Eternity Magazin
RECKLESS TIDE sollten den meisten eigentlich als Gewinner des ersten international angelegten Wacken Metal Battle bekannt sein. Die 2000 gegründete Band war die erste, die in den Genuss eines ganzen Jahres intensiver Promotion vom Label Armageddon Music kam. Mit ihrem zweiten Album wollen die Hannoveraner nun beweisen, dass sie keine Eintagsfliege sind und auch ohne die Metal Battle Promo mit ihnen zu rechnen ist. Das erste, das hier auffällt, ist der knüppeltrockene, präzise und beinharte Gitarrensound. Staccatto Rhythmen paaren sich mit Thrash Drums. Hm, das fängt ja schon mal gut an. Eine nette Keule, die die Zähne wackeln lässt und sogar mit einem eingängigen Refrain glänzt, „Vicious circle“
„The preacher“ folgt dann erst eher gemäßigt mit einem rockigen Chorus, bricht dann aber wieder in angenehmes Geknüppel aus. „Corrupted“ bietet dann die pure Thrashbombe. RECKLESS TIDE brauchen keine komplexen Riffs und Rhythmen, als Thrashband machen sie das, was eine Thrashband am besten kann, nämlich ordentlich auf die Kacke hauen.
Der Sound kommt ihnen hier sehr zu Gute, sehr differenziert und vor allem mit schön Druck Untenrum. Umso beeindruckender, dass „Helleraser“ im eigenen Studio aufgenommen wurde.

Instrumental geht’s hier rund wie ne Bowlingkugel, da gibt’s gar nichts zu meckern. Auch hat man auf die Refrains besonders Wert gelegt, im Gegensatz zum Vorgänger, wo die Melodieführung von Track zu Track langweiliger wurde. So wartet hier eigentlich jeder Song mit einer eingängigen, mitsingbaren Melodie auf. Besonders: „Evolution“.
Auch der Gesang des Doppelgespanns am Mikro hat sich verbessert und ist etwas abwechslungsreicher geworden. Trotzdem werden sich wohl in genau diesem Punkt auch weiterhin die Geister scheiden. Beide Röhren klingen kraftvoll und bieten vor allem auch die notwendigen Unterschiede, aber irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass es auch mit einem Sänger gut funktioniert hätte. Der Wechsel von tiefem Thrash/Death Vocals zum melodischen Gesang würde ein Shouter alleine auch schaffen. Aber was soll’s RECKLESS TIDE bauen auf das Duo. Auf der anderen Seite gibt das der Band auch eine gewisse Eigenständigkeit im Thrash-Genre. Bleibt es also bei der Geschmackssache.

Für Thrasher ist „Helleraser“ mit Sicherheit eine Ausgabe wert. Gegen Ende des Albums muss man seine ausgeschlagenen Zähne wieder einsammeln gehen. Wenn das nicht mal ein Résumé ist ;-). Für den Lachmuskel wird mit „Kleemähendeäbte“ gesorgt, beginnend mit einem, hoffentlich extra schiefem Gesang, auf den ein völlig chaotisch lustiges Thrashstück folgt, dass wohl jedem ein kleines Schmunzeln entlocken wird.
„Extesterone“ und „Helleraser“ sorgen gen Ende dann noch mal für gutes Futter. Bei ersterem fließt auch mal ein klein wenig melodischer Death Metal mit ein, wo der Thrash Metal der Deutschen ansonsten am ehesten an die Bay Area erinnert. Trocken, ohne viel Schnörkel auf die Zwölf, immer wieder aufgelockert mit ein paar eingängigen Melodien.
„Helleraser“ weiß durchaus zu Gefallen, Thrasher können viel Spaß mit diesem Album haben. Aber trotz allem scheint es noch etwas zu früh für RECKLESS TIDE, denn Hits findet man auf der zweiten Scheibe noch keine. Kein Song ist wirklich schlecht, aber irgendwie, auch wenn sie bei jedem Hören ein bisschen wachsen, schaffen es die Songs nicht, eine gewisse Qualitätsmarke zu erklimmen. Wenn die Stärken bei Album Nummer drei ausgebaut werden und die Qualität weiter zunimmt, könnten sie es mit dem dritten Silberling schaffen. (Bernie)

Bewertung: 7,5 / 10

Anzahl der Songs: 11
Spielzeit: 50:25min
Label: Armageddon Music
Veröffentlichungsdatum: 13.10.2006
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