Nicht nur im Hardcore/Metalcore Genre gibt es Bands, die sich lyrisch vehement für die Rechte der Tiere und gegen die Tötung von Nutztieren zur menschlichen Nahrungsergänzung einsetzen. Auch im Grindcore, eher bekannt und berüchtigt durch Splatter und Gore – Texte finden sich mit Bands wie CATTLE DECAPITATION, die sich Pro Vegetarian und Pro Vegan auf die Fahne geschrieben haben. In die nächste Runde geht es nun bei ihnen mit „Karma.Bloody.Karma“. So interessant diese lyrische Ausrichtung auch für viele sein mag, genau so wenig interessant für andere, sollte in erster Linie doch die Musik zählen. Und musikalisch bekommt man bei CATTLE DECAPITATION seit jeher einiges geboten. Technisch über jeden Zweifel erhaben schlendern die Amis stets auf der Klinge zwischen wahnwitzigem technischen Chaos, das Münder offen stehen lässt und der schieren Unhörbarkeit, die nichts als Kopfschütteln verursacht.

Auch „Karma.Bloody.Karma“, übrigens gesegnet mit einem sehr lustigen Cover, schlägt wieder genau in dieses Kerbe und lässt die Klinge immer schärfer werden, auf der die Band balanciert. In einer Mischung aus völlig irrem Grindcore mit der guttural tiefen Stimme von Sänger Travis Ryan und hyper progressiv bis völlig chaotischem Irgendwas.
Die Frage, die sich bei den Songs stellt ist, wie zum Geier noch mal man sich diese vertrackten Musikexperimente merken kann um sie live zu performen. Auf der anderen Seite wird es eh niemandem auffallen, wenn CATTLE DECAPITATION ihre Songs durcheinander schmeißen, weil sich wohl kein normal gearteter Hörer diese kaputten Riffs und Takte merken kann. Von Wiedererkennungswert brauch man erst gar nicht zu sprechen.

Aber so schlecht, wie es erscheinen mag, ist „Karma.Bloody.Karma“ freilich nicht. Man muss den Jungs aus Nevada definitiv ein wahninnig großes Können an ihren Instrumenten attestieren. Was hier geleistet wird ist mehr als beachtlich.
Allerdings geht eben der eigentliche „Song“ Gedanke völlig dadurch verloren, dass man hier so vertrackt und schwierig wie möglich holzt. Zwischendurch scheinen zwar immer wieder einige groovige Teile und auch Parts durch, die man fast als Hook bezeichnen könnte („Unintelligent design“, „Alone at the landfill“). Das Chaos ist aber allgegenwärtig und vor allem stets dominant, was das Hören dieser Platte doch in weiten Teilen sehr schwierig werden lässt.

An hoch mathematischen Formeln erinnernde Riffs gepaart mit einem wahnsinnigen Drummer und dem unmenschlichem Gegrinde von Sänger Ryan, alles zusammen ergibt einen Mix, der die ganze Chose schwer zugänglich macht. Die Pro-Tiere, Anti-Mensch Ideologie, die die Band verbreitet ist wohl zusätzlich nicht jedermanns Sache, vor allem im Grindcore Bereich, von daher ist nicht davon auszugehen, dass CATTLE DECAPITATION mit ihrem neusten Output besonders viel neue Freunde gewinnen werden.
Technisch perfekter, aber vollkommen vertrackter, chaotisch irrer Grind/Death Metal mit pro-vegetarischen Texten. Nur für Fans und welche, die sich durch die Bezeichnung angesprochen fühlen. Ansonsten sehr schwere Kost. (Bernie)

Bewertung: 7,0 / 10

Anzahl der Songs: 12
Spielzeit: 48:46 min
Label: MetalBlade Records
Veröffentlichungsdatum: 30.06.2006
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