lunaticsoul fracturedDer 21. Februar 2016 wird Mariusz Duda auf ewig ins Gedächtnis gebrannt sein, an jenem Tag verstarb sein Freund und Bandkollege Pjotr Grudzinski völlig unerwartet im Alter von 40 Jahren. Zuerst wie bei ich und RIVERSIDE Schockstarre angesagt, bevor man sich entschied, das lange geplante Ambientprojekt zu vollenden und unter „Eye Of The Sounscape“ zu veröffentlichen. Der Wille war da weiterzumachen, und im letzten Frühjahr trat die Band mit Gastgitarristen auch wieder auf. In der langen Pause ruhte auch Dudas Seitenprojekt LUNATIC SOUL, welches schon länger ein zweites Standbein für den Sänger und Bassisten darstellt. Nach den erfolgreichen Konzerten seiner Hauptformation ging er daran, seine gesammelten Ideen dafür zu Songs zusammen zu bauen. Bisher konnte der Pole hier experimenteller zu Werke gehen, umso interessanter dürfte sein, wohin die Reise mit „Fractured“ hingeht.

Schon mit dem ersten Hördurchlauf wird klar, dass die Ereignisse der letzten eineinhalb Jahre ihre Spuren hinterlassen haben. Natürlich ist der Tod des Freundes und musikalischen Weggefährten nach wie vor allgegenwärtig, was sich sowohl in den Texten als auch in der bedrückenden Melancholie ausdrückt. Natürlich schwebte ein Hauch des Traurigen seit jeher über dem Werk von Duda, doch gerade der Vorgänger, sowie die letzte RIVERSIDE-Scheibe ließen immer wieder Hoffnungsschimmer durchscheinen. Hier geht es wieder entrückter zu wie auf den ersten Scheiben der Zweitband.

Und auch die elektronischen Spielereien, mit denen er flirtete, kommen hier deutlich mehr zur Geltung, so manches hätte auch auf „Eye Of The Soundscape“ stehen können. Was sich ebenso immer durch das Schaffen des Polen zieht, ist diese ungeheure Spannung. Jenes ätherische Element, das mit den sehr feinen Arrangements erzeugt wird, begleitet den Hörer stets.
Normalerweise nehmen ja pluckernde Computerbeats diese heraus, doch das besondere an „Fractured“ ist, dass diese dafür sorgen, dass die Spannung intensiviert wird. In den unsäglichen Neunzigern wurden Stimmen laut, dass die intelligenteste Musik aus dem Computer käme. Das kann sogar zutreffen, nur verkam das Erbe von KRAFTWERK und TANGERINE DREAM damals zur Karikatur.

Verspielt geht es in „Blood On The Tightrope“ los, bevor Sequenzer die Marschrichtung vorgeben, oft schweben nur einzelne Töne durch den Raum. Vieles klingt auch nach Drum´n´Bass, etwa in Stücken wie „Anymore“ und „Moving On“, die allerdings sehr spartanisch arrangiert sind, um den Melodien und der Atmosphäre genügend Raum zu lassen. Immer wieder ziehen Synthesizerschwaden vorbei, wie Wolken am Horizont, irgendwie gespenstisch und dennoch präsent. Das hat etwas von „Era One“, dem Ambientprojekt von SAMAEL, wobei die Schweizer von der Grundstimmung deutlich fordernder zu Werke gehen.

Der Opener wird zum Ende hin organischer, lässt noch mehr Wärme zu, das Piano fügt schöne Momente hinzu. Ebenso betörend ist natürlich wieder Dudas Gesang, der stets von einer ungeheuren Intensität geprägt wird. Auch sein Bassspiel ist archetypisch, mittlerweile sein Markenzeichen und verleiht eben diesen hohen Wiederkennungswert. Dazu gesellen sich weitere Zutaten wie Synthsoli oder das Saxophon des schon von RIVERSIDE bekannten Marcin Odyniec in einigen Liedern. Dabei unterstützt dieses eher die Sphärik, der jazzige Ausflug im flirrenden Titelsong kommt ohne dessen Klangfarbe aus.

Am ehesten erinnern „Crumbling Teeth And Owl Eyes“ und „A Thousand Shards Of Heaven“ an seine eigene Vergangenheit im Art Rock. Diese Longtracks leben von dem Spiel mit der Dynamik, die fast bedrückend langsam an – und abschwellen gelassen wird. Hier darf wieder in den Melodien geschwelgt werden, die von geisterhaften Chören unterstützt werden.
Dazu hat man noch mit dem Sinfonietta Consonus Orchestra zusammen gearbeitet, und auch eine Gitarre bringt ein paar Leadfills mit ein. Trotz aller Reminiszenzen an seine bisherige Arbeit fügen sich die beiden Nummern sehr gut in das dichte „Fractured“ ein. Das zeigt, wie sich Mariusz Duda trotz aller Schicksalsschläge und Neuerfindungen seiner Vision folgt. (Pfälzer)



Bewertung:

Pfaelzer8,0 8 / 10


Anzahl der Songs: 8
Spielzeit: 55:44 min
Label: KScope/Edel
Veröffentlichungstermin: 06.10.2017

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