Jedes Jahr Ende Juni verwandelt sich das kleine Städtchen Balingen im Schwabenländle zum Metal Mekka für Headbanger aus allen Nationen. Die betont rockige, melodische und vor allem nostalgische Ausrichtung des Festivals wurde 2006 noch ein ganzes Stück weiter getrieben, in dem man Bands wie WHITESNAKE und FOREIGNER engagierte. Den Gegenpol leisteten Bands wie IN FLAMES und UNLEASHED.
Wie jedes Jahr ein absolutes Festival Highlight, neben dem es aufgrund seiner musikalischen Ausrichtung kein Zweites gibt.

Bernie war vor Ort, um für euch zu berichten.


Freitag, 23.Juni


Hellfueled
Zu nachtschlafender Zeit, kurz nach Übergabe der Essenreste hinters Zelt begann der lustige Reigen nun mit den hochgelobten „Newcomern“ HELLFUELED. Die Schweden sorgten sich nicht um die frühe Spielzeit und legten gleich ordentlich mit einer Ladung Rock’n Roll los, um den alkoholgeschädigten Bangern den Sand aus den Augen zu pfeffern.
Absolut beeindruckend, dass Sänger Andy mehr nach Ozzy klingt, als der Altehrwürdige selbst heutzutage. Glücklicherweise sieht er nicht auch so aus *räusper*. Wissend, dass auch in Germany Metaller gern ma einen zischen, fragt Andy das Publikum „Have you started drinking yet?“ und erntet von den meisten ein selbstverständliches „Wir haben gar nicht aufgehört“. HELLFUELED legen einen astreinen Auftritt hin und wecken Balingen mit ihren fetten Riffs für spätere Taten gut auf. Zum Abschluss wird noch der Hit „Midnight lady“ (etwas seltsam klingend um 10:30 morgens) gezockt und brav mitgesungen. Gelungener Wachruf.



Communic
Von den einen hochgelobten Newcomern zu den anderen aus dem Nachbarland Norwegen. Als Ersatz für EXODUS betraten nun COMMUNIC die Bühne des Geschehens, um sich vor den Skeptikern zu bewehren. Das komplexe Material des Trios ist nicht von schlechten Eltern und bedarf einiges an Können in der Live-Umsetzung, was aber für COMMUNIC kein wirkliches Problem darstellte. Etwas statisch war die Performance zwar (ein bisschen mehr Bewegung müsste mit zwei Mann vorne schon sein), weil sich Odleif meist hinter dem Mikro befand. Aber trotz allem sind die Norweger einfach eine Macht. Man wünscht sich zwar desöfteren eine zweite Klampfe auf die Bühne um noch mehr Druck zu haben, aber auch als Trio wurden die komplexen Songs gut umgesetzt. Und wenn NEVERMORE keine SANCTUARY Songs mehr spielen, dann müssen das halt COMMUNIC mit ihrem eigenen Material erledigen. Schönes Ding.



Leatherwolf
Nachdem sich die alten Haudegen LEATHERWOLF nach 7 jähriger Abstinenz mit dem starken neuen Album „World asylum“ zurück gemeldet hatten, durfte man nun auf den ersten großen Auftritt in deutschen Landen seit langem hoffen. Vor allem Neu-Sänger Wade Black, ehemals bekannt durch CRIMSON GLORY und SEVEN WITCHES, zog einiges an Interesse auf sich. Es dürfte wohl niemand ernsthaft behaupten, dass Wade Black NICHT zu einen der besten Metalsänger zählt, die auf diesem Planeten wandeln. Der Mann hat’s einfach so was von drauf und überzeugte in Balingen mit seiner fiesen, dreckigen Stimme voll und ganz. In Sachen Bühnenperformance gab’s auch nichts zu meckern, genug Bewegung und Spielfreude von der Mannschaft. Diesen Auftritt können die Amis als Erfolg abhaken. Hoffentlich bleibt der Lederwolf jetzt mal etwas länger, in dieser Formation kann man noch einiges erwarten.



Flotsam & Jetsam
FLOTSAM & JETSAM live in Deutschland??? Das ich das noch erleben darf… Wie oft waren die Kult Thrasher im Lande? Einmal? Zweimal? Ich weiß es ehrlich nicht! Umso mehr Freude kann man dem Publikum anmerken, dass sie tatsächlich gleich Flotsam & Jetsam sehen werden!! Jeah!
Angefangen mit dem Knaller „Hammerhead“ beginnt ein Hammer Set, ausgerichtet an hauptsächlich alten Songs, darunter ein unglaublich göttliches „No place for disgrace“… da kullern die Freudentränen! Die Band, bis auf die Gitarre links (wer auch immer das nun sein mag nach dem ganzen Line Up Hick Hack) ist stets in Bewegung, allen voran der göttliche Eric A.K. einer der besten Speed Metal Sänger dies gibt. Heute hat er allerdings mit schweren Stimmproblemen zu kämpfen, greift sich desöfteren an seinen Kehlkopf und entschuldigt sich, dass er heute nicht so arg fit ist. Trotz allem ist der Mann einfach ein Sangesgott und lässt sich nicht abhalten, die ganz hohen Schreie wenigstens zu probieren. Bei „Escape from within“ schnürt es ihm dann doch ganz schön die Kehle zu. Das Publikum ist vollends begeistert und man kann die Reaktionen zu FLOTSAM & JETSAM sogar mit denen für DEATH ANGEL vor zwei Jahren vergleichen. Euphorie pur, die die Band völlig verdient genießen darf, dementsprechend überwältigt sieht man die Jungs auch auf der Bühne. Leute, macht bitte wieder eine Speed/Thrash Metal Platte, ihr könnt es doch!!
Einen etwas faden Nachgeschmack hinterlässt allerdings das BLACK SABBATH Cover zum Schluss, das zwar nett anzuhören ist, aber den Drive nimmt und vor allem Songs wie „Doomsday“ oder „Iron tears“ den Platz stiehlt, die die Menge zur völligen Ekstase gebracht hätte. Völlig unverständliche Entscheidung.
Trotzdem, FLOTSAM & JETSAM müssen einfach auch wieder auf CD zu alter Stärke zurück finden, wo sie live schon wieder so weit sind! Jungs, bitte kommt bald wieder!



Aufgrund immer stärkerer Hitze, vier schweißtreibenden Bands und unbändigem Hunger mussten VENGEANCE und RAVEN leider für mich ausfallen. Das nächste Mal.

John Oliva’s Pain
Wer braucht bitte SAVATAGE… Wann waren SAVATAGE das letzte Mal so fantastisch und atemberaubend wie JOHN OLIVA’S PAIN?? Zak Stevens ist ein sehr guter Sänger und hat eine lange Zeit die Amis geprägt und auch Toursänger Damond Jiniya machte live einen guten Eindruck. Es gibt aber nur einen einzigen Mann, der den Spirit der Legende gerecht verkörpert, bis in die letzte Faser seines unfassbar voluminösen Körpers, und das ist Mister John Oliva!
„Sirens“, „Agony and ecstasy“ und vieles, vieles mehr sind Heavy Metal Klassiker die nur er singen kann und darf. Und er tut es mit einer Stimme, die seinesgleichen sucht. Rauh, rotzig, dreckig und doch zeitweise weich und verletzlich, der Mountain King ist einmalig. Die Songs der neuen Band reihen sich perfekt in die Riege der Klassiker mit ein. Viel Lobhudelei hat man gehört nach Auftritten auf dem Rock Hard Festival und anderen, so dass es zeitweise fast schon nach einem Hype klang. Weit gefehlt. Jegliches Lob und Verbeugung vor dieser Gestalt ist gerechtfertigt, man muss es selbst erlebt haben.
Dass Mr. Oliva immer mehr an Masse gewinnt, rapide, schlägt sich glücklicherweise nicht auf seine Stimme nieder. Schade, dass er durch sein Keyboard zu sehr eingeschränkt ist, um sich mehr zu bewegen und in näheren Kontakt zu den Fans zu treten, die den kompletten Gig lang völlig euphorisch waren und bei „Hall of the mountain king“ dann endgültig der Vernunft den Laufpass gaben. Ein Wahnsinnsauftritt.



Death Angel
2004 war DAS Jahr für DEATH ANGEL, überall wo sie auftraten, hinterließen sie verbrannte Erde und offene Münder. Niemand kam an die Energie und die Leidenschaft der Bay Area Thrasher heran. Damals stand bei dem Auftritt der Band Balingen Kopf und es hallten bis abends noch „Death Angel“ Rufe übers Gelände. Die Veranstalter sahen das als Aufforderung und gingen dieser gerne nach. 2006 durften DEATH ANGEL weitaus später mit längerer Spielzeit auf die Bühne und das Bild war das gleiche wie zwei Jahre zuvor. Arme nachfolgende Bands, es soll schwer sein, auf einer abgerissenen Bühne eine vernünftige Show zu reißen. Denn genau das taten die Philipino Amis, die Bühne komplett nieder reißen. Ob nun Songs vom letzten Album „The art of dying“ oder älteres Kaliber von „The Ultra-violence“ oder „Act III“ DEATH ANGEL haben kein schlechtes Material. Was hier auf der Bühne eine Energie freigesetzt wird, da können sich tausende Bands eine dicke Scheibe von abschneiden. Sänger Mark Osegueda sammelt Kilometergeld noch und nöcher, ist ständig in Bewegung und schreit sich die Seele aus dem Leib, das man meinen könnte, ihm würden die Stimmbänder rauspfeffern. Dass die Jungs nicht nur untereinander verwandt, sondern auch dicke Kumpels sind, sieht man ihnen auf der Bühne deutlich an. Der wichtigste Punkt ist aber, dass sie genau diesen Spaß auf das Publikum übertragen können, welches ihn nur zu gerne aufnimmt. An DEATH ANGEL Live heran zu kommen ist ein heilloses Unterfangen, bow down for the one!



Helloween
Mit HELLOWEEN folgte dann das Kontrastprogramm schlechthin. Die Bühne wurde komplett mit einem riesigen Banner ausgestattet, mehrere Aufsteller bedeckten nun die Boxen, später wurden noch riesige Kürbisse aufgeblasen. Happy, happy Helloween.
Recht dynamisch fingen die Kürbisköpfe mit neueren Stücken an und arbeiteten sich dann langsam durch den gesamten Backkatalog durch. Gitarrero Michael Weikath fiel besonders auf in schwarzem Sack und mit einer Mundakrobatik, die man vorher wohl noch nicht gesehen hat (ich verweise hier auf die Galerie). Frauenschwarm Sascha Gerstner machte irgendwie nicht so den Eindruck, als wäre es seine Bestimmung in diesem Moment auf der Bühne zu stehen. Dafür machte Basser Markus Grosskopf alle Seltsamkeiten seiner Mitstreiter alleine mit seiner Spielfreude wett.
Sänger Andi Deris wird wohl immer das Problemkind der Band bleiben. Seine Live Performance an sich war durchaus gut, nur soll er doch besser die Finger von den Kiske Songs lassen. Die hohen Töne, von denen es verdammt viele in den alten Songs gibt, klingen in den Ohren wie das Kratzen mit den Fingernägeln auf einer Tafel. „Eagle fly free“, „Future world“, grauenvoll. Viele Fans sahen das genauso und machten sich auf den Weg zum Campingplatz. Meine Wenigkeit eingeschlossen.
Das Post-Kiske Material wird niemals an diese Ära herankommen, aber trotzdem hat die Band mit Deris ein paar sehr gute Alben veröffentlicht („Better than raw“ oder „The time of the oath“), wäre es da sooo schlimm, dabei zu bleiben anstatt die alten Klassiker auf diese fiese Art und Weise zu versauen? Ein zweischneidiges Schwert. Vielleicht hatte Herr Deris auch nur einen sehr schlechten Tag erwischt, dann soll es ihm verziehen sein. Einige Tausend hatten trotzdem ihren Spaß, vor allem als gen Ende Ex-BLACK SABBATH Sänger Tony Martin, der am Vortag die Clubshow bestritt, einen alten BS Klassiker mit der Band zockte. Der HELLOWEEN Auftritt lässt einen faden Nachgeschmack im Mund zurück.



FOREIGNER mussten leider wegen chronischem Desinteresse und beginnender Trunken… äh Müdigkeit ausfallen, es wurde mir aber gesagt, dass die Altrocker einen super Gig lieferten um ihre World Hits „Cold as ice“ und „I wanna know what love is“ herum. Sei akzeptiert.

In Flames
Mit IN FLAMES trat nun seit SLAYER die umstrittenste Band als Headliner des Freitags auf. Viele Stimmen behaupten, dass diese Bands als Headliner einfach zu hart für Balingen sind. Deshalb hatten sich auch relativ wenige Metaller dazu bemüht, sich die letzte Band des Freitags anzuschauen. „Wenig“ ist hier natürlich im Vergleich mit Headlinern der Vorjahre zu sehen.
So weit vom Ursprung, wie sich IN FLAMES wegbewegt haben, so viele alte Fans hat die Band auch verloren. Durch die kontroversen, aber in der Presse über den grünen Klee gelobten letzten Alben hat man aber auch sehr viel junges, trendiges Publikum dazu gewonnen, das sich umso mehr freut, ihre Helden live zu sehen. Man kann sogar vermehrt junge, tanzende Frauen ausmachen, die sich bei Songs wie „Quiet place“ oder „Take this life“ ekstatisch im Takt bewegen. Die alten Fans wurden zumindest mit „Behind space“ und „Moonshield“ versorgt.
Das Problem bei IN FLAMES für viele alten Fans ist und bleibt Sänger Anders Friden. Der Mann ist mit einer wirklich guten Stimme gesegnet, die einmal schwedischen Melodic Death Metal in Reinkultur verkörperte. Wenn dann der gleiche Sänger, der „Jester Race“ und „Whoracle“ eingesungen hat, beginnt, sich in Jonathan Davis den 2ten (KORN) zu verwandeln, dann hört der Spaß schnell auf. Wer die Parallelen (die sich in keinster Weise in der Musik niederschlagen, nur um das ganz klar zu stellen) von Friden zu Davis immer noch nicht sieht, dem kann nicht mehr geholfen werden. Der Wechsel von weinerlichem, dünnen Gewimmer und dem fiesen Kreischen wurde nun mal von KORN geprägt und es ist mehr als eindeutig, dass sich Friden daran orientiert. Sich selbst zu umarmen und psychotisch auf und ab zu springen sind auch adoptierte Charakteristika, die sehr an die NuMetal Inventoren erinnern. Wer IN FLAMES immer noch an der Spitze des melodischen Death Metals sieht, der sei gesegnet, jeder hat seinen Geschmack. Die Anleihen an Jonathan Davis zu leugnen ist allerdings mehr als lächerlich!!! Und über den altbekannten Auswurf, bei dem jedem Death Metaller vor Zorn der Schädel platzt, „Jump da fuck up“ sage ich jetzt nichts, aber überhaupt nichts, so als Death Metaller…
Und zu behaupten, dass Schweden am Folgetag haushoch gegen Deutschland gewinnen würde stellte sich auch als nicht so rosige Idee dar, weshalb Herr Friden später auch seine Aussage etwas relativierte…
What shallt, mit einer sehr beeindruckenden Lightshow, die beste des Festivals, und einer musikalisch völlig einwandfreien Performance mit glasklarem Sound muss man IN FLAMES zugestehen, dass sie eine verdammt gute Live Band sind. Holzen können sie auch immer noch, auch wenn der Kontext nun ein völlig anderer ist. Entweder man schreibt IN FLAMES für immer ab, trauernd um diese ehemals geile, prägende Band, oder man mag die neue Ausrichtung seit „Clayman“ und erfreut sich einfach an einer sehr guten Performance.



Samstag, 24.Juni


Powerwolf
”Jetzt wird es blutrünstig...” kann man von dem immer wieder gern gehörten, wortgewandten und allseits beliebten Ansagemeister des BYH hören. POWERWOLF hatten die schwierige Aufgabe, um 10:00 mitten in der hellen Nacht den Bangern die Müdigkeit zu vertreiben. Kurz vor Showbeginn fanden sich allerdings noch enttäuschend wenige Langhaarige (oder Kurzhaarige, ich bitte um Entschuldigung ;-)) vor der Bühne. Doch nach Beginn der ersten Takte änderte sich dies schlagartig. Die fünf „uniformierten“ Jungs um Sänger Attila Dorn (selbstverständlich ausgebildeter Opernsänger aus Rumänien! Wer was anderes behauptet gehört gebissen!) machten ein sehr gutes Bild auf der BYH Bühne und zeigten, dass man auch früh morgens schon verdammt geil rocken kann. Die Songs von ihrem Debutalbum „Return in bloodred“, besonders der Hit „The Kiss of the Cobra king“ oder „Mr. Sinister“ sind wahrlich nicht von schlechten Eltern und wurden zu Hauf von den paar hundert Fans mitgesungen. Sänger Dorn litt nach eigener Aussage an einer „Verkältung“ und hatte zeitweise ein paar Probleme mit den höchsten Tönen, machte aber seine Sache sehr gut. Vor allem seine Kontaktfreudigkeit mit den Fans ist ihm sehr hoch anzurechnen, hielt er sich doch fast ständig auf dem Steg direkt beim Publikum auf. Dass er doch ein paar Male nach hinten gehen musste lag auch mal daran, dass der pfündige Rumäne ein leichtes Gedächtnis hatte: „And the next soooooong… muss ich gucken“ was zu allgemeiner Heiterkeit führte. Dass die Wölfe auch sonst einen Heidenspaß an ihrer Sache haben, bewiesen sie, indem sie den Powerwolf, ihr Markenzeichen, auf die Bühne brachten, der für viele grinsende Gesichter sorgte (Galerie). Die sehr gute und für die frühe Zeit überraschend laute Resonanz der Fans hatten sich die True Metaller absolut verdient. Einen besseren Weckruf konnte man sich kaum vorstellen. Immer wieder gerne heult man mit dem POWERWOLF.



Anvil
Wie lange gibt es ANVIL nun schon? 40 Jahre? Ein Urgestein des Heavy Metals, das einfach nicht tot zu kriegen ist. Seit über 20 Jahren werden nun Alben veröffentlicht, jeder kennt sie, und doch haben es ANVIL bisher nicht geschafft später als die zweite Band auf einem Festival zu spielen. Schade eigentlich, denn die Truppe um Frontmann Lips ist einfach Old School as fuck! Lips ist einfach ein kauziger Typ, wenn auch beileibe nicht der beste Sänger. Geplagt von einer schwachen Stimme (könnte es vielleicht daran liegen, dass Lips stramm wie zehn Matrosen war? ;-)) rotzten die Kanadier Old School Perlen wie „Forged in fire“ und das obligatorische und viel gewünschte „Metal on metal“ runter. Die musikalisch nicht perfekte Performance interessiert hier keine Sau, ANVIL sind einfach Kult! „Der Song ist von 1981, als wir alle noch viel mehr Haare hatten“ und andere kessen Sprüche und Witzigkeiten tragen definitiv zu dem Status bei. Der Vibrator wurde übrigens für dieses Jahr nicht ausgepackt, Lips hatte sich überlegt, dass man die Tonabnehmer der Gitarre doch auch wunderbar als Mikrofon benutzen könnte. Gedacht, getan stand der alte Kanadier auf der Bühne und sang über seine Klampfe. ANVIL sind einfach die Sympathiebolzen schlechthin und machen tierisch Spaß. Und das ist das Wichtigste.



VICTORY und COUNT RAVEN mussten leider ausfallen, da es zu der Zeit schon so brütend heiß war, dass man gut daran tat sich unter ein Sonnendach zu begeben und ein Kaltgetränk zu sich zu nehmen. Und zu grillen, lecker.

Unleashed
Nach der Absage von EXODUS blieben für die Härtnerfans nur noch UNLEASHED übrig, um sich das Haarteil wegfönen zu lassen. Als einzige wirkliche Death Metal Band hatten die Schweden natürlich ein leichtes Spiel bei den Fans, die so lange auf ordentlichen Druck, Geschwindigkeit und brutale Härte warten mussten. Entsprechend ausgehungert warf sich das Publikum auf die Beute und bereiteten UNLEASHED ein sehr herzliches Willkommen. Was nach DEATH ANGEL mühsam wieder aufgebaut wurde, fegten UNLEASHED mit einem Zug wieder weg. Gegen den „Death Metal Victory“ hat niemand eine wirkliche Chance.
Dass auch ein Wikinger wie Johny Hedlund ne Menge Spaß inne Backen hat konnte man an seinen Ansagen merken, bei ungefähr 180Grad Celsius im Schatten, in der prallen, brütenden Mittagssonne fragte der Hüne leicht und locker: „You guys are freezing here?“ um den Knaller „Winterland“ vom letzten Album anzusagen. Auf die Zurufe aus dem Publikum nach „The Longships are coming“ kam nur die Antwort: „No, we won’t play Longships today… and now, the longships are coming“. Ein freches Kerlchen, der Herr Hedlund.
Auch ein Song des im September erscheinenden Albums wurde gespielt, der sich nahtlos in die Klassiker der Bandgeschichte einreihen wird. Bitter nötige Death Metal Gewalt hämmerte auf Balingen nieder und hinterließ zerstörte Landschaften und gleichsam glückliche Gesichter. UNLEASHED sind eine Macht!



Armored Saint
Auch wenn ANTHRAX mit ihrer Reunion Tour sehr gut fahren und die Hallen füllen, niemand, aber auch wirklich niemand kommt an das Charisma und die Live-Intensität eines Jon Bush heran!
Wahnsinnsstimme, Wahnsinnsaustrahlung! Schon beim ersten Song schwitzt der quirlige kleine Springball aus allen Löchern während er über die Bühne wetzt. Wahnsinn, welche Energie dieser Kerl versprüht. Gesanglich auf dem absolut höchsten Level waren Perlen wie „Reign of fire“ oder „Pay dirt“ eine wahre Pracht. Dass sich ARMORED SAINT live sehr rar machen, hat auch seinen Vorteil, umso mehr gehen die Musiker aus sich heraus, wenn es mal zu einer Show kommt. Phil Sandoval und Joey Vera übten sich in den verrücktesten Posen und ließen so richtig die Sau raus. Als wollte man den Kumpanen von ANTHRAX zeigen: „Schaut uns an, wir können es besser!“. Der Ärger von John Bush richtete sich aber keineswegs gegen seine ehemaligen Kollegen sondern sehr intensiv an seinen Namensvetter im Weißen Haus, dem er nicht nur einmal öffentlich die Meinung geigte und damit auf offene Ohren stieß. Mit „Warzone“, dass damals während des ersten Irak Krieges geschrieben wurde baute er thematisch die Brücke zwischen 1991 und 2006.
Ein Riesen Pluspunkt sammelte der Kreisch-King auch mit seinem Deutschlandtrikot und den Schätzungen, dass Deutschland wohl Weltmeister wird *g*, hoffen wir, dass er damit Recht hat…
ARMORED SAINT können gar nicht schlecht performen, ich glaube dafür fehlen ihnen die Enzyme. Sehr geil!



Nach zwei Bands in glühender Hitze mussten PRETTy MAIDS leider ausfallen und „Back to back“ von weitem genossen werden. Y&T und RIK EMMET hatten die Arschkarte des Festivals gezogen und fielen genau in die Zeit des Achtelfinalspiels Deutschland vs. Schweden. Der Fußball Nationalstolz und die Euphorie über die Nationalmannschaft zog dann ein paar tausend ins proppevolle Partyzelt, wo man sich auf großer Leinwand über das grandiose Schlachtfest erfreuen konnte… „Ihr seid nur ein Möbel-Lieferant…“ *sing*



Die Freude über den Sieg trieb mich dann eher zum nächsten Bier, als zu den immer gleichen STRATOVARIUS, was ich im Nachhinein ein klein wenig bereue, aber man braucht seine Pausen, wenn man über ein ganzes Festivals berichtet.

Whitesnake
STRATOVARIUS schienen die Meute gut angeheizt zu haben, denn im Gegensatz zum Vortag um die Zeit war das Gelände wirklich sehr gut gefüllt um die Hardrock Legende WHITESNAKE zu bewundern. Doch so einfach wie gedacht war das gar nicht. „Ihr werdet abgeholt“ hieß es im Fotograben, Auflage des Headliners, erst nach Kommando durfte man sich vor der Bühne platzieren. Kein Problem soweit, dann wart ich noch kurz, ist ja nicht mehr lang…
10 Minuten… 15 Minuten… 20 Minuten…eine leere Bühne und laut buhendes Publikum… nach 25 Minuten kam dann ein weiterer Fotograf aus dem Backstage Bereich, uns Augen rollend mitzuteilen, Mr.Coverdale sei nun vor Ort, man könne beginnen. Weitere 5 Minuten später ging’s dann auch los. Und wie. Also was der alte Kerl auf der Bühne riss muss ihm erst mal einer nachmachen, ein Elan und eine Kraft, mit der die alten Gassenhauer hier gespielt wurden, wie man sie nicht erwartet hätte. Eine wirklich geile Performance von allen Beteiligten, die eigentlich nichts zu wünschen übrig ließ, eigentlich…
Denn nach dem zweiten Song entschuldigte sich Mr. Coverdale erstmal für seine Verspätung, es hätte sich um Equipment Probleme gehandelt, er sei schließlich kein Axl Rose (zur Info: einen Tag zuvor auf dem Graspop Metal Meeting ließ besagter Herr Rose seine Fans eine ganze Stunde warten!!), wofür er berstenden Applaus einheimste. Wer nun Recht hat und wer für die 30 Minuten Verspätung wirklich verantwortlich waren wird sich wohl nie offiziell klären. Was soll’s die Show der beinharten Profis war der Hammer. Frage ist nur, warum man, wenn man eh nur noch eine Stunde Spielzeit zur Verfügung hat, unbedingt ganze 20 Minuten Soli abziehen muss, anstatt das ganze runter zu kürzen und ein, zwei Songs mehr spielt. Ok, sowohl Doug Aldritch als auch Reb Beach an den Gitarren gehören zu den Besten ihrer Zunft und ihre Soli waren mehr als nur hörenswert. Auch das Drumsolo von Tommy Aldridge war nicht von schlechten Eltern, aber von knapp 70 Minuten verbleibender Spielzeit 20 Minuten dafür zu beanschlagen, zeugt von wenig Flexibilität. Kurz nach Ende der Soli Session meinte Mr. Coverdale dann noch, sie hätten ja nicht mehr viel Zeit, die „fucking fireworks“ würden ja auch gleich beginnen, und beendete nach einem weiteren Song sein Set abrupt und vor der Zeit.
Trotzdem wurden die meisten WHITESNAKE Fans wohl durchaus befriedigt und wenn man sich das Getümmel im Fotograben angeschaut hat, waren da so einige versteckte Fans unter den Musikern. LEATHERWOLF Sänger Wade Black kauerte mit Freudentränen in den Augen wie ein kleines Kind mit seiner Digicam zwischen den Fotografen und freute sich, als würde er den Weihnachtsmann sehen. Beim Verlassen des Grabens fielen dann zwei nordische Hünen auf, die sich als UNLEASHED Johny Hedlund und Gitarrist Fredrik entpuppten, tanzend zu den Hardrock Perlen ihrer Jugend. Ein Bild für die Götter!



Von einem Unwetter wie im letzten Jahr blieb Balingen 2006 gottlob verschont. Ein Minuspunkt geht hier mal wieder an die falschen Aussagen bezüglich Campingöffnungszeiten, die natürlich NICHT erst um 12 Uhr öffnen, sonder um einiges früher. Wenn man nach 15 Uhr anreisen muss, dann darf man einen ordentlichen Weg auf sich nehmen bis zum Gelände.

Das macht den Braten aber keinesfalls fett, alles in allem mal wieder ein sehr schönes Festival, das von der Organisation her jedes Jahr besser wird. Ein großes Lob an die Dixi-Verantwortlichen auf dem Campingplatz, die dafür sorgten, dass man drei Tage lang ungeekelt seinem Geschäft nachgehen konnte, das habe ich noch nie besser gesehen! Ein ganz großer Pluspunkt!
Auch die freundlichen Security und Helfer, vor allem auch die freundlichen Menschen an den Essens und Bierständen haben ein Lob verdient und tragen zum Gelingen des Festivals bei.

Bis nächstes Jahr, erst Balingen, dann die ganze Welt !!! CONQUERING THE WORLD !



Mehr Bilder findet ihr natürlich wie immer in unserer Galerie.
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