Tot oder nicht tot, das war hier die Frage!
Nun, zumindest das ist geklärt, denn SHINING Kopf Niklas lebt noch, und das nicht zu knapp. Prügeleien auf der Bühne, Rasierklingen werden an das Publikum verteilt, sich verbotene Symbole auf die Stirn geritzt und provoziert, wo es nur geht. Die Frage, die sich nun stellt, warum das ganze? Mit dem neuen Album „V/Halmstad“ ist es nun wirklich nicht notwendig. Es regnet… es ist kalt… unangenehm kalt und nass, mein Husten schmerzt wie kleine Messerstiche in der Brust, aber es ist nichts gegen den Schmerz in meinem Inneren… der sich mit der völligen Belanglosigkeit meines Lebens und einer sich ausbreitenden, grauen Gleichgültigkeit abwechselt. Was ich auch tue, es führt zu nichts… welchen Weg ich auch beschreite, er führt ins Dunkel, immer tiefer in meine so geliebte und gehasste Depression, aus der es kein Entrinnen gibt…. Es gibt kein Entrinnen, hier komme ich nie wieder heraus… mein Schmerzen werden größer und größer, sind längst über dem hinaus, was erträglich wäre… es bleibt mir nur noch ein Ausweg… der letzte Schritt… der wirklich letzte im Leben…

„V“ ist ein unglaubliches Manifest der Trauer, der Melancholie und allen voran der Depression! Große Worte über die Musik zu verlieren, lohnt sich hier nicht, da sie als Aufeinanderfolge von Tönen keinerlei Bedeutung für dieses Album hat. Was hier zählt ist Atmosphäre, die pure Emotion! Und Frohsinn ist das letzte, was dem Hörer durch den Kopf schleichen mag, wenn er sich „V“ zu Gemüte führt…

OK, ein paar Worte über die Musik sei gestattet. Fast ausschließlich in langsamen Tempi oder Mittempo gehaltene Songs ohne viel Struktur. Dafür strotzen die neuen SHINING Songs nur so von wunderschön traurigen Melodien, immer wieder ermüdend ruhigen Akustikpassagen mit nur wenig Gesang. Bandkopf Niklas hält sich mit seinem Gekrächze (das nicht immer an typischen Black Metal Gesang erinnert) teils sehr zurück und überlasst der Instrumentierung den Vortritt.
Überraschend eingängig mit einem breiten Soundteppich, der bisher am ehesten an typischen Schwarzmetall erinnert, kreuscht „Lat Oss Ta Allt Fran Darandra“ aus den Boxen, nur um dann in tieftraurige Piano und Celloklänge zu münden, im Hintergrund hört man eine verzweifelte Frau bitterlichst weinen…
Dieses Gefühl zieht so vehement und so weit in Tiefen, die man zuvor noch nicht gesehen oder gespürt hat. Bis die verzerrten Gitarren und ein sehr abgefucktes Solo aus der Lethargie reißen, wie ein Wutanfall unter Drogeneinfluss.

„Besvikelsens Dystra Monotoni“ beginnt wieder mit Streichern, die in ein furioses, zwei Akkorde monotones Riff münden, das von drückender Double Bass untermalt wird. Ein richtig schneller Song für die Verhältnisse der Platte. Dem Titel macht der Song alle Ehre, denn das Riff wird immer wieder monoton wiederholt, bis es wieder in einen ruhigen, aber sehr bedrängenden Part ausartet. Der Kreis schließt sich, wenn das Riff gen Ende wieder auftaucht, um alles nieder zu walzen.
Das Ende der Platte klingt wie das Ende des Lebens, dass im ersten Absatz beschrieben wurde. Melancholische, zähflüssige Pianoklänge breiten sich aus und lassen gerade mal einem Flüstern Platz. Doch es folgt noch „Neka Morgondagen“, das klingt wie der letzte Abschied von einem Leben, dass man nie wollte. Eine gewisse Fröhlichkeit über das Ende des Leidens ist nicht zu überhören. Trotzdem hört man noch einmal einen gellenden Wutschrei, Blastbeats und schnelle Riffs. Und ein klarer Schnitt beendet „V/Halmstad“ inner halb einer Sekunde!

Die Frage, die man sich nach Hören dieses Albums stellen wird, ist, warum eine Band, die so unglaublich emotionale, künstlerisch hoch anspruchsvolle Musik zu Schaffen in der Lage ist, es nötig hat, sich in der Öffentlichkeit auf solche plumpe Provokation zu stützen. OK, Drogen mögen eine wichtige Rolle spielen bei SHINING, aber allein durch ihre großartige Musik sollte die Band genug Potential haben, um aufzufallen.
„V“ ist der vertonte Selbstmordgedanke. Nie zuvor habe ich ein solches tieftrauriges, trotz aller Melancholie leidenschaftliches und ergreifendes Album gehört! Auf dieses Album muss man sich einlassen und sich hinfort tragen lassen. Man sollte allerdings darauf achten, nach Ende der Spielzeit wieder in die Realität zurück zu finden, wie gesagt, der vertonte Selbstmordgedanke…
Ein fantastisches Meisterwerk der pechschwarzen Musik! (Bernie)


Bewertung: 9 / 10

Anzahl der Songs: 6
Spielzeit: 42:37 min
Label: Osmose Productions
Veröffentlichungstermin: 15.04.2007
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