hellintheclub seeyouonthedarksideDer Hair Metal der Achtziger ist seit ein paar Jahren wieder zurück, vor allem aus Skandinavien kommen immer wieder neue Bands, wobei diese Spielart da oben nie wirklich ausgestorben war. Italien ist da eher ein dunkler Fleck auf der Landkarte, ein Umstand, den HELL IN THE CLUB ändern wollen. Vor ein paar Jahren suchten SECRET SPHERE-Bassist Andrea „Andy“ Buratto sowie Davide „Dave“ Moras, der Sänger von ELVENKING nach etwas lockerem neben dem Bombast und dem Anspruch ihrer Hautbands. So kam die Idee mit der neuen Combo, die bisher drei Alben veröffentlicht hat. Nun haben sie bei Frontiers, dem großen Label ihres Heimatlandes, Fachkräften für diese Art Mucke, angedockt und ihnen als Einstand „See You On The Dark Side“ beschert.

Und was die Männer aus dem Stiefelland da vom Stapel lassen, kann sich durchaus mit der Konkurrenz messen lassen. Schon der Opener „We Are On Fire“ gibt mächtig Gas treibt schön ruppig nach vorne und explodiert in einem hymnischen Refrain. Die Gesangsarrangements und das feine Solo von Andrea „Picco“ Piccardi zeigen auch dass sie ihr Handwerk sehr gut verstehen und nicht nur stumpf drauflos brettern.
Vielleicht manchmal zu gut, denn schon im Anschluss können sie ihre bisherigen Betätigungsfelder nicht ganz verleugnen, wenn sie im flirrenden „The Phantom Punch“ verhältnismäßig frickelig zu Werke gehen. Natürlich ist der cheesy Chorus perfektes Futter für die Zielgruppe, doch insgesamt zündet das zu spät. Noch deutlicher wird der Wiederspruch in „Houston We´ve Got No Money“, in dem sich der Groove mit den Gangshouts beißt.

Zum Glück gelingt der Spagat zwischen Anspruch und Spaß oft besser, wie im akustisch beginnenden, leicht bluesig groovenden „Little Toy Soldier“. In der Bridge wird das Tempo ein wenig heraus genommen und in der Mitte bauen die Vier einen coolen Tribal-Part ein. Noch cooler wird es bei „I Wanna Swing Like Peter Parker“, welches mit einem reinrassigen Swingintermezzo aufwartet, das sich sehr gut mit dem hohen Metalanteil des Songs verträgt. Jener ist auch in „Showtime“ sehr hoch, auch wenn das Stück verhalten und beschwingt startet, doch im Verlauf steigert sich die Dynamik zusehends. Mit Gangshouts und starken Chören im Refrain liefert es die ausgefeiltesten Vokalparts der Scheibe.

Mit der Ausrichtung können HELL IN THE CLUB natürlich ihre eigene Identität aufbauen, trotz einer klaren Verbeugung vor den Achtzigern gibt es nur wenig, das die Einflüsse klar erkennen lässt. Höchstens vielleicht das rock´n´rollige „The Misfit“ mit seiner POISON-Schlagseite und vielleicht noch „Bite Of The Tongue“, welches ein wenig von MOETLEY CRÜE der „Dr. Feelgood“-Ära hat. Von den aktuellen Bands fällt am ehesten H.E.A.T. als vager Querverweis ein, ähnlich wie die Schweden auf ihrem letzten Album beschließen auch die in der Relegation unterlegenen Südeuropäer „See You On The Dark Side“ mit einem Longtrack.

Hier gibt es nochmal alles was HELL IN THE CLUB ausmacht plus ein paar genrefremde Ideen, welche den Rausschmeißer ein bisschen sperrig machen. Doch der weite Refrain und die treibenden Riffs stehen immer noch im Vordergrund, während das Lied eher ruhig eingeleitet wird. Dieses Element kommt man auf dem vierten Longplayer zu kurz, aber vielleicht wollte man auch ein paar Klischees umschiffen. Lediglich beim atmosphärischen „Withered In Venice“ lässt man es ruhiger angehen, was aber der Qualität nicht unbedingt schadet. Mit der Leistung weiß das Quartett durchaus im internationalen Vergleich zu bestehen. (Pfälzer)


Bewertung:

Pfaelzer6,5 6,5 / 10


Anzahl der Songs: 11
Spielzeit: 46:58 min
Label: Frontiers Records
Veröffentlichungstermin: 13.10.2017

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