anapopovic trilogyNeben ERJA LYYTINEN oder AYNSLEY LISTER gehört aus die gebürtige Serbin zum Club der 1976 geborenen, die neben JOE BONAMASSA in den letzten Jahren dem Blues zu einem neuen Höhenflug verhalfen. Als Gitarristin und Sängerin hat ANA POPOVIC längst die Kritiker überzeugen können, was sie mit ihrer jüngsten Dreifach-Studioauskoppelung „Trilogy“ noch einmal untermauerte. Tourtechnisch ist die Dame noch mehr unterwegs als einige ihrer Kollegen, erst im Juni war sie hierzulande für ein paar Konzerte, nun ist sie zum Jahresabschluss noch einmal in Deutschland gewesen. NECKBREAKER war für euch im kuscheligen Ducsaal in Freudenburg, einem der schönsten Clubs des Landes, in dem die Bluesmusikerin schon längst bekannt ist, um von dem Abend zu berichten.

Wegen der sonntäglichen Ansetzung des ansonsten immer am Wochenende frequentierten Clubs begann die Show früher, auch auf die normalerweise obligatorische Bierrundenpause wurde verzichtet. Glücklich ist derjenige, der montags eine spätere Schicht arbeiten durfte, und so nicht direkt nach Konzertende die Heimreise antreten musste, um stattdessen noch die Chance zu nutzen, ein paar Worte mit der Künstlerin zu wechseln. Beim ebenfalls üblichen Banddinner im Restaurant nebenan saßen auch ein paar bislang unbekannte Musiker dabei.

Doch ausgewechselt hat sie ihre Mannschaft nicht, die europäische Backingband begleitet die Musikerin schon seit über zehn Jahren und hat sich mittlerweile blind eingespielt. Vielmehr war es wieder an der Zeit, ein paar Bläser mit auf Tour zu nehmen, die zusätzliche Klangfarben beisteuerten. Die beiden traten zwar schon öfter mit ANA POPOVIC auf, doch leider nicht, wenn ich eines ihrer Konzerte besuchte, dabei hätten sie auch da in einigen Liedern schon Akzente setzen können. So platzierten sich Saxophonist Claudio Giovagnoli und Trompeter Davide Ghidoni hinten neben dem Schlagzeug, was es eng werden ließ auf der Bühne.

Natürlich war das Auftreten der beiden bei mir mit einer bestimmten Erwartungshaltung verbunden, haben doch Blasinstrumente auf „Trilogy“ deutliche Spuren hinterlassen. Bereits beim bewährten instrumentalen Einstieg, welchen die Band wie üblich zuerst alleine bestritt, waren sie in das Geschehen eingebunden. Und sie wussten mit ihren Beiträgen zu überzeugen, wobei an der Stelle der Soundmensch noch lobender hervorgehoben werden muss, denn in diesem kleinen, verwinkelten Ambiente wäre vielen die Kontrolle etwas entglitten. An dem Abend wurde jedoch alles sehr sauber und transparent abgemischt, so dass die Bläser ausgewogen ihre Wirkung entfalten konnten.

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Dazu hatten die Musiker im hinteren Bereich der Bühne wieder sehr schick in Schale, selbst Drummer Stephane Avellaneda. Vorne hingegen wurde das Outfit analog zum Bühnensound der Truppe rockiger, wobei die unvermeidlichen gelben Tiger-Turnschuhe von Bassist Ronald Jonker besonders heraus stachen. Auch das Schuhwerk von Frau Popovic war wieder ein Hingucker, ich vergaß sie anschließend beim Interview zu fragen, wie man zwei Stunden Show abreißen kann, ohne sich mit den High Heels die Füße zu brechen. Auch sie legt sehr großen Wert auf ihre Garderobe, dieses Mal waren wieder die roten Lederhosen dran, und um den Hals baumelte eine aufwändige Kette.

Auch vom Klang her pendelte man gekonnt zwischen rockig und elegant, manches Stück kündigte die Frontdame als klangtechnische Reminiszenz an New Orleans an. Mich erinnerte das weniger an die Sümpfe da unten, eher an den mondänen Glanz von New York City, gerade die Lieder vom dritten „Trilogy“-Part „Midnight“ erschienen wie nächtliche Streifzüge über die Fifth Avenue. Natürlich kamen die Titel etwas kantiger rüber als auf der sehr fein arrangierten Studioversion, besaßen dafür aber mehr Drive, lediglich das TOM WAITS-Cover geriet ein bisschen zu straff. Dafür wurde fast jede Nummer mit Jampassagen gestreckt, was die Liveausführungen teilweise deutlich vom Konservenmaterial unterschied.

ANA POPOVIC machte an der Gitarre eine sehr gute Figur, und baute immer wieder lange Soli ein, bei denen sie oft mit geschlossenen Augen dastand. Allerdings drängte sich die Wahlamerikanerin nie in den Vordergrund, sondern überließ ihren Mitstreitern auch gerne das Feld. Beim Drumsolo von Avellaneda saß sie hinten und schaute entspannt zu. Der Franzose der Band war auch eine Augenweide, sein leichtes, dezent jazziges Spiel war schön anzuschauen und sorgte für einen feinen Rhythmus. Seine hochgezogenen Schultern wirkten wie seine ganze Gestik etwas sonderbar, aber in seinem permanenten Grinsen war ihm der Spaß anzusehen.

Meist sucht er Kontakt zu seinem Rhythmuspartner Ronald Jonker, der neben Popovic wie ein zweiter Frontmann agiert und immer wieder Ansagen übernimmt. Mit seinem kraftvollen Stageacting brachte er auch viel Präsenz mit und feuerte immer wieder das Publikum an. Sogar ein Solo war ihm vergönnt, bei welchem er einige Rockklassiker rein auf den vier Saiten intonierte. Immer wieder solistisch kam die Italienfraktion zum Zug, die ihre Beiträge sehr schön in die Kompositionen einfügte. Michele Papadia entlockte seinem Nord-Synthesizer sowohl tolle Hammond – wie auch Pinoparts. Giovagnioli und Ghidoni durften sich ebenfalls öfter in Szene setzen, speziell wie sie im Hendrix-Cover die Leads übernahmen wusste zu gefallen.

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Doch es war keinesfalls ein Schaulaufen von überzogenen Egos, denn es war vor allem das Zusammenspiel, mit dem die Formation begeisterte. Gerade bei den Soli spielten sich die Jungs nebst Frontdame die Parts schön zu, wobei sie auch im Grundsound sehr tight agierten. Man merkte ihnen schon die lange Zusammenarbeit an, vieles wirkte sehr sicher, so dass man sich auch das ein oder andere Mätzchen erlauben konnte. Dadurch sah man ihnen die enge Bindung auch optisch an, immer wieder scherzten die Musiker miteinander. Auch bei den Backgroundchören gaben sie der guten Ana immer wieder die passende Unterstützung.

Dieses Mal stand das aktuelle Album noch mehr als bei der letzten Show im Vordergrund, wenngleich auch im Ducsaal „Can You Stand The Heat“ von 2013 den Auftakt bestritt. Doch ältere Nummern gab es noch seltener, auch „Navajo Moon“ musste dieses Mal im Schrank bleiben, man merkte ANA POPOVIC den Stolz auf das Werk an, wenn sie davon erzählte. Doch das begeisterungsfähige Publikum nahm den Fokus auf das neue Material gerne an, und feierte die große Blondine und ihre Jungs gebührend ab. In den fast zwei Stunden bewies sie erneut, dass sie in der aktuellen Bluesszene ein Wörtchen mitzureden hat und vor allem mit ihrer funkigen Note ein paar Facetten hinzufügen kann. (Pfälzer)

Setlist ANA POPOVIC:
Ana´s Shuffle
Can You Stand The Heat
Object Of Obsession
Love You Tonight
Every Kinda People
She Was The Doorman
Long Road Down
Johnnie Ray
New Coat Of Paint
Waiting On You
If Tomorrow Was Today
Fencewalk
How´d You Learn To Shake It Like That?
Show Me How Strong You Are/Crosstown Traffic
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