gallhammer_illinnocence.jpgGALLHAMMER ... HELLHAMMER ... die Wortnähe ist kein Zufall. Die japanische Girlband (und das auch nur, weil es sich hier tatsächlich um ein weibliches Trio aus Japan handelt) veröffentlicht mit „Ill-Innocence" ihr neustes, kaum verdaubares Langeisen. In Weiß / Schwarz gehalten ähnelt es fast dem weißen Album der BEATLES. Musikalisch liegen selbstverständlich Universen dazwischen.

Die Konstellation und vor allem Herkunft des Trios sorgte im Vorhinein schon für eine gute Promotiongrundlage. Dabei bleibt es musikalisch relativ unspektakulär, wenn auch mit Seltenheitswert. GALLHAMMER liefern Musik für einen kleinen Kreis von Menschen, der sich nach den Anfangszeiten des Black Metals sehnt und sich gleichzeitig gerne in purem Doom verliert, und dabei ist nicht Doom METAL gemeint, sondern derjenige Doom, der mit absoluter Minimalität auskommt und die Apokalypse praktisch schon riechen lässt.

„At the onset of the age of despair" heißt genau, wie der Song auch klingt, denn Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung bringt das rumpelnde Trio mehr als authentisch rüber. Das heisere Krächzen von Frontfrau Vivian Slaughter passt perfekt zum sehr rohen Geschrammel ihrer Kolleginnen. Primitivste Riffs mit rohem Sound, ein schepperndes Schlagzeug, das man nicht immer gut ausdifferenzieren kann und die Rohheit des ersten Takes sind die Eckpfeiler des GALLHAMMER Sounds.

„Speed of blood" offenbart ein wieder erkennbares, durchdringendes Riff und kann im Kontext sogar als flott bezeichnet werden. Ganz anders entpuppt sich „Blind my eyes" mit gar epischem, gefühlvollem Refrain, ein Gefühl, dass man nicht unbedingt als die pure Verzweiflung identifizieren muss. Die sehr guten Ansätze des Tracks werden allerdings jäh von einem sehr hohen, mädchenhaften Geplärre zerstört, das nach dem Akzente setzenden tiefen Bellen nur noch lächerlich und ungewollt komisch klingt, sehr schade, dieser Track hätte nun wirklich was werden können.
„Ripper the gloom" beginnt als langatmiges Akustik - Percussion Stück, das aber später ganz HELLHAMMER/CELTIC FROST - like weiter schreitet und auch mal schön das Gaspedal durchdrückt. Die Japanerinnen sollten viel öfters so agieren, das würde das Ganze um einiges spannender machen. Ähnlich verhält es sich mit „Killed by the queen", dass auch wieder ganz ihren Helden gewidmet ist und es schön krachen lässt. Besser, besser, besser.
„Song of fall" und vor allem „Ashes world" verlieren sich dann komplett ihm ultra zähen Doom und werden auch nur diejenigen begeistern können, die dieser Musik zugetan sind. Wie eine Steigerung ins unermesslich Langsame und Primitive klingt „Slog", der den Weg der Tracks vorher konsequent weiter führt und wohl nur unter heftigem Cannabis Einfluss zu verstehen ist. Ausklingende, knarzende Akkorde, Agoniebefallenes Gekrächze und noch ein ganzes Stück weiter in Richtung dahinschwindender Existenz markieren den letzten Track „Last scary dream". Konsequent ins Nirvana befördert, könnte man sagen...

GALLHAMMER bieten dem Metaller, wie man ihn kennt überhaupt nichts. Wer sich an „Ill - Innocence" erfreuen könnte, sind oben genannte Black Metal und Doom Freaks, die den Untergang der Welt vertont genießen wollen. Für diese Fraktion hat das Mädchentrio eine mit Sicherheit innovative und vielleicht auch einzigartige Platte eingezimmert, die sich auch sicher mal dazu eignen sollte, den Drogenkonsum zu unterstützen. Denn die Hälfte der Scheibe klingt wie ein fürchterlich fehlgeschlagener Drogentrip. Dass Musik unter Drogen allerdings wahrlich nicht immer schlecht ist, sollte man spätestens seit den DOORS wissen.
Ein sehr schwer verdauliches Stück vertrockneter Erde kommt hier aus Japan gekrochen und sollte dringend vor dem Kauf getestet werden.
Eins ist sicher: Für Fans dieser apokalyptischen Musik und alte HELLHAMMER Recken durchaus ein exotisches Schmankerl, dass man nicht verpassen darf. Für alle anderen ein Klumpen Teer im Magen. (Bernie)


Bewertung: 6 / 10

Anzahl der Songs: 10
Spielzeit: 50:36 min
Label: Peaceville Records
Veröffentlichungstermin: 24.09.2007

 

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