Den Namen FIDDLER’S GREEN dĂŒrfte jeder schon einmal gehört haben, touren die Jungs doch schon seit 17 Jahren in Deutschland umher im Namen des Irish Folk. Warum landet aber die neue Scheibe „Drive me mad“ auf meinem Tisch, hab ich mir gedacht. Als Metal kann man den Sound nun wirklich nicht bezeichnen und ein Fan von Folkmusik war ich auch nie.
Nun, wie man sich so tĂ€uschen kann, diese Platte hat es so was von in sich
 Als Irish Independent Speedfolk wird FIDDLER’S GREEN gern mal bezeichnet und der Opener „Irish air“ haut mir auch gleich mit einem Affenzahn so was von den Kaffe aus der Tasse, dass ich nur staunen kann. Als bekennender und stolzer Nicht-TĂ€nzer fangen plötzlich beide Beine auf einmal an, zu zucken und ich kann mich kaum noch halten, bevor ich anfange wie ein bekloppter Irrer durch das Zimmer zu hĂŒpfen. Was zum Teufel geschieht mit mir?
Ich hĂŒpfe und springe und tĂ€nzele umher wie ein irischer Kobold um seinen Topf Gold. FIDDLER’S GREEN verbreiten die pure Lebensfreude mit „Irish air“, die direkt ins Blut geht. Morgen hab ich Muskelkater.

„Folk’s not dead“ zeigt dann auch, wie humorvoll die Jungs ihre Musik angehen, man denke nur an den von Patches, Postern und Shirts herabgrinsende Spruch „Punk’s not dead“. Etwas langsamer aber im Refrain nicht weniger fröhlich. Mit „The night Pat Murphy died“ geht’s dann wieder so richtig ab, da wird auf die Kacke gehaun. Wer sich da noch halten kann…. Die pure Lebensfreude, herrlich!
Und recht schnell merkt der geneigte Hörer auch, warum FIDDLER’S GREEN durchaus berechtigt sind, unter einem Haufen Metal Alben genannt zu werden. Die Gitarre zerrt nĂ€mlich ganz schön durch die Songs, auch wenn das Schifferklavier (man möge mir Banause etwaige falsche Bezeichnungen fĂŒr Instrumente verzeihen) und Geige meist im Vordergrund stehen. Wer allerdings bei FINNTROLL oder KORPIKLAANI in der ersten Reihe steht und ĂŒber die ganze Konzertdauer bis zum Stimmversagen „HUMPA HUMPA“ brĂŒllt, der ist hier an der richtigen Adresse!

„Salonika“ treibt gleich den nĂ€chsten Schweiß auf die Stirn und unter die Achseln, was eine Geschwindigkeit, da wird einem ganz duslig. „Rollin“ geht zwar etwas langsamer daher, verfĂŒhrt aber genauso zum ausgelassenen Feiern auf den Tischen mit ĂŒberschwappenden BierkrĂŒgen in den HĂ€nden. Mit dem traditionellen „When will we be married“ wird ein wenig Reggae Feeling versprĂŒht, alles natĂŒrlich ohne Rastas, sondern mit viel irischem Charme.
Mit „Another spring song“ kommt dann eine ganz andere Seite zum Vorschein, weg vom speedigen Happy Folk, hin zum gefĂŒhlvollen Folkrock. Wunderschöne Melodien und tiefe GefĂŒhle, ein sehr schöner Song und die perfekte Abwechslung fĂŒr zwischendurch.

Diese Mischung zieht sich eigentlich durch das ganze Album, blitzschnelle Partyhammer wie „Lukey“, „Marie’s wedding“, „Into your mind“ oder dem Bonus „Creel 2007“ funktionieren prima mit den sehr gegensĂ€tzlichen Balladen oder Halbballaden „Don’t let go“ und „All these feelings“. Das Zwischenspiel wird durch mal rockige, mal groovige Songs der Marke „Captain song“ oder „Drive me mad“ gestaltet. Besonders interessant fĂŒr Folk Liebhaber sind wohl die Instrumentale „Bretonix“ und „Shamrock tunes“ und das traditionelle „I’m here because I’m here“. Handelt es sich hier wirklich um Deutsche?

In wie fern ist „Drive me mad“ nun relevant fĂŒr den Metaller von nebenan? Nun, fĂŒr alle, die gerne mal einen Blick ĂŒber den Tellerrand wagen und sich mal qualitativ hochwertigen Folk-Rock zu GemĂŒte fĂŒhren wollen, ist FIDDLER’S GREEN die beste Möglichkeit. FĂŒr FINNTROLL und KORPIKLAANI Fans (und alle anderen dieser Sorte, wie auch immer sie heißen) sollte „Drive me mad“ Pflicht sein! Auch wenn’s hier rockig anstatt metallisch zugeht, irisch anstatt schwedisch oder finnisch, Trolle und Elche dĂŒrften auch an Kobolden Gefallen finden 
Die Platte hat keine merklichen AusfĂ€lle, allenfalls könnten Folkneulinge bei den 20 Songs (inklusive Bonustracks) etwas ĂŒberfordert werden. Alteingesessene werden sich ĂŒber Value for money freuen!
„Drive me mad“ ist der perfekte Einstieg in eine Musikrichtung, die im Metal in anderer Form schon lange zugegen ist. Hört’s euch an, ihr werdet begeistert sein!

Bewertung: 8,5 / 10

Anzahl der Songs: 20
Spielzeit: 68:21 min
Label: Deaf Shepherd Recordings/Indigo
Veröffentlichungstermin: 12.01.2007
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