heat intothegreatunknownWie lange kann man als Newcomer den Markt auf ein neues Output warten lassen, ohne Gefahr zu laufen, in Vergessenheit zu geraten. Die schwedische Hair Metalhoffnung wird sich diese Frage in naher Zukunft stellen müssen, denn sie ließ dreieinhalb Jahre seit dem letzten Studiodreher ins Land ziehen, und auch „Live In London“ hat schon zweieinhalb Jahre auf dem Buckel. In der Zwischenzeit war Problembewältigung angesagt, sowohl persönlich als auch intern. Gerade als man das bewährte Line-Up nach dem Wiedereinstieg von Gitarrist Dave Dalone (aka Sky Davids) wieder zusammen wähnte, verließ sein Axtpartner Eric Rivers die Formation. Nun wollen „H.E.A.T. aber endlich durchstarten, mit ihren bisherigen vier Scheiben konnte man sich an die Spitze der jungen Garde spielen. Wohin die Reise geht, kann keiner sagen, weswegen der Titel „Into The Great Unknown“ sicher bewusst gewählt wurde.

Ein paar Sekunden, ein paar verhallte Gesangsstimmen und dann geht es los, die riffrockende Schlagseite, die schon auf dem letzten Longplayer auftauchte, treibt auch “Bastard Of Society“ mächtig vor sich her. Über eine knallige Bridge eröffnet sich im Refrain ein Inferno aus Chören, spritzigen Arrangements, wilder Soli und ungezügelter Power. Ein idealer Opener, auch für die anstehen Liveauftritte, der alle Trademarks der Band in sich vereint.
Doch die Euphorie währt nur kurz, denn am Horizont des Coverpaintings ziehen in Form von „Redefined“ die ersten Wolken auf. Dabei können sich die atmosphärischen Drumfills und kurzen Licks über den Achtzigerkeyboards durchaus sehen lassen, doch mir sind das ein paar zu viele programmierte Rhythmusspuren. Dass man mit dem Pop des in ihrer Musik vorherrschenden Jahrzehnts noch direkter flirten kann, beweist „Time On Our Side“, dessen getragener Chorus sehr stark an ULTRAVOX erinnert.

In den Kitschtopf langten H.E.A.T. ja bekanntlich schon immer mit vollen Händen hinein, aber hier wird es streckenweise übertrieben. „Blind Leads The Blind“ ist vor allem aufgrund des Spiels von Schlagzeuger Crash ein schön treibender Rocker, doch der Refrain fällt hier zu glatt aus, wie auch die gesamte Produktion. Die Scheibe wurde in Thailand aufgenommen und so mancher Quietschesound lässt zur Vermutung kommen, dass man damit auf den asiatischen Markt schielt. Ansatzweise schlimm wird es nur beim pumpenden „Do You Want It?“. Die Bridge hat eine seltsam symphonische Note, dazu ist die Stimme von Erik Grönwall extrem hoch, oder singt da eine Frau, die Credits geben jedenfalls keinen Aufschluss darüber. Ein Rätsel was das Intermezzo sein soll, NIGHTWISH-Anbiederung oder Lady Gaga-Verarsche?

Zum Glück hat man sich bei den beiden Balladen auf das wesentliche beschränkt und sie nicht mit Zuckerguss überladen. Doch weder das atmosphärisch weite „Eye Of The Storm“ noch das vom Piano geführte „We Rule“ können ganz an den genialen Titeltrack von „Tearing Down The Walls“ heran reichen. Dazu vermisst man auf „Into The Great Unknown“ ein paar mehr geradlinig rockende Stücke wie das schwere „Shit City“ oder das mit E-Piano groovende „Best Of The Broken“, welches „A Shot At Redemption“ vom Vorgänger weiter führt.
Man muss den Jungs aber zugutehalten, dass sie versucht haben, etwas Neues auszuprobieren, schon auf dem letzten Album wurde man ein Stück weit erwachsener. Und mit dem ebenso symphonisch angelegten, titelgebenden Longtrack am Ende zeigen sie, dass auf diese Weise auch große Songs gelingen können. Mit den Synthiepartituren im Soloteil knüpfen sie an die Neo Prog-Ausflüge von EUROPE auf „Last Look At Eden“ an. Damit lässt man auch die weitere Zukunft offen, ob diese Scheibe ein Schritt in die richtige Richtung war, wird sich noch zeigen müssen. (Pfälzer)


Bewertung:

Pfaelzer7,0 7 / 10


Anzahl der Songs: 10
Spielzeit: 44:49 min
Label: ear Music
Veröffentlichungstermin: 22.09.2017

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