thehaunted_versus.jpgAls THE HAUNTED 1998 ihr Debütalbum veröffentlichten, fiel mir die Kinnlade bis zum Boden. Eine derartige Kompromisslosigkeit hatte ich bis dato noch nicht erlebt. Eine perfekte, direkte Produktion mit Songs, an deren Härte heute noch wenige heran kommen. Thrash der Spitzenklasse mit der modernen, etwas Hardcore - lastigen Stimme Peter Dolvings. Die folgenden Alben ließen diese Kompromisslosigkeit missen, begeisterten aber ein ums andere Mal mit dem Hang zu Experimenten und einem Gros an Abwechslung. Nach dem sehr vielseitigen, aber bei den Fans wohl irgendwie untergegangenen „The dead eye", das THE HAUNTED in bester Form, aber mit viel Experimentierfreude zeigte, war es nun anscheinend wieder Zeit für einen Schritt zurück

„Versus" ist das Ergebnis und irgendwie werde ich nicht ganz schlau aus der Platte. „The dead eye" war ein absolut großartiges Album, das Elemente des Debüts aufgriff und sie mit ganz neuen Einflüssen mischte. Heraus kam ein schwieriges aber durch und durch interessantes Album, für das mir 9 Punkte nicht zu schade waren! Es schien aber, als ob die Schweden damit an ihrem Ziel vorbeischossen. Irgendwie wurde es ein wenig ruhig um die Truppe.
Zwei Jahre später mischen THE HAUNTED die Karten komplett neu und kommen mit „Versus" daher, eine direkte Platte, direkt wie sie nur sein kann, daher. Die Frage nach dem Warum kann nicht verschwiegen werden. Ist es ein bewusster Weg hin zu einfacheren Strukturen, weil der Ausflug mit „The dead eye" zu nichts geführt hat? Also praktisch ein bewusstes Hinbewegen zu dem, was die Band eher ausmacht, die Faust in die Fresse, die trockene und fiese Härte? Um ihre Fangemeinde nicht wieder so fragend hinter sich zu lassen wie nach dem letzten Album? Also quasi eine berechnende Kursänderung?

Oder ist es ein bandinternes Zurückbesinnen auf die Stärken der Band nach einem notwendigen Ausflug in andere Sphären? Ein Rückweg, der einfach aus sich heraus entstanden ist ohne direkte Überlegungen und Berechnungen? Ein Befreiungsschlag?

Was es auch immer ist, es ist deutlich zu merken! Die Songs auf „Versus" klingen, wie der Titel es hoffen lässt. Ein „Dagegen" - Schild in musikalischer Form. Der Opener „Moronic colossus" haut gleich dermaßen stark und direkt ohne Umschweife durch die Boxen, dass es einen wundert, wo plötzlich diese Energie herkommt. Da hat sich für Sängerderwisch Peter Dolving wohl wieder einiges aufgestaut. „Versus" ist voller Energie, die stets positiv wirkt. Man fühlt sich nach vorne getrieben. Wenn die CD auch keinen Hit wie „Hate song" oder „Choke hold" beinhaltet, fühlt sich das Album irgendwie gut an.
Die Band hat zwei Gänge zurück geschaltet und ihre Musik wieder um einiges zugänglicher gestaltet. Songs wie „Little cage" oder „Crusher" strotzen vor Power und hauen dem Gegenüber furztrocken die Zähne aus! Mehr als einmal klingen die Songs auf „Versus" wie eine Art Befreiungsschlag aus der alles verschlingenden Dunkelheit, die auf „The dead eye" alles zusammenhielt.

Man darf von „Versus" kein zweites Debüt erwarten, THE HAUNTED sind im Jahre 2008, 10 Jahre nach ihrem ersten, Bahnbrechenden Album nicht mehr bereit, eine Stunde das Gaspedal voll durchzutreten. Dolving nimmt sich auch hier seine Momente heraus, auf denen er in seiner unverwechselbaren Art seine Melodien einbringt und zeigt, welch abwechslungsreicher Sänger er sein kann. „Pieces" oder das fett schleppende und melodische „River run" beweisen dies mit Leichtigkeit.
Ein besonderes Dovling Highlight findet sich in „Skuld", das auch fast auf „The dead eye" hätte stehen können. Hier sind sogar ein paar schwedische Verse zu hören, dieser Track trieft nur so von typischer Dolving'scher Kunst.

Was ist „Versus" nun wirklich? Es ist kein reinrassiges Thrashalbum, es ist aber auch kein kreativer Ausflug, der alle Einflüsse absorbiert, die in seine Nähe kommen. „Versus" ist ein sehr sehr direktes Album, dass THE HAUNTED Fans begeistern wird. Denn die sind es gewohnt, dass ihre Band immer mal wieder ein paar Kurven nimmt und sich irgendwie immer noch, auch nach 10 Jahren, in einem Entwicklungsstadium zu befinden scheint und noch nicht ganz zu wissen scheint, wo sie in Zukunft hin will. Wenn man so will, könnte es man mit „rEVOLVEr" vergleichen, das die Rückkehr von Dolving markierte. Vielleicht ist „Versus" ja auch eine Art Comebackalbum zu alten Stärken, das wird die Zukunft zeigen.

„Versus" sprüht nur so vor Energie und Stärke, die auf den Hörer nach einigen Durchläufen übergeht und zu begeistern weiß! Es wäre ein Fehler, sich als Fan dieses Album nicht zu kaufen. Auch als Neuling im THE HAUNTED - Land kann man gerne ein Ohr riskieren. Hier knallts ordentlich! Sind wir gespannt, wie es weiter geht, „Versus" ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung! Peng! (Bernie)

 

Bewertung: 8 / 10

Anzahl der Songs: 11
Spielzeit: 39:08 min
Label: Century Media Records
Veröffentlichungstermin: 22.09.2008

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