redchord_preyforeyes.jpgWahrlich exreme Musik boten THE RED CHORD schon auf ihrem Metal Blade Debüt „Clients" im Jahre 2005. Mit dem Nachfolger „Prey for eyes" wird die Entwicklung vorangetrieben. „Ich will nicht, dass wir eine dieser Bands sind, die man einfach vergisst", hört man von Sänger Guy Kozowyk. Mit dem neuen Longplayer ist er seinem Ziel einen Schritt näher gekommen.

Denn THE RED CHORD ist eine seltsame Band. Sie können sich einfach nicht entscheiden. Neumodisches Knüppelchaos oder doch straighten Death Metal? Gleich der Opener „Film critiques & Militia men" offenbart ein Gewusel aus komplexen Riffs und Gitarrenläufen, die schwer nachvollziehbar sind. Im Hintergrund ein wahnswitziger Blastbeat Teppich. Nahtlos ineinander übergehend, beginnt Song Numero Zwo namens „Dread prevailed" mit einem fantastischen Death Riff, das in der Kürze von wenigen Sekunden dem Hörer die Löcher in die Socken zerrt.

Aber liegt es vielleicht nicht etwa an fehlender Entscheidungsfähigkeit, sondern an schlichtem Irrsinn, der THE RED CHORD wohl ganz offensichtlich umgibt, dass „Prey for eyes" ein vor Chaos strotzendes Album geworden ist? Bedenkt man, wie sehr chaotische, nicht nachvollziehbare und meist auch schmerzfrei kaum erträgliche Musik im Trend liegt, sollte die Frage durchaus erlaubt sein, warum THE RED CHORD besser sind als alle anderen. Ja, das sind sie nämlich!
THE RED CHORD betten ihre Komplexität nämlich auf einer knallharten Death Metal Basis und lassen Hardcore Elemente völlig außen vor! Blast Beats und moderner Death Metal (auch MACHINE HEAD oder Mitte 90er - SEPULTURA lassen selten aber deutlich grüßen) schaffen eine durch und durch metallische Grundlage, die so vielen anderen fehlt, da ohne metallische Wurzeln auch kein Metal sprießen kann...

So katastrophal kompliziert, wie „Prey for eyes" anfing, geht es glücklicherweise nicht weiter. Der Titeltrack zum Beispiel entpuppt sogar bangbare Rhythmik und einen kurzen Mitgröhlpart und zum Erstaunen sogar einen zähflüssigen, langsamen Part, interessant.
Interessant ist das wohl passendste Wort, um THE RED CHORD zu umschreiben. Im Gegensatz zu den viel zu vielen Chaostruppen, die seit geraumer Zeit den Markt zumüllen, sind die Amis nämlich durchaus erträglich auf lange Sicht. Traurig. Traurig, wenn die Erträglichkeit schon zu einem Bewertungskriterium geworden ist, aber so sind die Zeiten nun mal. Zeiten, in denen Heerscharen von Hardcore - und anderen, unplatzierbaren Fanatikern die Metalszene stürmen, ohne auch nur ein Quäntchen Metal im Arsch zu haben oder sich wirklich einen feuchten Furz für die Musik zu interessieren, die sie jetzt plötzlich nach Jahren des Verspottens für sich selbst nutzen...

Nunja, was auch immer, deshalb haben THE RED CHORD auch einen kleinen Pluspunkt dadurch verdient, dass sie, aus welcher Szene sie auch immer kommen mögen, eine Basis aus richtigem, beinhartem Death Metal geschaffen haben und darauf ihren komplexen Stil aufbauen. Zu diesem Stil gehören auch mal recht straighte Banger wie „Tread on the necks of kings" oder das mit einem sehr geilen Keyboard Lead unterstützte Instrumental „It came from over there".

Wie gesagt, TH RED CHORD trumpfen auf durch Erträglichkeit, interessant und vielschichtig sind viele dieser Chaostruppen, die meisten verlieren sich aber in einem Geflecht von Progressivität und wahnwitzigem Irrsinn. Die Prämisse „faster harder louder" erfährt heute eine Umdeutung in „komplexer kranker chaotischer". Ganz ausschließen kann man THE RED CHORD nicht aus diesem Trendsog, der Unterscheid zu anderen Gruppen liegt aber darin, dass „Prey for eyes" von Anfang bis Ende ein hochinteressantes, abwechslungsreiches Album ist, das immer wieder Neues offenbart und auch auf lange Sicht nicht langweilt.

Etwas anstrengend ist die ganze Sache hier trotz allem, das lässt sich nicht von der Hand weisen. Wer also den straighten Rhythmus von ACDC oder SIX FEET UNDER liebt, der wird mit THE RED CHORD überhaupt nicht warm werden, das ist sicher!
Ein wenig Leidensfähigkeit und Konzentration ist schon von Nöten, um „Prey for eyes" genießen zu können. Probiert es einfach aus, wenn man sich drauf einlässt, ist hier eine kleine Perle zu finden, die einen nicht so schnell wieder loslässt! (Bernie)

 

Bewertung: 8 / 10

Anzahl der Songs: 14
Spielzeit: 45:55 min
Label: MetalBlade Records
Veröffentlichungstermin: 23.07.2007

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