| Interview mit Gerrit P. Mutz (Sacred Steel) |
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Bernie: Warum sollte sich der Metaller "Carnage Victory" kaufen? Gerrit: Nun, wenn das der Metaller nicht selber weiß, kann ich Ihm da auch nicht weiterhelfen, haha. Ich sag's mal so: wer zeitlosen, definitiv nicht überproduzierten oder tot getriggerten Überzeugungsmetal mit Charakter sucht, sollte zumindest mal ein Ohr riskieren. Bernie: Zum Cover: Seid ihr bewusst weg vom Schwert-schwingenden Krieger hin zu etwas Modernerem, was steckt hinter dem Covermotiv? Gerrit: Bewusst war die Entscheidung schon. Moderner wollten wir allerdings sicher nicht werden. Wir wollten lediglich mehr von der Fantasie in die traurige Realität. Die Texte sind mit den Jahren deutlich kritischer und lebensnaher geworden, das wollten wir auch mit der Verpackung ausdrücken. Bernie: Kann „Don't break the oath“ als Hommage an MERCYFUL FATE gesehen werden? Was bedeutet die Band und das Album für dich? Gerrit: Klar ist der Song ein Tribut an den King und MF! Das Artwork der Scheibe ist das beste Metal Artwork aller Zeiten!! Die Musik ist das non-plus-ultra im richtigen Black Metal, immer noch. Und der Gesang und die Atmosphäre sind ebenfalls unvergleichlich. „Don`t Break The Oath“ War zusammen mit “Hail To England“ für mich das wichtigste und nachhaltigste Album aus dem Jahre 1984. Außerdem hat der King seine Ideale nie verraten und ist sich treu geblieben. Tiefe Verbeugung! Bernie: Erzähl mal bitte ein wenig zum Hintergrund von dem Song „Metal underground“
Gerrit: Der Song ist ebenfalls ein Kniefall. 1984 habe ich entdeckt, dass es abseits von den mir bekannten großen Bands auch eine wunderbare Fabelwelt im metallischen Untergrund zu entdecken gab. Seit dem ist der „Underground“ mein Lebensinhalt.
Härter wurden wir damals vor allem um den ewigen Vergleichen mit den ganzen Tralala-Italo-so genannten-Power-Metal-Bands zu entgehenverständlich...
Bernie: Neben Genre-üblichen Texten kann man auf „Carnage Victory“ auch einen deutlichen Hang zu Lyrics sehen, die wie eine Art persönliche Abrechnung klingen, wie „Broken rites“. Fließen da manchmal persönliche Erlebnisse mit ein oder lässt du dich eher von Dritten inspirieren? Gerrit: „Broken Rites“ basiert auf dem Leben eines australischen Priesters, der im Verlaufe seiner kirchlichen Laufbahn über 50 Jahre hinweg Kinder missbrauchte. Immer schön gedeckelt von seinen Kirchenführern, die ihn auch posthum noch in allen Ehren hielten. Im Zuge der Ermittlungen wurde entdeckt dass es noch über 100 weitere Glaubensbrüder gab, die solche Verbrechen generallstabsmäßig verübten. „Broken Rites“ ist übrigens auch der Name der Hilfsorganisation, die sich der Opfer dieser Schweinereien annimmt. Bernie: Eine Frage zum Sound: Ihr klingt mit dem neuen Line Up viel roher, was euch meiner Meinung nach sehr gut zu Gesicht steht. Wie kommts? Es liegt ja durchaus im Trend, bewusst darauf zu achten, dass alles direkt und roh klingt und bewusst nicht clean und perfekt gebügelt. Gerrit: Wir versuchen zeitlosen Metal zu produzieren, ohne zu altbacken oder zu überproduziert zu klingen. Einfach so authentisch wie möglich. Ich denke allerdings nicht, dass wir roher klingen als mit dem alten Line-up. Wenn Du das aber so siehst, geht das natürlich in Ordnung. Jeder hört halt anders. Bernie: Es schien mir, dass sich SACRED STEEL ein wenig an MY DARKEST HATE angeglichen haben mit der Zeit, gerade als du angefangen hast, auch mal zu growlen (was der Musik auch sehr gut steht ab und zu). Schließt ihr mit „Hammer of destruction“ und „Carnage Victory“ zu „Wargods of metal“ auf? Musikalisch und vor allem emotional scheint es fast so. „Bloodlust“ bis „Iron blessings“ würde ich als eigenes Paket sehen, gerade mit der Produktion von Achim Köhler und der Tendenz zu härterem Metal ab „Slaughter prophecy“. Gerrit: Nun, da Jörg damals unser Haupt-Songwriter war, wie ja auch bei MDH, war es nicht zu umgehen, dass das ein oder andere Riff vergleichbar war. Härter wurden wir damals vor allem um den ewigen Vergleichen mit den ganzen Tralala-Italo-so genannten-Power-Metal-Bands zu entgehen. Für uns war „True Metal“ schon immer die ganze Spannbreite von Doom bis zu Death Metal. Für mich waren unsere ersten 3 Platten quasi ein Paket. “Slaughter“ und „Blessings“ waren dann das zweite Kapitel und die letzten beiden Platten sind die Gegenwart.
Bernie: War der Split für euch im Endeffekt eine neue Chance, wieder zu den Wurzeln der Band zurück zu kehren? Gerrit: Ja , definitiv! Es war klar, dass wir mit „Hammer“ wieder genau das machen wollten, was für uns SS ausmacht. Mit „Carnage“ haben wir auf diesem Fundament wieder ein wenig experimentiert und das kommende Album wird sicher noch ein wenig abwechslungsreicher und bunter. Aber alles auf der Grundlage, die wir mit „Hammer“ gebaut haben. Bernie: Wie hat sich der Split mit den anderen zwei auf SACRED STEEL ausgewirkt? Kurzfristig und langfristig? Gerrit: Für uns als Band war es rückblickend gut wie alles gekommen ist. Wir sind inzwischen eine eingeschworene Einheit mit klarem Konzept, wunderbarer Bandchemie und gegenseitigem Respekt. Zuerst war das damals für uns alle ein Schock, aber oftmals ist eine Zäsur ja deutlich besser, als einfach so weiter zu machen, auch wenn es einfach nicht mehr so richtig klappt. Bernie: Wie habt ihr euren Stil wahren können, nachdem euer Hauptsongwriter weg war? Habt ihr bewusst darauf geachtet oder wart ihr auch frei für eine komplette Kursänderung (Ich finde, ihr klingt jetzt viel frischer).
Gerrit: Unser „neuer“ Songwriter Jonas wusste ja als alter Fan und Wegbegleiter gut, was zu uns passen würde und arbeitete auch dementsprechend. Eine Kursänderung war nicht wirklich nötig, wir mussten ja nur weiter das machen, was sich harmonisch im Proberaum zusammenfügte und der internen Qualitätsprüfung entsprach. Ich denke auch, dass wir jetzt ungezwungener und frischer klingen. Das mag daran liegen, dass wir keine Schere im Kopf haben und wirklich alles ausprobieren, sofern es denn in unser „Metal-Raster“ und somit zu SACRED STEEL passt.
Tokio Hotel sind mal im Stuttgarter Flughafen direkt an uns vorbei gelaufen. Haben uns aber nicht erkannt, haha.
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