Eternity Magazin

Extrem-Metal aus Norwegen, da denkt jeder automatisch an diverse Schwarzheimer oder artverwandtes, aber weit gefehlt. Ich bin ja ein Freund der skandinavischen Szene und beobachte sorgenvoll wie einige Bands immer mehr auf den US-Markt drängen und dabei ihre angestammten Fans mit Festivalabsagen enttäuschen. INSENSE gehen da einen Schritt weiter, oder besser zeigen es ganz offen, dass sie musikalisch ganz klar von der anderen Seite des großen Teichs inspiriert sind.

Beim Blick auf das sehr gelungene Coverpainting kann man sicher noch an die meisten ihrer Landsleute denken, doch schon die ersten Riffs auf „The Silent Epidemic“ sprechen eine andere Sprache. Würde man das Album ohne irgendwelche vorherigen Informationen anhören, wähnt man sich bei einer Combo aus dem mittleren Westen, die sich wütend über die dortigen Zustände auskotzt. Die Mischung aus Tristesse und Arbeitslosigkeit scheint dem Sänger auf den Magen geschlagen haben, wäre er eben von dort.
Doch Tommy Hjelm stammt wie alle anderen aus der Gegend um Oslo, und scheut sich nicht neue Wege zu gehen. Und diese zeigen ganz klar die Handschrift vom leider viel zu früh verstorbenen Dimebag Darell, vor allem, wenn man die Gitarrenarbeit von Hjelm und Martin Rygge genauer unter die Lupe nimmt. Doch auch die anderen Drei des magischen Kleeblatts des Neo – Thrash der frühen Neunziger standen vor allem bei den Riffs Pate. „Welcome Whore“ und „Skinned of Pride“ zeugen davon.

Natürlich ist der dritte Silberling der Norweger keinesfalls eine altbackene Angelegenheit, die sich an dieser Phase orientiert. Viel zu sehr waten sie im Hard – und Postcore, lassen Erinnerungen an ISIS oder CULT OF LUNA aufkommen. Ständig keift und brüllt Hjelm seinen Hass in die Welt hinaus, um unvermittelt in klagenden Gesang zu fallen. Nur ins weinerliche Metalcore – Fach fällt man zum Glück nicht ab, genauso wenig wie in pure Raserei.
Rhythmisch gesehen ist das Ganze mit seinen Grooves ganz nahe an MESHUGGAH gelagert, neben ein paar vereinzelten IN FLAMES – Harmonien der einzige Bezug zur Heimat. Aber auch sehr verquerer Mathcore und noisige Attacken sind INSENSE nicht ganz fremd. Akustische Passagen bringen neben der nötigen Abwechslung auch noch eine emotionale Note, welche die rohe Wut als Gegenpol noch mehr zum Ausdruck bringt.

Gemischt wurde das selbstproduzierte „The Silent Epidemic“ von Daniel Bergstrand, der in diesem Metier kein Unbekannter ist. Er verpasste dem Album einen sehr trockenen und bei aller Härte klaren Sound. Der will aber nicht so richtig ins Bewusstsein knallen wie man es gerne hätte. Oft wirkt er ein bisschen gebremst und verhalten, gerade in einigen SILPKNOT – verdächtigen Low-Fi-Parts.
In Punkto Intensität müssen INSENSE noch zulegen, da geht bei vielen Genrekollegen mehr. Die Aggression ist wohl hörbar aber sie ist nicht so zu spüren, nicht greifbar. Aber Fans der oben genannten Bands können da gerne zugreifen, bringen die Norweger doch eine frische, wenn auch nicht immer eigenständige Note mit. (MetalPfälzer)


Wertung: 6,5 / 10

Anzahl der Songs: 10
Spielzeit: 47:13 min
Label: Black Ballon Records
Veröffentlichungsdatum: 11.05.2007

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