8kids denendiewirwarenDie Idee mag aus einem Zufall heraus entstanden sein, aber inzwischen ist es eine schöne und lieb gewonnene Tradition, am letzten Tag des Jahres eine Rezension zu meinem persönlichen Album des Jahres zu schreiben. Nachdem es 2015 mit ADELEs „25“ Album (Review) und im letzten Jahr mit SURRENDER THE CROWNs „Life Decides“ (Review) zwei klare und unangefochtene Favoriten gegeben hatte, die unterschiedlicher hätten kaum sein können, liegt die Entscheidung in diesem Jahr enger beieinander. Das liegt daran, dass THRESHOLD es geschafft haben, mit ihrem „Legends Of The Shires“ Doppelalbum ihr bestes Werk seit „Hypothetical“ (2001) und „Critical Mass“ (2002) abzuliefern und dass die recht unbekannten Schweden von SORCERER mit ihrem triumphalen „The Crowning Of The Fire King“ Album ein fast unbeschreibliches Meisterwerk des epischen Doom Metals erschaffen haben, damit konnte man auch nicht unbedingt rechnen.
Auch Daniel Wirtz‘ „Die Fünfte Dimension“ hätte es am Ende auf die oberste Stufe des Podiums bringen können, alle Alben hätten es verdient gehabt, aber am Ende ist doch keines so intensiv, so emotional bewegend und so dermaßen mitreißend gewesen wie „Denen Die Wir Waren“ – das Debütwerk der Darmstädter Band 8KIDS.

Nach der starken „Dämonen EP“ (Review) aus 2016 hatte ich dem Trio aus Hessen sicherlich einiges zugetraut, aber ein Album wie dieses mit dieser Konsequenz von Anfang bis Ende durchzuziehen, da kann ich Jonas Jakob, Hans Koch und Emma McLellan nur den größten Respekt zollen. Bereits mit dem Debütalbum einen ureigenen Stil zu haben, Musik zu erschaffen, welche mehr ist als nur Musik, Emotionen wie Trauer, Wut und Ratlosigkeit zu vertonen, das zeichnet diese Band und das zeichnet dieses Album aus.

Der große Unterschied zwischen „Denen Die Wir Waren“ und anderen ebenfalls hervorragenden Alben liegt vor allem darin, dass die 8KIDS es geschafft haben allen 12 Songs (plus Intro) eine Seele zu geben, jedes Stück steht für sich alleine und funktioniert als Einzelteil, die 12 Stücke zusammen ergeben dann ein in sich schlüssiges und geschlossenes Ganzes.

Das ist insofern beachtlich, da die Band gerne mit Widersprüchen arbeitet. Die Musik ist einerseits ausgesprochen melodisch, andererseits aber auch zweifelsfrei mit beiden Füßen im Hard & Heavy Genre verwurzelt. Der Einfachheit halber mag man es als Post Hardcore klassifizieren, was für mich persönlich dann schon wieder ein Widerspruch darstellt, denn normalerweise geben mir weder „Post“ noch „Hardcore“ Bands besonders viel.

Bei den 8KIDS macht es eben die Mischung aus und eben natürlich auch dieser musikalische Anspruch, etwas Besonderes, etwas Zeitloses zu erschaffen. Dabei darf man dann auch den lyrischen Anspruch des Trios nicht vergessen. Dafür, dass es sich hier um deutsche Texte handelt, die zumeist etwas schwierig sind, sind diese ausgesprochen kunstvoll geraten, wenn ich jetzt das Wort „poetisch“ verwende, ist das vielleicht dann doch etwas zu übertrieben.

Die Texte und mit ihnen einhergehend der Gesang von Jonas und Hans passen einfach perfekt zu den zumeist düsteren Songs der Band, die Texte fallen stellenweise recht direkt aus, teilweise arbeitet die Band hier aber auch mit einer Rätsel aufgebenden Bildsprache, die dazu führt, dass man gezwungen ist, sich als Hörer intensiv mit den Songs zu beschäftigen.
Im Grunde ist bereits der Albumtitel „Denen Die Wir Waren“, ein Zitat aus dem Stück „Vis-Á-Vis“, ein einziges Rätsel und vermutlich der perfekte Titel für dieses Album.

Eigentlich sollte es in diesem Zusammenhang nun eine Verpflichtung sein, die einzelnen Songs des Albums vorzustellen, das ist aber in der Tat eine große Herausforderung, weil man keine Kategorien bilden kann, jedes Stück hat einen eigenen Charakter. Ein Stück wie „In Den Sternen“ verfügt durchaus über ein gewisses Mainstreampotential, „Zerbrechen“ hingegen wirkt auf den ersten Blick wie 2 Minuten lang Krach.
Das größte Kompliment kann man den 8KIDS vielleicht dafür machen, dass sie es geschafft haben bei einem eh schon intensiven Album die vier aufregendsten Stücke ins letzte Drittel des Albums gepackt zu haben. „Denen Die Wir Waren“ lässt also nicht nach, sondern wird nach der bereits erwähnten Kracheruption nochmals stärker. Dabei sind es dann gerade Songs wie „Kann Mich Jemand Hören“ und die Halbballade „Winter In Dir“, die gegen Ende hin nochmals Fragezeichen vor das innere Auge bringen.

Wie es mit den 8KIDS in Zukunft weiter gehen wird, das steht aktuell sicher noch „In Den Sternen“, geht die Band mehr in die Hardcore Richtung, versucht man noch mehr den Mainstream zu bedienen oder bleibt man so wie man ist? Für den Moment kann sich die Band auf jeden Fall erst einmal auf die Fahne schreiben, dass sie eines der besten Debütalben der letzten 10 Jahre veröffentlicht hat. Da ist es dann auch gar nicht notwendig Kritikerliebling zu sein, denn diese Band ist so individuell und bedient gleich mehrere Genres, dass es ausgeschlossen ist, dass jeder das hier gut finden oder gar lieben wird. Kann man aber, man muss sich als Hörer nur eben mit allen Sinnen darauf einlassen. (Maik)

Bewertung: 

Maik 20169,5 9,5 / 10

Anzahl der Songs: 13
Spielzeit: 52:50 min
Label: Napalm Records
Veröffentlichungstermin: 26.05.2017

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