Was macht ein gestandener Musiker, wenn ihm aus irgendwelchen unabänderlichen Gründen langweilig wird. Er versucht sich an etwas neuem, bei dem vor allem der Spaß in Vordergrund stehen sollte. Bei BROTHER FIRETRIBE ist derjenige NIGHTWISH – Guitarero Emppu Vuorinen, dessen Stammkapelle ja schon seit eineinhalb Jahren auf Eis liegt. Diesen kreativen Freiraum den der Zustand, der sich bald ändern soll, mit sich bringt nutzt er um mit „False Metal“ einfach einmal ein Fun – Album ohne kommerzielle Zwänge einzuzocken.

Fast zu schade allerdings, daß sich diese Truppe seinem Hauptbetätigungsfeld unterordnen werden muss, denn hier regiert wirklich die Freude an der Musik. BROTHER FIRETRIBE zelebrieren reinrassigen Achtziger – Hardrock mit gehörigem Mainstreameinschlag, das allerdings mit einem Feuer und Elan, den man schon seit 15 Jahren nicht mehr gehört hat. Frisch und unbekümmert wie ein nie endender Sommer dringen die Kompositionen von der ersten Sekunde an unaufhaltsam ins Hirn des Hörers und setzen sich da fest.

Das Debüt zitiert die ganze Riege der großen Radio – Bands dieser Ära, allen voran JOURNEY und SURVIVOR, aber auch VAN HALEN Mitte des vorletzten Jahrzehnts, sowie britische Melodicrocker a la MAGNUM oder DARE. Auch teutonische Acts wie AXXIS und PINK CREAM 69 sind ihnen nicht fremd, doch da die Finnen zum Glück selbst sehr melodieverliebt sind, können sie auch ein paar eigene Noten, die den Gesamtsound bestimmen beitragen. Und Melodie haben diese Songs, mal getragen umschmeichelnd wie in „Love goes down“, dann wieder hymnisch wie im phantastischen Opener „Break out“.
Vuorinen glänzt hier mit einfachen aber sehr effektiven Licks und tollen Soli, hier kann er sich nach Herzenslust austoben, während bei NIGHTWISH ja fast alles den Ideen Holopainens untergeordnet ist. Ebenso prägt Tomppa Nikulainens Keyboard die Melodielinien, immer wieder auflockernd manchmal auch sphärisch schwebend wie bei den zwei Balladen. Doch die eigentliche Stärke liegt bei dem Zusammenspiel der beiden, welche Harmonien werden da hervorgezaubert, denen man sofort erliegt. Hinzu kommt die tolle Stimme von Pekka Ansio Heino, der mit seinem angenehm rauen und klarem Organ Größen wie Jimi Jameson oder Jeff Scott Soto das Wasser reichen kann.

Sie präsentieren die hohe Kunst des AOR in Perfektion, als würden sie Stadien füllen. Süffige Melodien die sofort reinlaufen finden sich im Überfluss. Ab der Mitte des Albums übernehmen vielleicht die Tasten etwas zu sehr das Kommando, wie etwa in der Single „One Single Breath“, aber mit dem abschließenden Knaller „Kill City Kid“ runden BROTHER FIRETRIBE diesen Rundling superb ab. Hier ertönen sogar ein paar schwerere Hammond – Anklänge. Natürlich schwebt bei all dem Bombast immer das Kitsch – Schwert wie das des Damokles über den Häuptern der Band, doch zum Glück reißt der Faden nur bei dem unmöglichen Cover – Painting.
Das I – Tüpfelchen auf dem Ganzen ist dann der Sound, der den Raum erfüllt, druckvoll bis in die Spitzen. Die Rhythmusabteilung schiebt unnachgiebig nach vorne, die Drums donnern ordentlich, das ganze sehr klar und differenziert abgemischt, so muss das sein. Hier wurden fast vergessene Attribute der Musik zurückgebracht ohne aufgesetzt zu wirken. Hier herrscht geniales Songwriting, ein Verständnis mit Melodien umzugehen, das seines gleichen sucht. Natürlich erfinden sie das Rad nicht neu, aber dieses hier rollt verdammt gut. Bei aller Liebe zu der Band und ungeachtet der überragenden Livequalitäten von JOURNEY, wären die Herrschaften froh noch einmal so ein Album aufzunehmen. Daß „False Metal“ schon ein paar Monate auf dem Buckel hat und erst jetzt in Deutschland veröffentlicht wird, ist völlig unverständlich (MetalPfälzer)


Wertung: 8,5 / 10

Spielzeit: 45:03 min
Anzahl der Songs: 10
Label: Spinefarm Records
Veröffentlichungsdatum: 27.04.2007

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