann auch innerhalb einer Stunde fertig. So sind auch irgendwie viele Songs entstanden, immer wenn ich Dampf ablassen musste. Dennoch korrespondieren die Tracks richtig gut mit den Stücken, die wir als Band zusammen geschrieben haben.

Somit hatte sich die Frage, wer denn das "Weichei" in der Truppe ist, erübrigt - aber eines brannte mir noch auf der Seele:

Brix: Und was genau hat es mit dieser fünfminütigen Regenkulisse am Ende der Scheibe auf sich? Waren das die Eindrücke vom verregneten WITH FULL FORCE dieses Jahr?

(Wieder schallendes Lachen)

Christoph: Nee, da hatte es ja mehr gestürmt. Nein, das hat einen anderen Hintergrund, das war ganz lustig: Wir, das heisst unser Drummer Klaus und ich, wollten am Anfang von "I Bow To You" unbedingt einen Donner-Sound. Eines Tages haben wir dann bei mir zuhaus im Heimstudio an den Drum-Arrangements rumgebastelt und hatten ein paar Gläschen Rotwein intus, als es draussen auf einmal angefangen hat, zu gewittern. Und wir dachten: "Ey geil, jetzt müssen wir den Donner aufnehmen!". Wir wollten halt keinen gesampelten Donner haben. Ich habe also ein Mikro auf den Balkon gestellt und gewartet und gewartet...aber es kam einfach kein Donner mehr! Davor ging´s aber gewittermäßig mega ab mit krassestem Donner und wir suchten schnell das Mikro, aber danach kam nix mehr! Naja, wenigstens hat es dann noch der Regen auf die Platte geschafft! Das ist also nur ne ganz blöde Insider-Spielerei. Ganz am Schluss hätte man den Klaus und mich noch rumlallen hören können, aber das war uns dann doch zu albern, um auf die Platte zu packen.
Aber ich denke schon, dass es für eine Platte, auf der soviel passiert ist und es richtig zur Sache ging, ein schöner, chilliger Abschluss ist. 

live_20110702_0210Brix:  Naja, an Regen und WITH FULL FORCE habe ich dieses Jahr leider überwiegend miese Erinnerungen (Anm.d.Verf.: Ihr wisst schon...abgesoffenes Zelt, vorzeitige Abreise, usw.). Immerhin habe ich euch noch in der Hardbowl gesehen und das war auch einer meiner Lichtblicke dieses Jahr.
Den Vogel abgeschossen habt ihr allerdings auf dem diesjährigen SUMMER BREEZE: Meine Stimme musste ich tagelang auf dem Acker suchen gehen...

James: Ja, diese beiden Gigs waren auch für mich so die Highlights in diesem Jahr. Vielleicht noch vergleichbar mit dem DEICHBRAND aus dem letzten Jahr. Grad beim WITH FULL FORCE ist es eine Ehre zu spielen, auch wenn wir gerne nen Ticken später aufgetreten wären. Andererseits war das gut so, denn später war ja "Land Unter"!
Und beim SUMMER BREEZE war es einfach geil, dass wir eigentlich vom Rest-Billing her gar nicht reinpassten, aber dann trotzdem so abgeräumt haben.

Christoph: Stimmt schon! Gerade wenn man Exot solchen Erfolg hat, ist das besonders geil. Aber wir beobachten immer mehr, dass gerade aus dem Metal-Lager immer mehr Interessierte vorbeischauen und dann merken: "Oha, die sind ja gar nicht so schlecht!". Und das hat mich diese Festivalsaison wahnsinnig gefreut, dass immer mehr Leute aus den verschiedensten Lagern unsere Songs abfeiern. Das ist eh so etwas wie unsere Philosophie: Leute aus möglichst vielen Fan-Lagern zu vereinen!
Ich kann mich noch an den Beginn der Neunziger erinnern, als die "Black Sunday" von CYPRESS HILL rauskam. Da gingen die Metaller auf Hip-Hop steil! Leute mit METALLICA-Shirts gingen auf die Shows von denen! Ich war selbst Metaller und freute mich darüber, dass das andere Leute auch so handhabten. Genauso freut es mich, wenn WIR das heute genauso erreichen können. Da tauchen dann von Punks über klassische Hardcore-Typen auch Leute in SLAYER-Shirts auf unseren Gigs auf und feiern gemeinsam mit Leuten mit RADIOHEAD-Shirts! Das ist eine sehr schöne Entwicklung, die da gerade statt findet und wir sehen uns da ein wenig als "Botschafter".

Moik: Genau, weil wir selbst einfach auch so sind! Wir hören selbst alles quer durch die Genres und freuen uns, die Fans dieser verschiedenen Richtungen bei uns vereinen zu können.


"Genauso freut es mich, wenn WIR das heute genauso erreichen können. Da tauchen dann von Punks über klassische Hardcore-Typen auch Leute in SLAYER-Shirts auf unseren Gigs auf! Das ist eine sehr schöne Entwicklung, die da gerade statt findet und wir sehen uns da ein wenig als "Botschafter"."

EMIL BULLS wollen Brücken zwischen den Lagern schlagen


Christoph: Diese Philosophie schlägt sich ja dann auch im Zusammenstellen unserer Support-Bands nieder: An einem Abend drei Mal EMIL BULLS wäre zu langweilig! Es spielen immer drei komplett verschiedene Bands. Zum Beispiel im Moment TOS: Die fallen komplett aus dem Rahmen, da sie sich eher an Bands wie KINGS OF LEON, COLDPLAY oder MUSE orientieren. Aber das funktioniert echt super. Ich will jetzt für heute Abend nichts heraufbeschwören, aber ich denke, die werden auch hier gut ankommen. Und überhaupt, dass die sich trotz aller Vorbehalte getraut haben, mit uns auf Tour zu gehen, sagt schon einiges! Wir haben da im Vorfeld ein wenig Überzeugungsarbeit leisten müssen, aber der Erfolg gibt uns und ihnen Recht.

Ich selbst gehe auch nicht gerne auf Konzerte, wo sieben Bands quasi das Gleiche spielen. (Leider ging der Rest des Statements im Dröhnen des TOS-Soundchecks unter und ist für mich nicht mehr nachvollziehbar)

Brix: Wo wir gerade an der Live-Front sind: Fühlt ihr euch eigentlich in den Clubs oder auf den großen Bühnen der Open Airs wohler?

James: Das hält sich absolut die Waage. Im Frühjahr freue ich mich, wenn es auf die Festivals geht, im Herbst, dass die Club-Touren wieder anfangen. Ich würde halt ungern im Dezember ein Outdoor-Festival spielen müssen.

Brix: Naja, dann müsst ihr die Leute einfach noch mehr anheizen!

(Einmal mehr Lachen allerseits)

Christoph: Na, das ist doch auch bei den richtig großen Bands so: Schau die zum Beispiel mal DIE TOTEN HOSEN an: Die können riesige Hallen und Stadien füllen, gehen aber trotzdem immer wieder auch in die kleinen Clubs, weil die einfach den engen Kontakt zu den Fans brauchen! Klar ist es geil und beeindruckend, auf großen Bühnen vor mehreren tausend Leuten zu spielen, aber was wir gerade jetzt wieder auf der Tour erleben, diese Intimität, dieses zusammen mit den Leuten schwitzen, das ist einfach intensiver!

Brix: Und das MANOWAR-Intro hat nun ausgedient? Oder nur auf dieser Tour?

Moik: Jaaaaa, neee, das kommt schon nochmal wieder!

Christoph: Wir haben da eigentlich nen Schwur gebrochen! Denn wir hatten einmal nach ner langen Zeit mal ohne das Intro gespielt und die Show war total scheisse...seitdem sind wir total abergläubig, was das angeht und haben uns eigentlich geschworen, wir gehen nie mehr ohne dieses "The Crown & The Ring"-Intro auf die Bühne! Und jetzt mit der neuen Platte bietet sich das "Concubines/Epiphany"-Doppel einfach als Ersatz an! Aber es wird defintiv "The Return Of The MANOWAR-Intro" geben!

Brix: Die "Oceanic"-Tour neigt sich ja nun dem Ende zu, heute ist der vorletzte Gig der Tour: Ihr habt ja bereits gesagt, dass der Verlauf bis hier hin richtig gut war, habt ihr irgendwelche Unterschiede entgegen vergangener Tourneen?

Christoph: Der Hauptunterschied ist, dass wir durchweg eine ganz geile Stimmung in der Truppe haben und es glaube ich noch nicht einmal Streit bisher gab! Wir sind relaxed wie nie!

Moik: Noch ein Unterschied besteht darin, dass wir eine für unserer Verhältnisse große Produktion auffahren! Wir haben eigenes Licht und nen eigenen Lichtmann dabei, was wir bisher immer nur so sporadisch hatten wenn wir es uns leisten konnten. Es gibt auch ein neues Bühnenkonzept. Alles in allem ist ein weiterer Schritt nach vorne, was das Gesamtkonzept angeht. Das macht sehr viel Spass, aber auch mehr Arbeit!

emil_bulls-group2Brix: Euer letzter Gig hier in der Kammgarn wurde ja leider von einem bösen Unfall eines Fans überschattet - beschäftigt so ein Vorfall eine Band noch über längere Zeit? Die Kids ticken bei euch ja regelmässig aus, hat man dann die schlimmen Bilder noch vor Augen?

Die gelöste Stimmung schlägt bei dieser Frage schlagartig um.

Moik: Aber hallo!

James: Auf jeden Fall!

Christoph: Definitiv. Wir haben auch lange bandintern darüber geredet, wie wir künftig damit umgehen wollen: Sollen wir Stagediving nun komplett verbieten? Aber wir haben uns darauf geeinigt, dass wir keine Gesetze aufsetzen wollen oder den Leuten auf unseren Konzerten vorschreiben, was sie dürfen und was nicht. Die sind einfach für sich selbst verantwortlich und wir versuchen, das höchste Maß an Sicherheit zu gewährleisten. (Ob da Glasflaschen ins Publikum verteilen dazu gehört, lass ich jetzt einmal mit einem Augenzwinkern unkommentiert..)
Es soll natürlich jeder seinen Spaß haben, aber trotzdem haben wir jedes Mal ein komisches Gefühl: Bei jeder Wall Of Death und bei jedem Crowdsurfer kommt das sofort wieder hoch! Seit diesem Tag ist wirklich alles anders. Das wird man nicht mehr los, es hat uns alle dermaßen geschockt! Die Stimmung nach der Show war unbeschreiblich! Ich kenne meine Jungs nun schon seit über 15 Jahren, aber so habe ich die noch nie erlebt.
Der Eric wollte an diesem Abend einfach nur seinen Spass haben und hatte obendrein auch noch Geburtstag! Er war vorne mitten im Pogo und anstatt sich durch die Menge zu drängen, wollte er halt per Crowdsurfing auf schnellstem Weg zurück zu seiner Freundin. Leider ist er dort nie angekommen, sondern landete mit einem doppelten Schädelbasis-Bruch im Krankenhaus. Wir waren seitdem dauernd mit ihm in Kontakt und auch bei ihm im Krankenhaus. Wir freuen uns aber wahnsinnig für Eric, dass er heute Abend wieder dabei sein kann; wir treffen ihn seitdem wieder zum ersten Mal. Ich denke, da werden heute ein paar gemeinsame Bierchen fällig!


"Wir freuen uns aber wahnsinnig für Eric, dass er heute Abend wieder dabei sein kann; wir treffen ihn seitdem wieder zum ersten Mal. Ich denke, da werden heute ein paar gemeinsame Bierchen fällig!"

Ende gut, alles gut! Schwerverletzte Fans werden von den EMIL BULLS bestens umsorgt!


Brix: Eure Sorgfaltspflicht ist jedenfalls vorbildlich, das muss ich schon sagen!

Christoph: Wir wollten eigentlich noch am gleichen Abend ins Krankenhaus, haben aber dann bis zum nächsten Morgen gewartet. Eigentlich wollten wir ihm dann nur eine Nachricht hinterlassen, aber der Arzt und seine Eltern waren damit einverstanden, dass wir direkt zu ihm konnten. Er war dann glücklicherweise auch schon wieder ansprechbar. Wir wussten halt auch nicht, wie die Eltern nun auf uns reagieren würden, so nach dem Motto: "Unser Sohn geht auf eure Konzerte und da passieren solche Sachen!". Aber zum Glück waren die total super und ganz liebe Leute. Auch seine Freundin, sein Bruder,...so haben wir auf ungewöhnlichem Wege ein super Bekanntschaft und auch Erfahrung machen dürfen.

Brix: Genau so ist richtig! Immer das Positive aus der Situation ziehen! Wie werdet ihr nun nach der Tour das Jahr 2011 ausklingen?

Moik: Wir haben ja erst noch unsere große "Homecoming-Show" in München, das ist quasi schon Tradition! Dann spielen wir noch ein, zwei Festivals.

Brix: Gehen wir mal von eurer Band ein Stück weg: Welche Alben des Jahres 2011 haben euch beeindruckt und stehen bei euch ganz oben?

Christoph: Bei meinen Favoriten kommt auf jeden Fall wieder meine Pop-Seite zum Vorschein: Mich hat die neue HURTS-Platte total geflasht! Ich bin ja auch so ein Kind der Achtziger und die machen das, was ich gern mal machen würde. Geiler Sänger, super Sound! Und daneben habe ich ganz viel WHITE LIES gehört. Ja, das waren spontan so meine Platten dieses Jahr.

James: Ich habe das ganze Jahr darauf gewartet, dass noch was besseres kommt, aber die "Speaker Of The Dead" von EMMURE hat nix toppen können! Ganz einfach, weil sie so kompromisslos und der Sound so unfassbar gut ist. Mach einer mag sagen, dass die Scheibe stupide und stumpf ist, weil die immer nur dasselbe spielen, aber wenn es wie in diesem Fall so gut funktioniert, finde ich das schon okay so. Jedenfalls habe ich dieses Jahr keine durchdachtere Platte, ausser Unserer natürlich, begegnet!

Moik: Hm, ich weiss grad nicht so recht...

Christoph: Klar, EAV hat ja auch keine neue Platte gemacht!

Brix: Die neue MACHINE HEAD kein Thema für euch?

Moik: Hm, nee, die hab ich zwar gehört, aber war jetzt nicht soo der Renner...unser Drummer schwört aber auf die! Ich bin auch eigentlich nicht so der "Album-Hörer"...

Christoph: Ausser EAV!

Moik: Haha! Nee, dann schon mal lieber ein schöner Mix von Titeln verschiedener Bands anstatt ein komplettes Album.

Brix: Ein kleiner Vorausblick: Wie geht es dann 2012 mit EMIL BULLS weiter?

James: Erstmal Ende Februar der Teil Zwei der "Oceanic"-Tour in weiteren Städten, natürlich wieder ein paar Festivals.

 Emil_Bulls-2Christoph: Das witzige ist, es waren eben ein paar Russen hier, die uns erzählten, dass wir im Januar in Russland spielen werden - dummerweise wussten die da mehr als wir!  DASS wir da spielen wollen, war klar, aber über das WANN wussten die komischerweise mehr Bescheid als wir...die meinten sogar, dass sie heute extra aus Moskau für diese Show angereist kamen!  

 Brix: Das nenne ich aber mal Einsatz! Ich wäre an dieser Stelle auch soweit mit meinen Fragen, bedanke mich für eure Zeit und wünsche einen geilen Abend!

Da liessen sich die Jungs auch, wie nachzulesen, nicht zwei Mal bitten! Netterweise durfte ich die Zeit bis zum Gig mit den Bands im Catering-Raum bei lecker Cordon Blue überbrücken; vielen Dank nochmals für die Einladung!

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