„Ein Wahnsinnsstück mit Klassikerpotential“, „ein Muss für alle Fans des traditionellen Heavy Metals“… ja, Promoflyer zu zitieren ist uncool, aber bei ICARUS WITCH wird schon im Vorhinein so dick Butter aufs Brot geschmiert, dass man einfach vor Freude platzen müsste, wenn "Capture The Magic" endlich im Player rotiert. Worte sind mächtig, nur was dahinter steckt, ist das was zählt. Wenn man den Namen ICARUS WITCH und das Cover zu "Capture The Magic" betrachtet, dann weiß man, welche Art Musik hier zu erwarten ist. Das muss nicht unbedingt negativ sein, man weiß zumindest, wo man dran ist. Die Jungs aus Pittsburgh stehen für traditionellen Heavy Metal, der sehr stark an die NWOBHM erinnert. Die Band selbst erscheint eher wie eine Mischung aus TURBONEGRO, MOTLEY CRUE und WIG WAM.
Aber die inneren Werte sind doch viel wichtiger... Das sind sie auch. Und deshalb greife ich die Wertung von "Capture The Magic" auch direkt mal vor: GÄÄÄÄHN...

Weder Wahnsinn, noch Klassikerpotential lässt sich hier erkennen. ICARUS WITCH bieten auf ihrem Zweitling sehr altbackenen, meist unkreativen Heavy Metal/Hard Rock. Was der NWOBH damals schon fehlte, aber nicht so schwer ins Gewicht fiel, weil es nun mal noch sehr früh war, ist Härte. Denn auch ICARUS WITCH kommen hier fast ohne Härte aus. "Capture The Magic" ist mit Nichten schlecht produziert, das Gegenteil ist der Fall. Trotzdem fehlt den Songs einiges an Biss. Den braucht zugegebenermaßen natürlich nicht jeder Hörer, aber ein bisschen Biss und ein klein wenig Härte hätte den Pittsburghern wirklich nicht geschadet.

Nun gut, zu den Songs. Stets im mittleren Tempo gehalten, findet man hier eine Mixtur aus SAXON (Sänger Matthew Bizilia klingt wie Biff zu seinen nicht wirklich besten Zeiten) und anderen namhaften Größen des englischen und teils auch amerikanischen Heavy Metals Anfang der 80er Jahre. Von Grund auf ist diese Ausrichtung im Zeitalter des Metalcore Hypes eine sehr lobenswerte Entscheidung und man hört hier auch einen ganzen Batzen Leidenschaft aus den Songs heraus. Es lässt sich nicht bestreiten, dass die Jungs mit Herz bei der Sache sind und voll und ganz hinter ihrer Musik stehen. Leidenschaft kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier einfach die Hooks fehlen. Nur wenige Songs bleiben hängen und irgendwie klingt alles wie gewollt und nicht gekonnt. Einzig "Darklands" kann teilweise überzeugen und würde in anderem Kontext vielleicht auch besser wirken.

Es tut fast schon weh, ICARUS WITCH schlecht zu bewerten, denn im Verlauf des Albums hört man wirklich die Leidenschaft der Musiker für diesen Sound immer mehr heraus. Aber was solls, "Capture The Magic" ist leider ein wenig sagendes, langweiliges Album geworden. Fans der NWOBHM, die damals alles abfeierten, was auf den Markt kam, werden hier vielleicht auch durchaus ihre Freude haben. Für alle anderen gilt: „Gehen sie weiter, hier gibt es nicht zu sehn“.
Es bleibt zu hoffen, dass sich ICARUS WITCH auf den Hosenboden setzen und ein paar bessere Songs fürs nächste Album schreiben. Sonst wird dat nix, hier. (Bernie)

Bewertung: 5,5 / 10

Anzahl der Songs: 9
Spielzeit: 48:17 min
Label: Remedy Records
Veröffentlichungstermin: 19.05.2006
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