CELTIC FROST sind eine der einflussreichsten Bands für die Metalszene!
Doch nach den sehr unrühmlichen letzten Alben lösten sich die Schweizer schlussendlich auf. Bitter nötig. Nach vielen, vielen Jahren Ruhe meldete man sich wieder auf der Bildfläche und veröffentlicht nun mit „Monotheist“ nach 14 Jahren ihr Comeback-Album. Massen von Menschen haben ewig darauf geharrt. Es fällt sehr schwer, eine CD zu reviewen, wenn sich alle 30 Sekunden konstant ein piepsendes Störgeräusch in die Hirnwindungen bohrt. Das macht es fast schon unmöglich, sich ganz auf diese CD einzulassen, wenn die Lieder in konstanter Regelmäßigkeit um ein nervtötendes „piiiiiiiiieeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeep“ erweitert werden.
Kopierschutz in allen Ehren, völlig verständlich, aber doch um Gottes Willen nicht auf diese Art und Weise!!

Aber wollen wir mal nicht so sein, es handelt sich schließlich um die neuen CELIC FROST Scheibe, lang erwartet seit ewigen Jahren.
Vorab sei schon mal gewarnt, wer denkt, dass die Schweizer zurück zu „Morbid tales“ gehen. Das ist nämlich ganz und gar nicht der Fall. Die zwei ersten Walzer „Progeny“ und „Ground“ könnte man zwar in diesem Kontext sehen, sie rollen zäh wie frischer Teer, sehr mühsam aber doch unaufhaltbar ins Ohr des Hörers. Doom, Death, Schmerz und Tod.
“A dying god coming into human flesh“ und vor allem „Drown in ashes“ haben damit nichts mehr zu tun. Hier geht man weiter vor in der Bandgeschichte und beweist, dass die CELTIC FROST Einflüsse viel weiter reichten als nur zum Death oder Black Metal. Vor allem letzt genannter Song hat mit Metal an sich überhaupt nichts am Hut, ein Schlagzeug gibt zwar den Rhythmus vor, von einer verzerrten Gitarre ist aber weit und breit nichts zu hören. Dafür trällert aber eine Dame umso trauriger im Duett mit Tom Fischer. Man kann förmlich sehen, wie sich die Kuttenträger den Schädel an der Wand zertrümmern, während sich in schwarzem Samt Gekleidete langsamst und doch ekstatisch zu dem Beat bewegen. Harte Kost für Old School Fans, aber nicht mehr oder weniger ein Blick ins musikalische Vermächtnis.

Mit „Os abysm vel daath“ gibt’s das bisher schönste „UH“ von Herr Fischer zu hören. Die Gitarren kommen zurück und schleppen sich gar fies und wunderbar zäh durch den Song. Eine Dampfwalze in primitiver Einfachheit, die für ein kurzes Zwischenspiel wieder mit der Dame von eben aufwartet. Gen Schluss wird’s noch mal schnell, könnte Fanatiker bis zu „To Mega Therion“ gefallen.

„Obscured“ kann man wohl getrost als einen Gothic Metal Hit bezeichnen. Fischer singt hier mit der bekannten Dame im wahrlich gräulichen Duett eine saure Melodie. Schwarz, Pech schwarz mit sehr viel Gefühl. Wieder schleppend, doomig, wie eine ganze Packung Hubba Bubba Cola (dunkler gibt’s halt nicht.). Nervtötend für die Death, Black Metal Fraktion, eine Hymne für Gothics.

Metallische Gelüste werden dann endlich wieder mit „Domain of decay“ erfüllt und nicht zu knapp. Im Vergleich zum Rest der Platte recht flott sogar, gibt’s hier massig „UH’s“ und den Beweis, warum sich so viele Metal Bands auf die Band berufen. „Ain Elohim“ führt genau das weiter und wird sogar noch ein Stückchen schneller. Beschwörend trotz Geschwindigkeit, fies und alles niederwalzend mit purem Simplizismus. Der Groove regiert!

Das Album wird abgeschlossen mit der sehr experimentellen Trilogie „Tryptich“.
„Totengott“, Nummer eins, ist ein über 4 minütiges Fast-Instrumental mit fies verzerrter Stimme, das man nicht gerne bei nächtlichem Stromausfall hören würde. Ein regelrecht avantgardistisches und gleichsam beängstigendes, bedrückendes Klangerlebnis. Wou…
Mit fast 15 Minuten längster Song, zeigt „Synagoga satanae“ wieder die metallische Seite von CELTIC FROST. Eigentlich unnötig lang walzt, rollt, zieht, grooved, zertrümmert man hier den letzten Widerstand. Beschwörend okkultistisch und tiefschwarz.
„Winter(Requiem, Chapter Three: finale)“ kommt als Instrumental, ausschließlich gespielt von einem Saiteninstrument (schätzungsweise Cello). Voll Gefühl und Trauer, Melancholie und tiefem Schmerz wird „Monotheist“ abgeschlossen. Ein sehr intensiver Schluss, den man sich ob der melancholischen Gefühlsmasse vielleicht nicht zu oft zu Gemüte führen sollte.

Übrigens: das Störgeräusch wird selbstverständlich nicht auf der regulären CD erscheinen, sondern nur arme Reviewer in den Wahnsinn treiben.
Wenn es aber mal geschafft ist, sich mühsam durch zu hören, was die Musik alleine schon erschwert, dann kann man ein ganz klares Fazit ziehen:
Comeback gelungen!
Über den Sinn und Zweck oder gar die Motivation einer Rückkehr von CELTIC FROST lässt sich natürlich unendlich lang streiten. Fakt ist, dass die Schweizer es mit „Monotheist“ schaffen, ihre komplette History (mal abgesehen von den sehr unrühmlichen letzten Platten) zusammen zu fassen und ein Werk zu schaffen, dass für jeden etwas hat.
„Morbid tales“ und „To Mega Therion“ Freaks werden bei der Hälfte der CD graue Haare bekommen, Fans der gesamten Schaffensperiode können sich dieses Album getrost zulegen.
UH! (Bernie)

Bewertung: 8,0 / 10

Anzahl der Songs: 11
Spielzeit: 68:22 min
Label: Century Media Records
Veröffentlichungstermin: 29.05.2006
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